Zwischenbericht - Die Kosten wachsen Julius Bär über den Kopf

Das Verhältnis zwischen Kosten und Erträgen gerät bei Julius Bär aus dem Gleichgewicht, wie der Zwischenbericht der Bank zeigt. Das lässt den Kurs der Aktie auf den tiefsten Stand seit November 2016 fallen.
20.11.2018 11:54
Von Lorenz Burkhalter
Der Eingang zu Julius Bär in Luzern.
Der Eingang zu Julius Bär in Luzern.
Bild: cash

Anders als die kürzlich veröffentlichten Quartalsergebnisse der beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse umfasst der Zwischenbericht von Julius Bär für die ersten zehn Monate dieses Jahres den Monat Oktober. Angesichts der Finanzmarktturbulenzen geht letzterer, in Anlehnung an den gleichnamigen Kriegsfilm mit Sean Connery in der Hauptrolle, als "Roter Oktober" in die Geschichte ein.

Wie der Zwischenbericht vermuten lässt, treffen bei der Zürcher Bank in der Zeit zwischen Anfang Juli und Ende Oktober tiefere Erträge auf höhere Kosten. Dadurch steigt das Kosten-Ertrags-Verhältnis auf 69 Prozent (Stand Ende Juni: 67,3 Prozent) und damit über die firmeneigene Zielbandbreite von 64 bis 68 Prozent. Auch die tiefer als erwartet ausgefallene Bruttomarge lässt auf eher geringe Kundenaktivitäten schliessen.

Zur Stunde wird die Julius-Bär-Aktie an der Schweizer Börse SIX noch mit einem Minus von 6,3 Prozent auf 40,80 Franken abgestraft. Die Tagestiefstkurse liegen gar bei 40,67 Franken und damit unter dem bisherigen Mehrjahrestief von Ende Oktober bei 42,46 Franken. Auch die Aktien von UBS und Credit Suisse werden in Mitleidenschaft gezogen und verlieren ebenfalls bis zu 3,2 Prozent.

Die für Morgan Stanley tätige Bankenanalystin findet klare Worte. Ihres Erachtens erfuhr die Geschäftsentwicklung bei Julius Bär zwischen Anfang Juli und Ende Oktober eine deutliche Verschlechterung bei der Bruttomarge sowie beim Kosten-Ertrags-Verhältnis. Auch beim Eigenkapital wird der Zwischenbericht für die ersten zehn Monate den Erwartungen der Analystin nicht gerecht. Sie stuft die Aktie zwar weiterhin mit "Equal-weight" ein, dürfte das 61 Franken lautende Kursziel jedoch mit dem Rotstift überarbeiten.

Erste Analysten überprüfen ihre Kursziele unter negativen Vorzeichen

Auch ihr Berufskollege bei der Deutschen Bank folgert vom vorliegenden Zahlenkranz auf ein herausforderndes und von geringen Kundenaktivitäten geprägtes Tagesgeschäft. Vor dem Hintergrund des zuletzt wieder gestiegenen Kosten-Ertrags-Verhältnisses begrüsst der Analyst die anlässlich des Zwischenberichts bekanntgegebenen Massnahmen auf der Kostenseite.

Nichtsdestotrotz rechnet er mit einschneidenden Abwärtsanpassungen bei den Gewinnerwartungen. Die Julius-Bär-Aktie wird bei der Deutschen Bank unverändert mit "Hold" und einem Kursziel von 54 Franken eingestuft. Ob letzteres noch Gültigkeit hat, ist allerdings unklar.

Etwas konkreter wird die Bank Vontobel. Sie nimmt das 52 Franken lautende Kursziel für die mit "Hold" eingestufte Aktie angesichts der neuen Faktenlage in negative Revision. Baader-Helvea macht gleich Nägel mit Köpfen, reduziert die Gewinnschätzungen auf Basis des vorliegenden Zwischenberichts um durchschnittlich 6 Prozent und beziffert das Kursziel neu auf 47 (zuvor 60) Franken. Das Anlageurteil bleibt bei "Hold".

Finden die drei Schweizer Grossbankaktien bald einen Boden?

Nicht nur die Aktien von Julius Bär, auch jene von UBS und Credit Suisse sind bei den Unternehmen aus dem Swiss Market Index (SMI) weit oben auf der diesjährigen Verliererliste zu finden. Bei UBS errechnet sich seit Anfang Januar ein Minus von rund 26 Prozent, bei Julius Bär und Credit Suisse sogar eines von bis zu 35 Prozent.

Beobachtern zufolge nimmt das Kurs- und Bewertungsniveau der drei Schweizer Grossbankaktien bereits einiges an weiteren negativen Entwicklungen vorweg. In diesem Zusammenhang wird vor allem auf die noch laufenden Rechtsfälle angespielt. Diese Fälle könnten über die von den Banken zurückgestellten Summen hinaus kosten und die laufende Rechnung belasten, so heisst es weiter. Dennoch will sich niemand so richtig darauf behaften lassen, ob die Aktien von UBS, Credit Suisse und Julius Bär die Talsohle bereits erreicht haben.

 

Ausgewählte Produkte auf Julius Baer Gruppe

Symbol Typ Coupon PDF
SALEJB Callable Barrier Reverse Convertible 12.40% PDF
MCSUJB Callable Multi Barrier Reverse Convertible 10.00% PDF
MBMKJB Callable Multi Barrier Reverse Convertible 9.75% PDF

Investment-Ideen von Julius Bär