Zürcher Traditionsbank - Julius Bär wird den aufgebauschten Erwartungen nicht gerecht

Julius Bär fliessen in den ersten vier Monaten Kundenvermögen inmitten der Zielbandbreite zu. Die Bruttomarge verbessert sich, wird den hohen Erwartungen aber nicht gerecht. Dennoch weiss sich die Aktie zu behaupten.
22.05.2017 11:32
Von Lorenz Burkhalter
Kann mit den ersten vier Monaten zufrieden sein: Julius-Bär-Chef Boris Collardi.
Kann mit den ersten vier Monaten zufrieden sein: Julius-Bär-Chef Boris Collardi.
Bild: Bloomberg

Freundliche Finanzmärkte bescherten Julius Bär in den ersten vier Monaten ein Nettoneugeldwachstum in der Mitte der firmeneigenen Zielbandbreite von 4 bis 6 Prozent. Gleichzeitig sorgen saisonale Faktoren für eine Verbesserung der Bruttomarge um 2 auf knapp 90 Basispunkte. Dabei verfehlt die Zürcher Traditionsbank die bei 91 Basispunkten liegenden Analystenerwartungen jedoch leicht. Schuld sind die weiterhin hohen Kosten. Mit 71 Prozent liegt das Kosten-Ertrags-Verhältnis nämlich über den von Julius Bär angestrebten 64 bis 68 Prozent.

Die Aktie kann an der Schweizer Börse SIX frühe Gewinnmitnahmen abschütteln. Zur Stunde gewinnt sie 0,7 Prozent auch 52,05 Franken. Im bisherigen Handelsverlauf wurden Kurse zwischen 51,05 und 52,30 Franken bezahlt.

Als durchwachsen wird der Zwischenbericht in einem Kommentar von Baader-Helvea bezeichnet. Allerdings gewinnen dort die Analysten der Geschäftsentwicklung der ersten vier Monate durchaus auch Positives ab. Dazu zählen die etwas höher als erwartet ausgefallenen verwalteten Kundenvermögen, die Beschleunigung beim Nettoneugeldwachstum sowie die organische Stärkung der Kernkapitalquote.

Nur langsame Fortschritte auf der Kostenseite

Im Gegenzug zeigt sich der Experte von der Bruttomargenentwicklung leicht enttäuscht. Er erklärt sich diesen Umstand mit einem etwas schwächer als erwartet ausgefallenen April. Aufgrund der längerfristig intakten Aussichten wird die Aktie bei Baader-Helvea weiterhin mit einem Kursziel von 56 Franken zum Kauf empfohlen.

Auch sein Berufskollege von der UBS Investmentbank findet mehrheitlich Gefallen an der beobachteten Geschäftsentwicklung. Er selber rechnet über die kommenden Jahre nur mit langsamen aber konstanten Fortschritten auf der Kostenseite und zeigt sich deshalb nicht sehr überrascht, was das noch immer hohe Kosten-Ertrags-Verhältnis anbetrifft. Der Analyst rät weiterhin mit einem 53 Franken lautenden 12-Monats-Kursziel zum Kauf der Aktie.

Trends zeigen in die richtige Richtung

Wie der Experte bei der Bank Vontobel schreibt, sind die verwalteten Vermögen dank der Nettoneugeldzuflüsse und der positiven Marktentwicklung insgesamt etwas höher als erwartet, die Bruttomarge und das Kosten-Ertrags-Verhältnis hingegen unter den Erwartungen ausgefallen. Er hält die erhoffte Verbesserung des Kosten-Ertrags-Verhältnisses ans obere Ende der Zielspanne von 64 bis 68 Prozent weiterhin für eine Herausforderung. Die bankeigene Schätzung für das laufende Jahr liegt deshalb bei 69,3 Prozent. Die Aktie wird unverändert mit "Hold" und einem Kursziel von 46,60 Franken eingestuft.

Bei der Zürcher Kantonalbank heisst es hingegen, dass dem Zwischenbericht keine wirklichen Überraschungen zu entnehmen seien. Nach den Investitionen des letzten Jahres in neue Berater bewege sich sowohl die Kosten-Ertrags-Relation als auch die Bruttomarge langsam wieder in die richtige Richtung, so der verantwortliche Analyst. In Anbetracht der vergleichsweise stolzen Bewertung stuft er die Aktie von Julius Bär nur mti "Marktgewichten" ein.