Zinssorgen belasten die Schweizer Börse

Die Ungewissheit über die weitere Zinsentwicklung in den USA hat am Freitag die Schweizer Börse belastet. Vor allem die Aktien der Finanzwerte schwächeln.
19.08.2016 17:30
Sitz der Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich: Die Finanzwerte gerieten am Freitag an der Schweizer Börse unter Druck.
Sitz der Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich: Die Finanzwerte gerieten am Freitag an der Schweizer Börse unter Druck.
Bild: cash

Die Anleger schlugen eine vorsichtigere Gangart ein und zogen sich Händlern zufolge an die Seitenlinien zurück. Der SMI fiel um 0,8 Prozent auf 8127 Zähler. Das Wochen-Minus von 2,3 Prozent ist das grösste seit zehn Wochen.

Impulse von Unternehmens- und Konjunkturseite waren dünn gesät und auch der Verfall der Index- und Aktienoptionen an der Eurex sorgte nicht für stärkere Kursausschläge. "Für einen Verfalltag waren die Aktivitäten schon fast unterirdisch", sagte ein Händler. Das Rätseln über das weitere Vorgehen der US-Notenbank dämpfte den Risikoappetit der Anleger. Aufschluss über die US-Geldpolitik erhofften sie sich vom jährlichen Treffen der Notenbanker aus aller Welt in Jackson Hole am kommenden Freitag.

Innerhalb der Fed haben sich die Stimmen für eine baldige weitere Anhebung der Leitzinsen gemehrt. John Williams vom Fed-Ableger aus San Francisco sagte, ein zu langes Zögern der Notenbank könne negative Folgen für die USA haben, und der Chef der New Yorker Fed, William Dudley, betonte darüber hinaus die starke Erholung am US-Arbeitsmarkt. "Damit dürften die Marktteilnehmer nun wieder jede US-Zahl ganz genau unter die Lupe nehmen", sagte ein Händler. Viele Fed-Beobachter rechnen zum Jahresende mit einem weiteren Schritt nach oben - wenn das Rennen um das Weisse Haus gelaufen ist.

Geberit als Ausnahme

Mit Ausnahme der leicht fester gehandelten Geberit-Aktien notierten sämtliche Standardwerte im Minus. Die Titel der Sanitärtechnik-Firma sind seit dem überraschend guten Halbjahresbericht am Dienstag gefragt.

Vergleichsweise gut hielten sich auch die Syngenta-Aktien mit einem nur leichten Kursabschlag. Die Titel des Agrochemiekonzerns werden vom Übernahmeangebot von ChemChina unterstützt. Als entscheidend für den 40-Milliarden-Dollar-Deal gilt die Haltung des US-Ausschuss CFIUS.

Druck auf den Markt ging vor allem von den an sich als krisenfest geltenden Index-Schwergewichten aus. Die Aktien von Nestle gaben 0,8 Prozent nach - und damit mehr als die Hälfte des vortägigen Kursplus wieder preis. Der Lebensmittel-Weltmarktführer hatte am Donnerstag seinen Halbjahresbericht veröffentlicht.

Die Anteile der Pharmakonzerne Novartis und Roche verloren 0,6 und 0,4 Prozent. Die Swisscom-Aktien sanken nach dem Minus vom Vortag um weitere 1,2 Prozent.

Auch Finanzwerte standen mehrheitlich auf den Verkaufslisten: Die Aktien der Banken Credit Suisse und der UBS wurden 1,4 und 1,5 Prozent schwächer gehandelt. Die Anteile des Vermögensverwalters Julius Bär verloren mehr als zwei Prozent. Vontobel und EFG International sanken 0,4 und 1,8 Prozent.

Bei den Versicherungen büssten Zurich 1,6 Prozent ein. KeplerCheuvreux hat die Empfehlung auf "Reduce" von "Hold" gesenkt. Baloise, Helvetia und Swiss Re verbuchten ebenfalls Abschläge.

Aktien zyklischer Firmen wurden gegen ein Prozent niedriger gehandelt. ABB büssten 1,2 Prozent ein. HSBC hatte den Elektrotechnikkonzern auf "Hold" von "Buy" zurückgestuft. Gewinnmitnahmen beendeten den Erholungstrend bei den Aktien von LafargeHolcim und drückten sie um 1,6 Prozent ins Minus.

Zu den raren Gewinnern gehörten am breiten Markt die Mobilezone-Aktien mit 3 Prozent Kursanstieg. Die Handy-Verkaufskette legte ein gutes Halbjahresergebnis vor. Der Betriebsgewinn stieg um 28 Prozent auf 18,3 Millionen Franken.

Die Kudelski-Anteile legten 3,5 Prozent zu und machten damit einen Teil der Einbussen vom Vortag wett.

(Reuters)