Zurich-Aktie: Die Angelsachsen greifen zu

Der Versicherungskonzern Zurich legt durch Sonderfaktoren aufgeblähte Quartalszahlen vor. Käufe aus dem angelsächsischen Raum bescheren der Aktie am Nachmittag eine Kurserholung.
15.05.2014 16:05
Von Lorenz Burkhalter
Hat nach überzeugenden Quartalszahlen gut Lachen: Der Zurich-CEO Martin Senn.

Eigentlich hatten sich die Analysten bei der Zurich Insurance Group schon auf eine weitere Ergebnisenttäuschung eingestellt. Doch es sollte alles anders kommen: Der für das erste Quartal des Geschäftsjahres veröffentlichte Zahlenkranz weiss für einmal zu überzeugen.

Sowohl beim Betriebsgewinn, insbesondere aber beim Reingewinn werden die Konsensschätzungen sehr deutlich übertroffen. Auch beim Eigenkapital gelingt dem Versicherungskonzern ein Quantensprung.

Und obschon gleich mehrere Sonderfaktoren das Ergebnis besser darstellen als es eigentlich ist, fällt die Resonanz aus dem Analystenlager mehrheitlich positiv aus. Nach einem vorübergehenden Einbruch wird die Aktie der Zurich Insurance Group im Laufe des Nachmittags von Käufen aus dem angelsächsischen Raum erfasst. An der Schweizer Börse SIX gewinnt sie aktuell 0,7 Prozent auf 259,80 Franken.

Gewinn durch einmalige Faktoren aufgebläht

Der für die Bank Vontobel tätige Analyst berichtet von einem guten Jahresauftakt. Allerdings hätten einmalige Sonderfaktoren wie höher als erwartete realisierte Wertschriftengewinne sowie einmalige Gewinne auf Pensionsverpflichtungen geholfen. Dank einem soliden Ergebnisbeitrag der amerikanischen Tochter Farmers und einem tiefer als befürchteten Combined Ratio sei die Geschäftsentwicklung dennoch erfreulich. Der Analyst hält fürs erste am "Hold" lautenden Anlageurteil sowie am Kursziel von 270 Franken fest.

Ähnlich äussert sich sein für die Zürcher Kantonalbank tätiger Berufskollege. Bei der Entwicklung der Bruttoprämien seien seine eigenen Schätzungen nur knapp erfüllt worden. Rückläufig seien diese insbesondere bei der amerikanischen Tochter Farmers gewesen. Die Differenz zwischen den effektiven Ertragszahlen und den Erwartungen erklärt sich der Analyst vor allem mit der starken Entwicklung des Nichtlebengeschäfts.

Im Lebengeschäft seien seine Erwartungen hingegen verfehlt worden. Dennoch bezeichnet er den Quartalsabschluss als ein gutes Zahlenset. Die Aktienbewertung liege derzeit jedoch bei dem 1,2-fachen ausgewiesenen Buchwert von 207,20 Franken und weise damit nur geringes Aufholpotenzial auf. Deswegen stuft der Analyst die Aktie wie bis anhin nur mit "Marktgewichten" ein.

Zahlenkranz schwierig zu interpretieren

Etwas vorsichtiger äussert man sich bei der UBS Investmentbank. Einem Kommentar aus dem Aktienhandel ist zu entnehmen, dass die Konsensschätzungen beim operativen Gewinn zwar um rund 5 Prozent übertroffen werden konnten. Das vor allem dank einem günstigeren Combined Ratio. Allerdings sei der Zahlenkranz schwierig zu interpretieren, verweise das Unternehmen selber doch auf mehrere nicht genauer quantifizierte Sonderfaktoren.

Darüber hinaus weise es nicht mehr länger grosse Einzelverluste aus. Fortschritte habe der Versicherungskonzern beim für die Dividendenpolitik wichtigen ökonomischen Kapital gemacht, so der Verfasser des Kommentars. Die Aktie der Zurich Insurance Group wird bei der UBS Investmentbank mit "Neutral" und einem 12-Monats-Kursziel von 252 Franken eingestuft.

Bei Kepler Cheuvreux versucht man die Sondererträge in Zahlen zu fassen: Der Reingewinn sei alleine schon aufgrund realisierter Gewinne von 326 Millionen Dollar über den Erwartungen ausgefallen. Der verantwortliche Analyst hatte mit realisierten Gewinnen von gerademal 140 Millionen Dollar gerechnet. Dadurch sei die Gewinnentwicklung zwar gut, die bei den Bruttoprämien jedoch etwas weniger. Nicht zuletzt dank der starken Eigenkapitalbasis und der attraktiven Dividendenrendite empfiehlt er die Aktie dennoch mit einem Kursziel von 295 Franken zum Kauf.