Zwei Wetten gegen den Franken

Trotz Börsenturbulenzen schwächt sich der Franken ab. Das sei erst der Anfang, sagt eine amerikanische Grossbank und rät zum Verkauf von Franken gegen zwei andere Währungen.
29.01.2016 08:29
Von Lorenz Burkhalter
Morgan Stanley rät neuerdings zum Kauf von australischen Dollar gegen Franken.
Morgan Stanley rät neuerdings zum Kauf von australischen Dollar gegen Franken.
Bild: Bloomberg

Der Wirtschaft in China droht eine harte Landung und auch aus den USA treffen seit einigen Tagen vermehrt wieder Negativmeldungen ein. Die Finanzmärkte haben allen Grund nervös zu sein.

Und was macht der Franken? Er bröckelt weiter vor sich hin. Vorbei sind die Zeiten, in welchen Anleger bei Börsen- und Währungsturbulenzen Schutz im Franken suchten. Dieser Status ist ihm schon vor Monaten abhanden gekommen.

Für den Euro wurde am frühen Freitagmorgen vorübergehend sogar 1,1133 Franken bezahlt – soviel wie seit der Aufgabe des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) von Mitte Januar letzten Jahres nicht mehr. Auch der Dollar wird wieder mit einem komfortablen Abstand zur Parität von eins-zu-eins gehandelt.

Kurzfristig auf Rohstoffwährungen setzen?

Die Frankenschwäche kommt derart überraschend, dass einige Auguren Interventionen der SNB dahinter wähnen. Doch dem widersprechen die Währungsstrategen von Morgan Stanley vehement. Vielmehr geben die für die amerikanische Grossbank tätigen Experten sogenannten "Carry-Trades" die Schuld. Mit anderen Worten: Aufgrund der hierzulande tiefen Zinsen wird der Franken als Finanzierungswährung genutzt um in besser verzinsten Wirtschaftsregionen zu investieren.

Genau hier setzen die Strategen an und raten Anlegern zum Kauf von australischen Dollar gegen Franken. Der "Aussi-Dollar", wie er auch gerne genannt wird, gilt als sogenannte Rohstoffwährung. Der Grund: Die Wirtschaft Australiens ist in einem hohen Grad vom Bergbau abhängig, weshalb der Preiszerfall an den Rohstoffmärkten auch dieser Währung sichtlich zusetzte.

Nun rechnen die Experten jedoch mit einem kurzfristigen Aufbäumen der Rohstoffwährungen. Den australischen Dollar sehen sie in der Folge von derzeit 0,7240 Franken innerhalb weniger Wochen auf 0,7650 Franken klettern.

Selbst der Yen besser als der Franken

Während die Währungsstrategen die SNB im Zuge neuer geldpolitischer Massnahmen seitens der Europäischen Zentralbank (EZB) ebenfalls zu Interventionen gezwungen sehen, erwarten sie von der australischen Zentralbank keine solchen. Die EZB hat erst kürzlich weitere geldpolitische Vorstösse für März angekündigt.

Was den japanischen Yen anbetrifft, so sehen die Experten gewisse Parallelen zum Franken. Beide Währungen seien von Anlegern in der Vergangenheit als "sicherer Hafen" genutzt worden und seien nun überbewertet. Allerdings sehen sie in Japan eine vielversprechende Entwicklung weg von rein monetären hin zu fiskalpolitischen Massnahmen sowie strukturellen Reformen. Den Franken sehen sie deshalb von aktuell um die 118,50 auf 112 Yen fallen.

Inzwischen hat die Bank of Japan (BoJ) im Kampf gegen die konjunkturelle Schwäche jedoch beschlossen, Strafzinsen für die Geschäftsbanken einzuführen. Das wiederum widerspricht der von Morgan Stanley erwarteten Entwicklung hin zu fiskalpolitischen und strukturellen Massnahmen vehement.