Zinsängste belasten die Schweizer Börse

Zum Wochenschluss haben die Anleger an der Schweizer Börse Gewinne eingestrichen. Auf die Kurse drückten laut Händlern auch der tiefere Ölpreis und wiederaufkeimende US-Zinsängste.
19.02.2016 18:05
Zum Wochenende nochmals ins Minus gerutscht: Die Schweizer Börse am Freitag.
Zum Wochenende nochmals ins Minus gerutscht: Die Schweizer Börse am Freitag.
Bild: cash

Der SMI büsst 0,7 Prozent auf 7863 Punkte ein. Gegenüber der Vorwoche bedeutet dies einen Anstieg um 2,7 Prozent. Dies ist der stärkste Anstieg in einer Woche seit Mitte November. Seit Jahresanfang summiert sich das Minus aber noch immer auf mehr als 10 Prozent.

"Wir blicken auf die beste Woche seit Jahresanfang zurück", sagt ein Händler. Der Markt habe damit die Verluste der vergangenen Woche praktisch wettgemacht. "Da sind Gewinnmitnahmen nur normal."

Ein überraschend starker Anstieg der US-Konsumentenpreise im Januar schürt zudem Spekulationen, dass die US-Notenbank an ihrem geplanten Kurs der schrittweisen Zinserhöhungen in diesem Jahr festhalten kann.

Nestlé verlieren weiter

Der Rückgang der Ölpreise drückte die Aktien des Bohrinselbetreibers Transocean um 3,6 Prozent.

Weiter unter Druck standen die Aktien des Markschwergewichts Nestlé, die um 0,7 Prozent nachgeben. Händler äusserten sich nicht überrascht, aber etwas enttäuscht, dass sich die Nestlé-Aktie nach dem Minus vom Vortag von 3,7 Prozent nicht erholte, sondern weiter nachgab. Gegen eine Erholung sprachen Kurszielsenkungen mehrerer Analysten. Der Titel des Nahrungsmittelkonzerns war am Donnerstag nach dem Jahresergebnis stark unter Druck geraten.

Etwas schwächer sind die Papiere der beiden Pharmariesen Roche und Novartis. Novartis ermässigt sich um 0,5 Prozent. Die Mitteilung, dass die US-Gesundheitsbehörde FDA dem Leukämie-Medikament PKC412 (Midostaurin) das beschleunigte Zulassungsverfahren gewährt, half nicht. "Der Anlageentscheid von J.P. Morgan, den Titel von der Focus-Liste zu streichen, wiegt anscheinend schwerer", sagt ein Händler.

Nach einer freundlichen Eröffnung rutschten die Aktien der Banken in die Verlustzone. UBS schliessen um 0,6 Prozent tiefer und Credit Suisse verlieren 2 Prozent.

EFG-Aktie auf Achterbahnfahrt

Die Aktie von EFG International notiert nach einem achterbahnartigen Kursverlauf um 0,1 Prozent höher. Der Vermögensverwalter ist eigenen Angaben zufolge in exklusiven Verhandlungen mit der brasilianischen BTG Pactual über einen Kauf der Tessiner Privatbanktochter BSI. Der Preis stehe noch nicht fest, doch insgesamt könnte BSI mit bis zu 1,6 Milliarden Dollar bewertet werden, sagt ein Insider.

Die Assekuranzwerte geben mehrheitlich nach. Die Aktie von Swiss Re sackt um 1,4 Prozent ab. Der Rückversicherer informiert am Dienstag über das vergangene Jahr. Von Reuters befragte Analysten erwarten einen Gewinnanstieg um 30 Prozent.

Auch bei den Anteilen zyklischer Firmen setzte sich ein negativer Trend durch. Zum Schluss konnten die Abgaben aber noch eingegrenzt werden. Lafarge-Holcim gehen um 1,4 Prozent tiefer aus dem Markt. Die Bank Berenberg senkte das Kursziel. ABB schwächen sich um 0,6 Prozent ab. Gewinnmitnahmen sorgen bei Adecco für einen Abschlag um 1,4 Prozent. Am Donnerstag war der Titel des Personalvermittlers im Sog des unerwartet guten Ergebnisses von Rivalin Randstad um mehr als 4 Prozent gestiegen.

Übernahmespekulationen um Clariant

Die Aktien von Clariant konnten sich dem negativen Trend fast entziehen. Der Chemiekonzern soll weiter umgebaut werden. Clariant solle auch durch Übernahmen wachsen. Ideal wäre ein Umsatz von 15 Milliarden Franken, sagte Konzernchef Hariolf Kottmann in einem am Freitag online verfügbaren Interview mit der "Finanz und Wirtschaft". "Wenn sich andere für uns interessieren, ist das nicht erschreckend, sondern eher ein Kompliment", kommentierte Kottmann Übernahmespekulationen.

Die Aktie von Sunrise steigt um 0,1 Prozent. Kepler Cheuvreux hat die Analyse des Telekomunternehmens mit dem Rating "Buy" aufgenommen. Dagegen verlieren die Titel des Marktführers Swisscom nach einer Verkaufsempfehlung des Brokers 2,3 Prozent.

(Reuters)