Zurich-Chef Greco feiert den «Hattrick» - die Aktie steigt

Zum dritten Mal in diesem Jahr übertrifft Zurich Insurance die Analystenerwartungen. Das kommt zwar nicht bei allen Analysten gleichermassen gut an, dennoch ist die Aktie gefragt.
10.11.2016 11:40
Von Lorenz Burkhalter
Seit Mario Greco beim Versicherungskonzern Zurich das Ruder übernommen hat, läuft es deutlich besser.
Seit Mario Greco beim Versicherungskonzern Zurich das Ruder übernommen hat, läuft es deutlich besser.
Bild: ZVG

Im Fussball spricht man dann von einem "Hattrick", wenn ein und derselbe Feldspieler dreimal hintereinander in einer Partie ein Tor schiesst. Und obschon nicht bekannt ist, ob auch Konzernchef Mario Greco ein Freund des runden Leders ist, so lässt sich bei seinem neuen Arbeitgeber Zurich Insurance Group (ZIG) durchaus von einem "Hattrick" sprechen.

Denn auch im vergangenen Quartal übertrifft der traditionsreiche Versicherungskonzern aus Zürich die Analystenerwartungen sowohl beim operativen Gewinn (BOP) als auch beim Reingewinn - und das mittlerweile zum dritten Mal in Folge.

Diese Erfolgsserie kommt an der Börse sichtlich gut an, gewinnt die ZIG-Aktie an der Schweizer Börse zur Stunde doch 2,4 Prozent auf 265,90 Franken. Beobachter berichten von guten Anschlusskäufen aus dem In- und Ausland.

Wie der für die Bank Vontobel tätige Verfasser eines Kommentars schreibt, deckt sich der um Sonderfaktoren bereinigte Reingewinn mit den bankeigenen Schätzungen. Den besser als erwartet ausgefallenen operativen Gewinn (BOP) erklärt er sich einerseits mit tieferen Restrukturierungskosten und andererseits mit höheren Investmenterträgen.

Weiterhin Handlungsbedarf im Nichtlebengeschäft

Auch den auf den ersten Blick überzeugenden Gewinnbeitrag der amerikanischen Tochter Farmers muss der Experte relativieren. Er sei ein Ergebnis von Umstellungen in der Buchführung sowie einem einmaligen Gewinn im Rückversicherungsgeschäft.

Was das Nichtlebengeschäft anbetrifft, so macht man bei der Zürcher Traditionsbank hingegen weiteren Handlungsbedarf aus. Die Aktie wird bei der Bank Vontobel deshalb weiterhin nur mit "Hold" und einem Kursziel von 250 Franken eingestuft.

Auch der Berufskollege von Baader Helvea ist der Meinung, dass weiterer Handlungsbedarf besteht. Er bezeichnet das zurückliegende dritte Quartal zwar als "solide", macht aber neben Farmers vor allem das Lebensversicherungsgeschäft für die über den Erwartungen liegende Gewinnentwicklung verantwortlich. Was die Reservepolitik des Versicherungskonzerns anbetrifft, so gibt der Experte hingegen Entwarnung. Dabei verweist er auf die sich im Rahmen der Versprechungen liegenden Reserveauflösungen während des dritten Quartals. Die Aktie wird bei Baader Helvea wie bis anhin mit einem Kursziel von 280 Franken zum Kauf empfohlen.

Bei Morgan Stanley und der Zürcher Kantonalbank wird das dritte Quartal selbst unter Ausklammerung einmaliger Faktoren als besser als erwartet beurteilt. Die Restrukturierungsabsichten des Unternehmens würden insgesamt in die richtige Richtung gehen und für die kommende Zeit sei noch mehr zu erwarten, so schreibt beispielsweise die Zürcher Kantonalbank.

Warten auf den Investorentag von nächster Woche

Gewohnt pessimistisch gibt sich hingegen der für Bernstein Research tätige Versicherungsanalyst. Doch obschon der Versicherungskonzern die Erwartungen im Nichtlebengeschäft seines Erachtens um Sonderfaktoren bereinigt klar verfehlt hat, hält er die positive Kursreaktion für gerechtfertigt. Er warnt allerdings auch weiterhin vor nicht ausreichenden Reserven und einer Dividendenkürzung, weshalb der Experte die Aktie unverändert mit "Underperform" einstuft.

In einem Punkt sind sich hingegen alle Analysten einig: Nach der Ergebnisveröffentlichung für das dritte Quartal verlagert sich das Interesse auf den Investorentag vom Freitag in einer Woche. Zu diesem Anlass werden strategische Neuerungen sowie klare Aussagen in Bezug auf die zukünftige Dividendenpolitik erwartet.