Zinsen grösste Gefahr für die Aktienmärkte

Geht es nach einer deutschen Traditionsbank, dann wird die zukünftige Zinsentwicklung an den Aktienmärkten grundlegend unterschätzt. Und sie warnt vor den davon ausgehenden Gefahren.
02.10.2014 08:33
Von Lorenz Burkhalter
Diskrepanz zwischen den Zinserwartungen der US-Notenbank und der Akteure an den Aktienmärkten birgt Gefahren.
Diskrepanz zwischen den Zinserwartungen der US-Notenbank und der Akteure an den Aktienmärkten birgt Gefahren.
Bild: iNg

Das Bankhaus Lampe dürfte hierzulande nur wenigen ein Begriff sein. In ihrer Heimat Deutschland findet die geschichtsträchtige Bank mit ihren Strategiepapieren allerdings nicht nur bei institutionellen Investoren, sondern auch bei wohlhabenden Privatanlegern grosse Beachtung.

In einem aktuellen solchen Papier warnt der für das Bankhaus Lampe tätige Stratege vor unterschätzten Zinsrisiken. Der Experte hält die Erwartungshaltung an den Aktienmärkten für geradezu gefährlich sorglos und erwartet für die kommenden Monate bestenfalls eine Seitwärtsentwicklung. Dennoch seien latent Abwärtsrisiken vorhanden.

US-Notenbank versucht zu beschwichtigen

Der Experte gibt zwar zu, dass die US-Notenbank an ihrer letzten Offenmarktsitzung bei den Wachstumsprognosen zurückkrebsen musste. Für das nächste Jahr gehe sie in der Mitte der Bandbreite neu von einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts von 2,8 Prozent aus. Bisher habe die Prognose 3,1 Prozent betragen.

Gleichzeitig hätten die Mitglieder des Offenmarktausschusses ihre Zinserwartungen für Ende 2015 und 2016 leicht erhöht, so der Stratege. Mit dem Fed Fund Future mit Verfall vom Dezember 2015 vergleichen, macht er eine gewaltige Differenz zwischen den Zinserwartungen der Marktteilnehmer und jenen der Entscheidungsträger der US-Notenbank aus. Kein Wunder, rentiert dieser Zins-Future mit 0,8 Prozent doch weit unter den 1,375 Prozent liegenden durchschnittlichen Erwartungen der Mitglieder des Offenmarktausschusses.

Die US-Notenbank selber begründe diese Diskrepanz damit, dass die zukünftige Wirtschaftsentwicklung skeptischer als von ihr selber beurteilt werde. Diesem Argument hält der Experte die nächstjährigen Konsensschätzungen für die im S&P-500-Index berücksichtigten amerikanischen Unternehmen entgegen. Von diesen lasse sich ein atemberaubendes Gewinnwachstum von 12 Prozent ableiten, so der Verfasser des Strategiepapiers weiter. Dazu komme die mittlerweile über dem Stand von 2007 liegende Bewertung. Diese lasse nur einen Schluss zu: Die Marktteilnehmer würden schlichtweg nicht damit rechnen, dass die US-Notenbank bei der Zinspolitik überhaupt einen neuen Weg einschlage. Er erachtet die zukünftige Zinsentwicklung in Übersee deshalb als die grösste Gefahr für die Aktienmärkte.