«Zurich»-Aktie aus dem Ausland gefragt

Der Turnaround beim Versicherungskonzern Zurich nimmt Fahrt auf, was für Applaus aus der Analystengemeinde sorgt. Käufe aus dem Ausland lassen den Aktienkurs kräftig steigen.
11.08.2016 13:29
Von Lorenz Burkhalter
Unter dem neuen Zurich-Chef Mario Greco gewinnt der Turnaround an Fahrt.
Unter dem neuen Zurich-Chef Mario Greco gewinnt der Turnaround an Fahrt.
Bild: ZVG

Nach den soliden Erstquartalszahlen von Mitte Mai fragte man sich am hiesigen Aktienmarkt, ob die Zurich Insurance Group (ZIG) unter der Leitung des neuen Konzernchefs Mario Greco mit einem starken zweiten Quartal nachlegen könne. Seit dem frühen Donnerstag morgen wissen wir: Ja, der Versicherungskonzern kann.

Sowohl beim operativen Gewinn (BOP) als auch beim Reingewinn werden die jeweiligen Konsensschätzungen in der ersten Jahreshälfte klar übertroffen. Und das obschon hohe Kosten im Zusammenhang mit Naturkatastrophen anfielen.

Das wiederum stärkt an der Börse die Zuversicht, dass das Unternehmen die mehrheitlich hausgemachten Probleme unter Greco zusehends in den Griff bekommt. Zur Stunde gewinnt die Aktie der ZIG an der Schweizer Börse SIX denn auch 4,5 Prozent auf 253,70 Franken. Beobachter berichten von einer Mischung aus Anlage- und Deckungskäufen, welche vorwiegend aus dem Ausland bestimmt werden.

Dem für Baader Helvea tätigen Versicherungsanalyst zufolge liegt der um positive Sonderfaktoren bereinigte operative Gewinn im zweiten Quartal um 10 Prozent über den Konsensschätzungen und sogar um mehr als 20 Prozent über den bankeigenen Schätzungen.

Dem Sorgenkind geht es besser

Rückblickend hatte der Experte mit grösseren Beeinträchtigungen im Zusammenhang mit Unwetterschäden gerechnet. Diese Befürchtungen seien nun nicht eingetreten, so schreibt er und verweist dabei auf die stabile Entwicklung beim Combined Ratio.

Heutiger Kursverlauf der Zurich-Aktie, Quelle: www.cash.ch

Bei Baader Helvea findet man vor allem an den beim Sorgenkind General Insurance erzielten Fortschritten Gefallen. Dass sich die Reserveauflösungen mit den zuvor von den Firmenvertretern gemachten Aussagen decken, wird sehr begrüsst. Der Analyst hält deshalb sowohl an seiner Kaufempfehlung für die Aktie als auch am Kursziel von 271 Franken fest.

Auch sein Berufskollege von der Zürcher Kantonalbank ist voll des Lobes für den Versicherungskonzern. Der Abschluss übertreffe die Erwartungen insgesamt, so schreibt er. Auch er macht die gute operative Entwicklung im Bereich General Insurance für die gelungene Überraschung verantwortlich. Die Marktbefürchtungen über ein schlechtes Resultat durch hohe Schäden sind seines Erachtens nicht eingetroffen. Auch er empfiehlt die Aktie mit "Übergewichten" zum Kauf.

Bernstein einfach unverbesserlich

Der für J.P. Morgan tätige Experte findet vor allem aufgrund der guten Qualität Gefallen am vorliegenden Ergebnis. Dabei verweist er auf die beim sogenannten Combined Ratio erzielten Fortschritte. Nun stelle sich die Frage, wie rasch der Versicherungskonzern bei dieser technischen Kennzahl zur europäischen Konkurrenz aufschliessen könne, so ergänzt er. Die Aktie von ZIG wird bei J.P. Morgan mit "Overweight" und einem Kursziel von 268 Franken eingestuft.

Einzig bei Bernstein Research hält man nicht sonderlich viel von der Aktie. Diese wird bei den Amerikanern weiterhin mit "Underperform" und einem optisch tiefen Kursziel von 190 Franken zum Verkauf empfohlen. Das solide Resultat ändere grundlegend nichts an dieser Investmentthese, so lässt der verantwortliche Experte in einem Kommentar durchblicken. Er erachtet die Konsenserwartungen an den Versicherungskonzern in den Jahren nach 2016 weiterhin als zu hoch und warnt vor Dividendenkürzungen.