Zinsungewissheit vergrault Schweizer Anleger

Die Schweizer Börse ist am Mittwoch weiter abgebröckelt. Angesichts der andauernden Ungewissheit über den Zeitpunkt der nächsten US-Zinserhöhung hielten sich die Anleger bedeckt, sagen Händler.
14.09.2016 17:45
Einen schlechten Tag an der Schweizer Börse erleben am Mittwoch die Aktien des Luxusgüterkonzerns Richemont, zu dem auch die Marke Cartier gehört.
Einen schlechten Tag an der Schweizer Börse erleben am Mittwoch die Aktien des Luxusgüterkonzerns Richemont, zu dem auch die Marke Cartier gehört.
Bild: Bloomberg

Der SMI notiert nach einem Auf und Ab in enger Spanne zum Börsenschluss um 0,2 Prozent tiefer bei 8163 Punkten. Am Vortag hatte der Leitindex 0,4 Prozent verloren.

"Es sind letztlich die Diskussionen um die US-Geldpolitik, die den Handel prägen", sagt ein Händler. Von Vertretern der Federal Reserve waren dazu unterschiedliche Signale gekommen: Einige von ihnen hatten vor einer zu zögerlichen Zinspolitik gewarnt und eine Debatte über eine straffere Geldpolitik bei der Sitzung kommende Woche gefordert. Das hatte an den Märkten Spekulationen ausgelöst, die Fed könnte die Zinsen bereits im Herbst und damit früher als erwartet anheben. Fed-Direktorin Lael Brainard hatte dann jedoch für Beruhigung gesorgt: Sie hatte vor einem frühen Ende der lockeren Geldpolitik gewarnt, mit der Notenbanken weltweit in den vergangenen Jahren für steigende Aktienkurse gesorgt hatten. Das Auf und Ab zeige, wie wichtig die Diskussion über die US-Zinsentwicklung weiterhin für die Märkte sei, sagt ein Händler.

Darüber hinaus sorgte auch der sinkende Ölpreis für Verunsicherung. Er hatte am Dienstag deutlich nachgegeben, nachdem die Internationale Energiebehörde (IEA) erklärt hatte, das Überangebot des Rohstoffs werde sich bis weit ins nächste Jahr hinziehen. Die rückläufigen US-Lagerdaten sorgten am Mittwoch kurz für eine Entspannung, bevor die Talfahrt weiterging.

Richemont für schlechte Zahlen abgestraft

Der Aktienmarkt in Zürich bleibt dank Kursgewinnen von Index-Schwergewicht Nestlé vor deutlichen Verlusten verschont. Im Mittelpunkt des Interesses steht allerdings Richemont. Der Luxusgüterkonzern führen die Liste der SMI-Verlierer mit einem Kursabschlag von 3,9 Prozent an. Wegen der schwachen Nachfrage nach teuren Uhren brach bei der Nummer zwei der Branche der Umsatz in den ersten fünf Geschäftsmonaten stärker als befürchtet ein. Der Konzern warnte zudem, dass Restrukturierungsaufwendungen und Kosten für Produktrücknahmen den Betriebsgewinn im ersten Geschäftshalbjahr rund 45 Prozent unter das Vorjahresniveau drücken dürften. Präsident Johann Rupert sagte auf der Generalversammlung in Genf, dass Richemont noch abspecken müsse, um sich der wirklichen Nachfrage anzupassen.

Auch die Aktien des Uhrenkonzerns Swatch sacken 3,1 Prozent ab. Der Sektor stand europaweit unter Druck. Hermes verprellte die Anleger mit seinem Verzicht auf eine Umsatzprognose ab dem nächsten Jahr, die Aktien fielen um 8,5 Prozent. Die Titel von Marktführer LVMH verloren 2,4 Prozent.

Ebenfalls auf den Verkaufszetteln standen Bankaktien. Credit Suisse und UBS büssen 0,8 und 1,4 Prozent ein. Julius Bär verlieren 0,1 Prozent ein.

Nestlé stützt den SMI

Die grösste Stütze des SMI sind die Nestlé-Anteile mit einem Anstieg von 0,4 Prozent auf 77,50 Franken. Der Lebensmittelkonzern profitierte von einer Kaufempfehlung von Goldman Sachs. Die Investmentbank erhöhte das Kursziel auf 90 von 65 Franken.

Die Aktien des Elektrotechnikkonzerns ABB geben 0,6 Prozent nach. Der Chef des Grossaktionärs Cevian, Christer Gardell, forderte jüngst die Abspaltung und separate Börsenkotierung des Netzwerkgeschäfts. Cevian hat die Beteiligung innert Jahresfrist auf 6,2 Prozent aufgestockt.

Am breiten Markt legen die Aktien des Handels-Dienstleisters DKSH 4,9 Prozent zu, nachdem Credit Suisse die Empfehlung auf "Outperform" von "Underperform" angehoben hat. Beim Flughafen Zürich quittierten die Anleger das Passagierplus von 4 Prozent im August mit einem Kursplus von 2,9 Prozent. Bei Newron griffen die Anleger am Tag vor dem Halbjahresbericht zu, die sehr volatilen Titel der Pharmafirma ziehen 4,3 Prozent an.

(Reuters/cash)