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Zwei Finanztitel locken zum Einstieg

Über zwei Wachstumsgeschichten der letzten Jahre erfahren wir diese Woche mehr: Leonteq und die Cembra-Bank zeigen ihre Zahlen. Lohnt sich noch aufzuspringen?
25.02.2015 18:05
Von Ivo Ruch und Marc Forster
Leonteq und Cembra bleiben attraktiv, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.
Leonteq und Cembra bleiben attraktiv, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.
Bild: ©kebox/Fotolia.com

Innerhalb eines Jahres ist der Kurs der Leonteq-Aktie um 86 Prozent gestiegen. Seitdem der Spezialist für strukturierte Produkte 2012 an die Börse kam, stieg der Kurs um 400 Prozent. Was der Chart aber auch zeigt: Das Ende der Euro-Kursuntergrenze am 15. Januar hat im Kursverlauf für eine mächtige Delle gesorgt, aktuell steht das Papier nur um 0,2 Prozent höher als zu Jahresbeginn.

Am Donnerstag will Leonteq die Jahreszahlen präsentieren. In den letzten Tagen verzeichnete der Markt Zukäufe: Anleger warten gespannt auf den Ausblick, den das Management um Jan Schoch vorlegen könnte, sowie um die weitere News zur Zusammenarbeit mit dem Finanzdienstleister DBS in Singapur. Im November gab Leonteq bekannt, dass DBS, eine der asiatischen Banken mit dem besten Rating, Anlageprodukte emittiere und garantiere.

Nischengeschäft

Die Finanzkrise von 2007/2008 einen schlechten Ruf bekommen. Was den Markt für diese Anlageform zudem gebremst hat, sind regulatorische Auflagen, die gerade wegen der Krise deutlich verschärft wurden. Was Leonteq anbietet, sind allerdings massgeschneiderte strukturierte Produkte, und diese sind gefragt. In dieser Nische tummlen sich Kunden wie Vermögensverwalter, Asset Manager oder Versicherungen.

Der Markt ist noch relativ klein, doch kommen solche Produkte auch mehr und mehr bei Privatbank-Kunden an. Das ist gut für Leonteq, doch muss das noch junge Unternehmen auch damit rechnen, dass die Konkurrenz deutlich härter wird. Die Zusammenarbeit mit DBS könnte für Leonteq indessen ein Trigger sein, weswegen die Anleger so stark auf Neuigkeiten zur Singapur-Partnerschaft brennen. Gut möglich ist auch, dass Leonteq weitere Partner dazugewinnen kann, gerade auch in Asien.

Bei den Analysten steht die Aktie generell hoch im Kurs. Seit dem Untergrenze-Schock haben sowohl die CS als auch die Berenberg Bank ihre Kauf-Empfehlung bestätigt. Die Experten begründen dies mit den Wachstumschancen, die bei Leonteq intakt sind. MainFirst etwa rechnet damit, dass der Gewinn pro Aktie noch 40 Prozent zulegen kann. Die Ausschüttungen interessieren hingegen weniger: Die Dividendenrendite beträgt nur 0,8 Prozent.

Cembra von Frankenstärke verschont

Die Cembra-Aktie hat sich im laufenden Jahr um 4 Prozent verteuert und ist auch vergleichsweise unversehrt durch das SNB-Gewitter gekommen. Denn das Kreditinstitut, das früher als GE Money Bank Teil des amerikanischen Mischkonzerns General Electric war, gehört zu den Schweizer Banken mit den geringsten Auswirkungen eines starken Frankens. Der Grund ist ihr hauptsächlich auf die Schweiz ausgerichtetes Geschäft. Stark vertreten ist Cembra in den Bereichen Konsumkredite, Autoleasing und Kredikarten.

Zum Vergleich: Der Banken-Index des Schweizer Aktienmarktes hat im laufenden Jahr mehr als 4 Prozent verloren.

Die Aktie von Cembra Money Bank ist somit wieder in der Region, wo sie bei ihrem Gang aufs Börsenparkett Ende Oktober 2013 gestartet war: bei rund 57 Franken. "Alles richtig gemacht", schrieb cash.ch am Tag des Cembra-IPO. Doch vom kurze Zeit später folgenden Allzeithoch bei 63 Franken ist die Aktie zwischenzeitlich bis auf 48 Zähler abgesunken.

Grund für den vorübergehenden Rückschlag von Cembra war die sogenannte Kreditvermittleraffäre, bei der einem ehemaligen Kreditvermittler illegal Zehntausende Kundendaten zugespielt worden seien. Die Bank wurde von der Finma gerügt, aber nicht gebüsst. Die Affäre gilt mittlerweile als aussortiert.

Hohe Dividendenrendite

Zusätzlich attraktiv ist die Cembra-Aktie aufgrund ihrer hohen Dividendenrendite von 5 Prozent, weshalb sie auch als Obligationenersatz bezeichnet wird. Von der Zürcher Kantonalbank wir die Aktie mit "Übergewichten" bewertet. Und sie ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,4 auch noch nicht überteuert.

Die Privatbank Rahn & Bodmer macht in einem Marktkommentar auf einen weiteren Aspekt aufmerksam: Cembra stehe vor einem charttechnischen "Golden Cross". Die Kursentwicklung zeige eine ruhige, nachhaltige Erholungstendenz auf. Beim "Golden Cross" betrachtet man die beiden gleitenden Durchschnitte über 50 und 200 Tage. Wenn sich diese beiden Linien schneiden und gleichzeitig nach oben tendieren, gilt das als positives Zeichen für den weiteren Kursverlauf.

Der oben erwähnte Schweiz-Fokus von Cembra hat aber auch Nachteile. Einerseits ist das Unternehmen dadurch von der Entwicklung der Schweizer Wirtschaft abhängig, die nun eine Abschwächung erleiden könnte, schreiben die Analysten von Vontobel in einem Kommentar. Andererseits schöpft Cembra in erster Linie Wachstum aus dem Kreditkartengeschäft. Deshalb könnten die politischen Ambitionen zur Deckelung des Höchstzinses für Konsumkredite bei 10 Prozent zu einem Dämpfer werden. Der Bundesrat hat eine entsprechende Änderung des Konsumkreditgesetzes im Dezember in die Vernehmlassung geschickt.

Hat Cembra also alles richtig gemacht? Mehr Aufschluss darüber werden die Geschäftszahlen für 2014 geben, die wie jene von Leonteq am kommenden Donnerstag anstehen.