Zurich-Aktie zieht es nach oben

Der Quartalsgewinn der Zurch Insurance Group fällt weniger stark als erwartet. Obschon viele Analysten dennoch skeptisch bleiben, erholt sich die Aktie kräftig.
12.05.2016 11:42
Von Lorenz Burkhalter
Der neue starke Mann bei der Zurich Insurance Group: Ex-Generali-Chef Mario Greco.
Der neue starke Mann bei der Zurich Insurance Group: Ex-Generali-Chef Mario Greco.
Bild: iNg

Endlich sorgt die Zurich Insurance Group mal wieder für positive Schlagzeilen: Der für das erste Quartal vorliegende Zahlenkranz übertrifft die wenig ambitionierten Analystenerwartungen sowohl beim Betriebsgewinn (BOP) als auch beim Reingewinn ziemlich deutlich. Kostspielige Bilanzbereinigungen, wie sie einige Experten in den letzten Wochen befürchtet hatten, bleiben fürs erste aus.

Das kommt an der Börse gut an. An der Schweizer Börse SIX erholt sich die Zurich-Aktie von den Strapazen der letzten Wochen. Zur Stunde klettert sie um 6,2 Prozent auf 229,80 Franken. Beobachter berichten von auffälligen Käufen aus dem Ausland.

In einem Kommentar der Bank Vontobel ist von einem "soliden und vielversprechenden Jahresauftakt" die Rede. Neben ersten Fortschritten im Geschäftsbereich General Insurance habe auch ein sehr bescheidenes Aufkommen an Naturkatastrophen geholfen, so schreibt der Verfasser.

Eine gewisse Skepsis bleibt

Der Analyst rechnet mit einer Fortsetzung der bisherigen Restrukturierungsbemühungen und macht diesbezüglich denn auch weiteren Handlungsbedarf aus. Er stuft die Aktie wie bis anhin mit "Hold" und einem Kursziel von 220 Franken ein.

Der Experte von Baader Helvea bezeichnet das Ergebnis als sehr ermutigend. Die Restrukturierungsbemühungen haben seines Erachtens erste Erfolge gezeigt. Er rechnet mit weiteren Verbesserungen und empfiehlt die Aktie mit einem Kursziel von 275 Franken zum Kauf.

Nicht viel anders äussert sich sein für die UBS Investmentbank tätiger Berufskollege. Seinen Berechnungen zufolge übertrifft der Betriebsgewinn (BOP) die Markterwartungen nicht weniger als 17 Prozent. Gerade beim Combined Ratio macht der Experte jedoch noch immer Raum für Verbesserungen aus. Auch er bleibt vorerst beim "Neutral" lautenden Anlageurteil und sieht die Aktie auf 12 Monaten bei 215 Franken.

Ziemlich klare Worte findet man bei Bernstein Research. Wie einem Kommentar der amerikanischen Investmentbank zu entnehmen ist, ist die Differenz zwischen den Markterwartungen und der effektiven Gewinnentwicklung fast ausschliesslich auf einmalige Faktoren zurück zu führen. Dazu zählt der verantwortliche Analyst bescheidene Kosten aus Naturkatastrophen, höher als erwartet ausgefallene realisierte Wertpapiergewinne sowie weitestgehend ausgebliebene Restrukturierungskosten.

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer

Er beurteilt den vorliegenden Zahlenkranz deshalb bestenfalls als leicht positiv. Die Zurich-Aktie wird bei Bernstein Research mit "Underperform" zum Verkauf empfohlen.

Sehr viel wohlwollender fällt der Kommentar der Deutschen Bank aus. Darin lässt der Autor die Leser zwar wissen, dass sich nach einem einzelnen Quartal noch nicht von einem Trend sprechen lässt. Allerdings stellt er, auf die ersten drei Monate bezogen, ermutigende Entwicklungen fest. Die Dinge würden sich beim Versicherungskonzern endlich in die richtige Richtung entwickeln, so schreibt er weiter. Noch hält der Experte jedoch am "Hold" lautenden Anlageurteil sowie am Kursziel von 265 Franken fest.

Auch im Berufshandel wird der Zahlenkranz mehrheitlich gelobt. Dem neuen Zweiergespann, bestehend aus Zurich-Chef Mario Greco und seinem von Swiss Re kommenden Finanzchef George Quinn, wird zugetraut, das Unternehmen wieder auf den Erfolgspfad zu führen. Unklar bleibe allerdings, ob dafür noch Bilanzbereinigungen, beispielsweise in Form von Nachreservierungen, notwendig seien.