Zurich-Aktie reagiert verhalten auf Rosskur

Der neue Zurich-Chef macht vorwärts und verpasst seinem Arbeitgeber eine neue Struktur. An der Börse wird das jedoch noch nicht entsprechend gewürdigt. Die Aktie liegt im Angebot.
10.06.2016 11:43
Von Lorenz Burkhalter
Lässt nichts anbrennen: Der neue Konzernchef bei der Zurich Insurance Group, Mario Greco.
Lässt nichts anbrennen: Der neue Konzernchef bei der Zurich Insurance Group, Mario Greco.
Bild: ZVG

Gut drei Monate ist es her, dass Mario Greco sein Chefbüro am Hauptsitz der Zurich Insurance Group (ZIG) am Mythenquai in Zürich bezogen hat. Nachdem er Anfang Mai ein deutlich besser als erwartetes Quartalsergebnis bekanntgeben konnte, legt der Nachfolger des kürzlich verstorbenen Martin Senn nun mit grösseren organisatorischen Veränderungen nach: Die Struktur des traditionsreichen Versicherungskonzerns soll vereinfacht und damit eine Basis für zukünftige Rentabilitätsverbesserungen gelegt werden.

Vermutlich weil die ZIG in der Pressemitteilung nicht sehr konkret wird, wie die Veränderungen im Detail aussehen sollen, kommen die Pläne an der Börse nur mässig an. Selbst die ermutigenden Aussagen zur Eigenkapitalsituation und zu den Reserven können daran nichts ändern.

An der Schweizer Börse SIX verliert die Zurich-Aktie zur Stunde 0,8 Prozent auf 225,70 Franken. Schuld ist nicht zuletzt der um 1,2 Prozent schwächere Swiss Market Index.

Weg von der langjährigen Matrix-Organisation

Händler begrüssen die bekanntgegebenen Veränderungen, lassen allerdings durchblicken, dass diesbezüglich nicht viel "Fleisch am Knochen" sei. Gut sei, dass der neue starke Mann bei der ZIG nichts anbrennen lasse und vorwärts mache, so heisst es weiter.

Ebenfalls positive Worte findet der für die Bank Vontobel tätige Analyst. Er bezeichnet die Abkehr von der bisherigen Matrix-Organisation als einen "sinnvollen Schritt", erachtet er letztere doch als unflexibel. Der Experte zeigt sich zudem zuversichtlich, dass der Versicherungskonzern dank dieser Massnahme die eigenen Sparziele sogar übertreffen und die Umsatzdynamik verbessern kann. Aufgrund ihrer vergleichsweise hohen Bewertung wird die ZIG-Aktie bei der Bank Vontobel weiterhin nur mit "Hold" und einem Kursziel von 240 Franken eingestuft.

Alles eine Frage der Kosten

Der neue Konzernchef setze mit der heutigen Ankündigung einer schlankeren und kundenorientierteren Struktur ein erstes Ausrufezeichen, schreibt sein Berufskollege von der Zürcher Kantonalbank. Er sieht sich in seiner These der "Restrukturierungs-Story" bestätigt und erwartet bezüglich der Rentabilität weitere Verbesserungen. Die Aktie empfiehlt er wie bis anhin mit "Übergewichten" zum Kauf.

Auch bei der UBS Investmentbank wird die neue Organisationsstruktur als ein Muss auf dem Weg zu einer schlankeren Kostenbasis bezeichnet. Weitere Detailinformationen erhofft sich der für die Schweizer Grossbank tätige Analyst vom diesjährigen Investorentag am 17. November. Vorbehalte äussert er höchstens in Bezug auf die nicht näher bezifferten Kosten der organisatorischen Neuausrichtung. Der Experte hält deshalb sowohl am "Neutral" lautenden Anlageurteil als auch am Kursziel von 229 Franken für die Aktie fest.

Fragezeichen anderer Natur setzt der Analyst von Kepler Cheuvreux und ortet die Probleme des Versicherungskonzerns eher bei der Qualität des Neugeschäfts und weniger bei der Kundennähe. Seines Erachtens zielt die organisatorische Neuausrichtung daher an den eigentlichen Problemen vorbei. Er stuft die Aktie unverändert mit "Hold" und einem Kursziel von 252 Franken ein.