Zinsspekulationen stützen die Schweizer Börse

Die Hoffnung auf eine unverändert lockere Geldpolitik wichtiger Zentralbanken hat am Dienstag die Schweizer Börse gestützt.
06.09.2016 18:00
«Tagessiegerin» an der Schweizer Börse am Dienstag: die Swatch-Aktie.
«Tagessiegerin» an der Schweizer Börse am Dienstag: die Swatch-Aktie.
Bild: Bloomberg

Der SMI notiert zum Börsenschluss bei 8304 Zählern 0,1 Prozent unter Vortagesschluss. Kurzzeitig hat der Leitindex bei 8333 Punkten den höchsten Stand seit Februar markiert. Händler hofften, der Leitindex sei nicht wieder am oberen Rand der seit Monaten bestehenden Spanne von 7800 bis 8300 Zähler gescheitert. "Dann müssten wir wohl wieder unten neuen Anlauf holen", sagt ein Händler.

Der starke Rückgang des US-ISM Index für das nicht verarbeitende Gewerbe im August habe den Erwartungen einer baldigen Zinserhöhung durch die US-Notenbank Fed nach den schwachen US-Arbeitsmarktzahlen vom vergangenen Freitag einen weiteren Dämpfer versetzt, heisst es am Markt. Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte die geldpolitischen Zügel ebenfalls locker lassen.

Die EZB veröffentlicht die Ergebnisse ihrer Ratsitzung am Donnerstag um 13.45 Uhr. Mehrheitlich wird keine Zinsänderung erwartet. Es gebe aber Spekulationen, die EZB könnte den Ankauf europäischer Aktien ankündigen, sagt ein Händler.

Erst mit dem Handelsbeginn an der Wall Street, die am Vortag wegen des Labor-Day-Feiertags geschlossen war, belebte sich der Handel ein wenig. Bis dahin vermissten Börsianer Impulse. Die Stimmung sei am Markt wegen der vielen Übernahmen nicht schlecht. Manche Stimmen mahnten aber zu Vorsicht. "Wegen des Gratisgelds sind manche Marktteilnehmer inzwischen etwas kühn geworden", sagt ein Händler.

Kaufempfehlungen lassen Luxusgüteraktien steigen

Gewinner und Verlierer halten sich in etwa die Waage. Den grössten Anstieg unter den Bluechips verbuchen die Papiere von Swatch mit 1,2 Prozent auf 265,30 Franken. HSBC stufte die Empfehlung auf "Hold" von "Reduce" hoch und hob das Kursziel auf 275 Franken. Die Aktien von Rivalin Richemont gewinnen 0,9 Prozent. HSBC empfiehlt Richemont mit Kursziel 63 Franken zum Kauf. Mit einer Kurseinbusse von rund einem Fünftel zählen die beiden Aktien hinter denen der Grossbanken Credit Suisse und UBS mit minus 40 und minus 26 Prozent zu den Werten mit der schlechtesten Kursentwicklung 2016.

Bei den Finanzwerten verbuchen die Banken Verluste. Credit Suisse sinken um 2,1 Prozent und UBS um 1,4 Prozent. EFG International büssen den Vortagesgewinn teilweise ein. Uneinheitlich sind die Versicherungsaktien. Swiss Re gewinnen 0,4 Prozent. Händler sagen, sollte die Hurrikan-Saison 2016 weniger schlimm als befürchtet ausfallen, dürfte bei manchem Anleger wieder die Hoffnung auf eine höhere Dividende aufkeimen. Bâloise schwächen sich um 0,7 Prozent ab.

Die Anteile der grossen zyklischen Firmen zeigten sich richtungslos. Adecco und ABB legen zu. Sulzer, Clariant, SGS, Lafarge-Holcim, Givaudan und Geberit bröckeln ab.

Überraschend gute Entwicklung der Schweizer Wirtschaft

Wenig verändert zeigen sich Aktien aus der zweiten Reihe: Georg Fischer und Autoneum legen zu, Oerlikon sind gehalten. Gewinnmitnahmen drücken VAT, Rieter und Implenia ins Minus. Händler sagen, die vergleichsweise gute Entwicklung der mittelgrossen Industriewerte an der Börse sei Spiegel der Entwicklung der Schweizer Wirtschaft. Mit 0,6 Prozent wuchs das BIP im zweiten Quartal zum Vorquartal überraschend stark.

0,7 Prozent schwächer sind die Aktien von Syngenta. Bernstein hat das Rating auf "Marketperform" von "Outperform" gesenkt. Chem China verlängert das 43 Milliarden Dollar schwere Übernahmeangebot für den Pflanzenschutzkonzern zum dritten Mal: Die Kaufofferte gelte nun bis zum 8. November. Der chinesische Staatskonzern geht aber weiterhin davon aus, dass die Transaktion bis Ende des Jahres in trockenen Tüchern ist.

Bei den Anteilen der als krisenresistent geltenden Schwergewichte ist der Pharmatitel Novartis marginal leichter und Rivalin Roche rückt 0,2 Prozent vor. Der Lebensmitteltitel Nestlé legt 0,1 Prozent zu.

Am breiten Markt stechen die Aktien der Schweizerischen Nationalbank (SNB) hervor, die um 6,9 Prozent auf 1515 Franken steigen. Leclanché sinken um 3,6 Prozent. Der Batteriehersteller legt am Mittwoch den Halbjahresbericht vor.

(Reuters/cash)