Zinsanstieg erfasst auch die Kassenobligationen

Der starke Zinsanstieg der letzten Wochen zwingt nun auch Anbieter von Kassenobligationen, die Zinsen nach oben anzupassen. cash zeigt, welche Finanzinstitute für mittel- bis langfristige Laufzeiten am meisten bieten.
21.08.2013 07:00
Von Frédéric Papp
Bei gewissen Finanzinstituten gibts deutlich mehr Zins auf Kassenobligationen.
Bei gewissen Finanzinstituten gibts deutlich mehr Zins auf Kassenobligationen.
Bild: Bloomberg

Ab heute Mittwoch passt die Glarner Kantonalbank ihre Zinssätze für Kassenobligationen ab einer Laufzeit von 5 Jahren nach oben an. So bekommt ein Anleger für eine fünfjährige Kassenobligation neu 0,75 Prozent, zuvor lag der Satz bei 0,625 Prozent. Für Laufzeiten zwischen 6 und 10 Jahren beträgt der Aufschlag je 0,25 Prozent.

"Wir reagieren mit der Anpassung auf das allgemein gestiegene Zinsniveau", sagt Patrik Gallati, Mediensprecher bei der Glarner Kantonalbank, zu cash.

Die Referenzzinssätze liegen im historischen Vergleich zwar immer noch auf tiefem Niveau. Seit Anfang Mai allerdings sind sie weltweit deutlich nach oben geklettert. So sind die Renditen auf zehnjährige Bundesobligationen der Eidgenossenschaft um über 80 Prozent auf aktuell 1,13 Prozent emporgeschnellt. Etwa ähnlich haben sich die Renditen auf deutsche Bundesanleihen entwickelt. In den USA hingegen verdoppelten sich die Renditen sogar auf fast 3 Prozent. Zinssensitive Produkte wie Kassenobligationen oder auch Hypotheken können sich einem solchen Zinsanstieg nicht entziehen. Die Glarner Kantonalbank hat reagiert, andere Banken dürften folgen.

Für Anleger mit einem grossen Sicherheitsbedürfnis

Kassenobligationen werden von Banken zu einem fixen Zinssatz und einer festen Laufzeit von 2 bis 8 Jahren, manchmal bis 10 Jahre, ausgegeben. Da die Wertpapiere nicht an der Börse gehandelt werden, nehmen die Banken Kassenobligationen nur unter Berechnung eines Abschlags sowie von Rücknahmegebühren wieder zurück. Je höher die Zinsen seit Abschluss gestiegen sind, desto höher fällt der Abzug aus.

Allerdings sollten nur Anleger mit einem grossen Sicherheitsbedürfnis Kassenobligationen erwerben. Die Papiere unterliegen dem Einlegerschutz der Schweizer Banken beziehungsweise der Staatsgarantie. In einem Institut, das über eine solche verfügt, sind Kassenobligationen zu 100 Prozent gesichert, auch wenn das Guthaben die 100'000 Franken des Einlegerschutzes übersteigt.

Grosse Unterschiede

Ein Vergleich zeigt allerdings: Die Unterschiede bei der Verzinsung von Kassenobligationen sind von Bank zu Bank teilweise markant. So verzinst die Wir Bank zweijährige Kassenobligationen mit 0,625 Prozent (siehe Tabelle unten). Dies ist mehr als das Sechsfache im Vergleich zur Zürcher Kantonalbank (ZKB) oder zur Banque Cantonale Vaudoise (BCV) mit einem Zinssatz von je 0,1 Prozent.

Signifikant sind die Unterschiede auch bei anderen Laufzeiten. Für fünfjährige Papiere liegt die Credit Agricole mit 1,3 Prozent an der Spitze (siehe Tabelle), derweil eine ganze Reihe von Kantonalbanken – darunter die Zuger, die Schwyzer oder die Basler Kantonalbank - bloss 0,375 Prozent bieten.

Bei der Zinsgestaltung sind die Anleger in der Tat der Willkür der Finanzinstitute ausgesetzt. Diese bestimmen die Zinskonditionen in Abhängigkeit ihres Kapitalbedarfs und ihrer Zinsprognose. Eine überdurchschnittliche Verzinsung der Kassenobligationen ist bisweilen auch ein Lockangebot. Die Banken setzen darauf, dass der Kunde neben Kassenobligationen weitere Produkte kauft oder gar seine Konten und Depots transferiert. Ähnliche Lockvogel-Angebote gibt es auch immer wieder bei Sparen-3-Zinssätzen oder bei herkömmlichen Sparkonten.

Kein gutes Umfeld für Obligationen

Zinsspezialist Alessandro Bee von der Bank J. Safra Sarasin hebt allerdings den Warnfinger: "Es herrscht kein gutes Umfeld für Obligationen." Angesichts der nach wie vor tiefen Zinsen gebe es attraktivere Anlage-Alternativen. Weiter befänden sich die Zinsen in einem Aufwärtstrend. "Steigende Zinsen schmälern den Kapitalertrag auf den bestehenden Obligationen", so Bee.

Im laufenden Jahr dürften sich die langfristigen Zinsen in der Schweiz laut Bee auf dem derzeitigen Stand stabilisieren. "Für das kommende Jahr erwarten wir dann ein Zinsniveau um 1,4 Prozent", sagt Bee.  

Wie sich die Zinsen entwickeln werden, hängt hauptsächlich vom geldpolitischen Kurs der amerikanischen Notenbank Fed ab. "Reduziert die Fed die Anleihenkäufe stärker als erwartet am kommenden FOMC-Meeting, werden die Zinssätze weiter anziehen", sagt Bee. Im Markt wird gemunkelt, dass die Fed an ihrer Sitzung von Mitte September ihre monatlichen Wertpapierkäufe zur Ankurbelung der Konjunktur um 20 Milliarden (von 85 Milliarden Dollar) drosseln könnte. Nicht wenige Marktbeobachter, inklusive Bee, erwarten einen solchen Schritt.

 

Die besten Zinssätze von Kassenobligationen (Laufzeit 2 Jahre)

Finanzinstitut Zins pro Jahr
Wir Bank 0,625 %
Banca Popolare die Sondrio, Caisse d'Epargne de Cossonay, GE Money Bank, SLR - meine Bank 0,5 %
bank zweiplus, Crédit Agricole Financements 0,4%
cash zweiplus, Banque CIC, Hypothekarbank Lenzburg, Vadian Bank, VP Bank 0,375%
Caisse d'Epargne Riviera, Hypo Landesbank Voralberg, Valiant Bank 0,3%

Quelle: Schweizer-banken.info / comparis.ch, Stand: 20. August 2013

 

Die besten Zinssätze von Kassenobligationen (Laufzeit 5 Jahre)

Finanzinstitut Zinssatz pro Jahr
Crédit Agricole Financements 1,3%
GE Money Bank 1,25%
Hypothekarbank Lenzburg, SLR - meine Bank, Spar- und Leihkasse Frutigen, Wir Bank 1,0%
Caisse d'Epargne de Cossonay, LGT Bank in Liechtenstein, Vadian Bank, VP Bank 0,875%
Banca dello Stato del Cantone Ticino, Banca Popolare di Sondrio, Banque CIC 0,75%

Quelle: Schweizer-banken.info / comparis.ch, Stand: 20. August 2013