Zurich-Aktie taucht auf unter 200 Franken

Dem Versicherungskonzern Zurich bricht der Gewinn weg. Allen Unkenrufen zum Trotz zahlt er seinen Aktionären eine stabile Dividende. Dennoch fällt die Aktie auf den tiefsten Stand seit über drei Jahren.
11.02.2016 11:31
Von Lorenz Burkhalter
Der Versicherungskonzern Zurich hält bei der Dividende Wort. Dennoch fällt die Aktie. Im Bild VR-Präsident Tom De Swaan.
Der Versicherungskonzern Zurich hält bei der Dividende Wort. Dennoch fällt die Aktie. Im Bild VR-Präsident Tom De Swaan.
Bild: ZVG

Die Aktionäre der Zurich Insurance Group dürfen aufatmen: Nach der Gewinnwarnung von Ende Januar birgt das Jahresergebnis keine weiteren Überraschungen.

Auch nicht, was die Dividende anbetrifft - erweisen sich die in den letzten Wochen herumgereichten Spekulationen rund um eine Dividendenkürzung auf 12 oder 14 Franken je Aktie rückblickend doch als falsch. Der in Zürich beheimatete Versicherungskonzern will den Anteilseignern für das vergangene Jahr erneut eine reguläre Ausschüttung von 17 Franken je Aktie entrichten. Und das erst noch verrechnungssteuerfrei aus den Kapitaleinlagereserven.

Im vorbörslichen Handel noch gefragt, taucht die Zurich-Aktie an der Schweizer Börse SIX auf unter 200 Franken. Nachdem sie bei 194,70 Franken zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit Ende Juni 2012 fiel, verliert sie aktuell noch 3,9 Prozent auf 197,40 Franken.

Dem für die Bank Vontobel tätigen Analyst zufolge liegt der Zahlenkranz im Schlussquartal leicht unter den Erwartungen. Er macht vor allem die etwas höhere Steuerbelastung für die Differenz verantwortlich.

Schreckens-Szenarien bewahrheiten sich nicht

Die Jahresergebnisveröffentlichung bezeichnet er dennoch als einen "Befreiungsschlag" und hält die negativen Aspekte weitestgehend für eingepreist. Der Experte hält vorerst am "Hold" lautenden Anlageurteil sowie am Kursziel von 240 Franken für die Zurich-Aktie fest.

Nicht nur die Angst vor einer einschneidenden Dividendenkürzung, auch jene vor massiven Nachreservierungen hätten sich als unbegründet erwiesen. Solche hätten das auf rund 3 Milliarden Dollar geschätzte Überschusskapital vermutlich stark geschmälert. Die Aktionäre dürften nun jedoch fürs erste aufatmen, so heisst es im Handel.

Ähnlich äussert sich der Analyst der UBS Investmentbank. Seines Erachtens liegen die Gewinnbeiträge aus dem Lebensversicherungsgeschäft und der US-Tochter Farmers zwar leicht unter den Erwartungen. In erster Linie zeigt er sich jedoch beruhigt darüber, dass das Unternehmen nicht mit weiteren Hiobsbotschaften aufwarten musste. Er stuft die Aktie bis auf weiteres mit "Neutral" und einem 12-Monats-Kursziel von 231 Franken ein.

Stabile Dividende aber keine Aktienrückkäufe

Als positiv bezeichnet die Zürcher Kantonalbank die Dividendensituation. Es seien teils Kürzungen erwartet worden, so ist einer ersten Stellungnahme zum Jahresergebnis zu entnehmen. Die dem Buchwert entsprechende Aktienbewertung sei moderat und nehme viel Negatives vorweg. Der Autor des Kommentars hält deshalb an der "Übergewichten" lautenden Anlageempfehlung fest.

Sein Berufskollege von Bernstein Research gibt hingegen zu bedenken, dass das erhoffte Aktienrückkaufprogramm geopfert worden sei, um eine Dividendenkürzung zu umgehen. Eine solche Kürzung sei aber nicht endgültig vom Tisch, könnte der neue Chef nach seinem Antritt von Anfang März doch weitere Bilanzbereinigungen vornehmen und im Zuge dessen auch die Dividendenpolitik neu aufstellen. Bei Bernstein Research wird die Aktie schon seit Monaten mit "Underperform" zum Verkauf empfohlen.

8 Prozent Rendite im April

Die zur Dividende gemachten Aussagen seien kursstützend, findet hingegen der für die Deutsche Bank tätige Experte. Allerdings traut er der mit "Hold" und einem Kursziel von 275 Franken eingestuften Aktie im Branchenvergleich kein überdurchschnittliches Aufwärtspotenzial zu und gibt den Rivalen Allianz und Axa den Vorzug.

Eher versöhnliche Töne schlägt man bei J.P. Morgan an. Der Versicherungsexperte der amerikanischen Grossbank räumt ein, dass die Dividende von 17 Franken je Aktie über den erwarteten 14 Franken liegt. Im Hinblick an deren Auszahlung im April errechne sich eine Rendite von mehr als 8 Prozent, so gibt er zu verstehen. Der Analyst hatte die Zurich-Aktie erst vor wenigen Tagen von "Underweight" auf "Neutral" heraufgestuft.