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«Zurich-Dividende sollte halbiert werden»

Bei Zurich muss der neue CEO viel unternehmen, damit der Versicherer für Aktionäre wieder attraktiv wird, sagt Florian Esterer von der Bank J. Safra Sarasin im cash-Börsen-Talk. Er sieht den SMI bis Ende Jahr höher.
25.02.2016 19:30
Von Daniel Hügli, Frankfurt
Florian Esterer ist Leiter Asset Management Aktien bei der Bank J. Safra Sarasin.
Bild: cash

In etwas mehr als einer Woche, am 7. März, tritt Mario Greco seine neue Stelle als Chef beim Versicherungskonzern Zurich Insurance Group an. Die Erwartungen an den neuen CEO, der bislang in Triest den Versicherungskonzern Generali leitete, sind hoch.

"Der neue Chef wird, wie das meist üblich ist, erst mal reinen Tisch machen", sagt Florian Esterer, Leiter Asset Management Aktien bei der Bank J. Safra Sarasin im cash-Börsen-Talk an Rande des Institutional Money Kongresses diese Woche in Frankfurt. 

Tatsächlich wartet auf Greco viel Arbeit. Mehrere Ergebnisenttäuschungen und Gewinnwarnungen hatten der Aktie des Versicherungskonzerns schon in der Vergangenheit arg zugesetzt. Wegen hoher Schadenzahlungen, Altlasten im Kerngeschäft Schadenversicherung und Restrukturierungskosten brach der Gewinn im vergangenen Jahr um mehr als die Hälfte auf 1,8 Milliarden Dollar ein. Bis Ende 2018 will Zurich 8000 Arbeitsplätze streichen.

Die enorm grosszügige Dividendenzahlung an die Aktionäre bewahrte die Aktie vor grösseren Abstürzen. Die Rendite von derzeit 8,4 Prozent gehörten zu den höchsten am Schweizer Markt. Doch hier wird der neue CEO ansetzen.

Dividende halbieren?

"Die Dividende wird wohl gekürzt, weil es scheint, dass die Dividende nicht durch die darunter liegenden operativen Cashflows gedeckt wird", sagt Esterer. "Wir gehen auch davon aus, dass die Reserven von Zurich nochmals gestärkt werden müssen."

Im Markt vernimmt man Schätzungen von Nachreservierungen im Umfang von 2 bis 2,5 Milliarden Dollar bei Zurich. Viele Zurich-Kenner gehen auch davon aus, dass die Dividende von 17 Franken auf 12 bis 14 Franken pro Aktie gesenkt wird. 

Für Esterer, der früher Fondsmanager für Schweizer Aktien bei Swisscanto war, wäre dies zu wenig: "Falls die Dividende um 50 Prozent gekürzt würde, dann würden wir auch wieder bei Zurich einsteigen." Die Zurich-Aktie hat seit Ende November um einen Viertel nachgegeben.

Ein weiteres Problemkind am Swiss Market Index, das allerdings noch einen viel heftigeren Kursrückschlag hinter sich hat, ist die Aktie der Credit Suisse. Seit Tidjane Thiam CEO der Bank ist, hat sich der Titel im Wert halbiert. Es ist laut Esterer vernünftig, dass die Unternehmensstrukturen und deren Verantwortlichkeiten bei der CS klarer wurden. "Aber gerade die neuen Ziele im asiatischen Markt scheinen sehr ambitioniert. Wir sind nicht sicher, ob die erreicht werden."

Für den Gesamtmarkt ist Esterer durchaus optimistisch. Ab zweitem und drittem Quartal werden die Wirtschaftszahlen aus den USA und China besser, glaubt Esterer, was positive Auswirkungen auf die Stimmung der Anleger haben werde. "Wir gehen daher davon aus, dass der Swiss Market Index Ende 2016 höher stehen wird als heute. Aber es wird ein harter Kampf."

Im cash-Börsen-Talk äussert sich Florian Esterer auch zu UBS, Swiss Re, Swiss Life, EFG International und nachhaltigem Investieren.