Zwischenbericht - Zurich Insurance überrascht mit tieferer Kapitalposition

Die Zurich Insurance Group wartet mit einem unspektakulären Zwischenbericht für die ersten neun Monate auf. Weil aber die tiefere Kapitalposition enttäuscht, gibt die Aktie frühe Kursgewinne preis.
08.11.2018 11:40
Von Lorenz Burkhalter
Mario Greco ist Konzernchef bei der Zurich Insurance Group (Juni 2016)
Mario Greco ist Konzernchef bei der Zurich Insurance Group (Juni 2016)
Bild: ZVG

Die Aktie der Zurich Insurance Group erhielt im Vorfeld des Zwischenberichts vom Donnerstag einiges an Vorschusslorbeeren. Sie überstand die Börsenkorrektur vom Oktober beinahe unbeschadet.

Der Zwischenbericht selbst legt nun nahe, dass die Vorschusslorbeeren etwas gar voreilig waren. Denn während die Prämienentwicklung im Lebensversicherungsgeschäft die Analystenerwartungen übertrifft, verfehlt sie im wichtigeren Nichtlebengeschäft selbst die tiefsten Erwartungen.

Gleichzeitig bildete sich Kapitalposition, die sogenannte Z-ECM-Quote zwischen Juli und September von 135 auf vom Unternehmen selbst geschätzte 134 Prozent zurück. Analysten hatten hingegen mit einer weiteren Verbesserung der Quote auf 137 Prozent gerechnet.

An der Schweizer Börse SIX gibt die Zurich-Aktie frühe Kursgewinne preis. Zur Stunde gewinnt sie noch 0,1 Prozent auf 313,40 Franken. Die Tageshöchstkurse liegen bei 316,40 Franken.

Intakte Dividendenaussichten

Der Zwischenbericht berge keine grösseren Überraschungen, sagt der Versicherungsanalyst bei Baader-Helvea. Seines Erachtens bestätigt der Bericht, dass sich die Geschäftsentwicklung der ersten sechs Monate im dritten Quartal fortgesetzt haben.

Er räumt zwar ein, dass das Prämienwachstum im Nichtlebengeschäft etwas tiefer als von ihm erwartet ausgefallen ist. Allerdings rechnet der Analyst diesbezüglich ab dem kommenden Jahr mit einer Belebung. Die leicht rückläufige Z-ECM-Quote findet bei Baader-Helvea hingegen nur am Rande Erwähnung. Das Anlageurteil lautet wie bis anhin "Hold", das Kursziel wird mit 310 Franken angegeben.

Wie Händler ergänzen, liegt die Z-ECM-Quote mit 134 Prozent noch immer weit über dem firmeneigenen Zielband von 100 bis 120 Prozent. Die Dividendenaussichten stelle der leichte Rückgang der Quote deshalb nicht in Frage.

Der UBS-Versicherungsanalyst ging als einer von wenigen gar von einem Rückgang der Z-ECM-Quote auf 133 Prozent aus. Er findet vor allem Gefallen am starken Wachstum im Lebensversicherungsgeschäft. In diesem Bereich hatte die Zurich Insurance Group in den letzten Jahren ergänzende Firmenübernahmen getätigt. Was die Schadensbelastung durch Katastrophen im Nichtlebengeschäft anbetrifft, so deckt sich diese hingegen mit den UBS-eigenen Schätzungen. Die Zurich-Aktie wird denn auch weiterhin mit "Neutral" und einem 12-Monats-Kursziel von 310 Franken eingestuft.

Vorerst keine Angaben zur Gewinnentwicklung

Einzig bei Kepler Cheuvreux bezeichnet man den Zwischenbericht als "wenig berauschend". Der verantwortliche Analyst hatte sich sowohl von der Prämienentwicklung als auch von der Z-ECM-Quote mehr erhofft. Zumindest den Aussagen zur Katastrophenhäufigkeit im dritten Quartal gewinnt er aber positive Aspekte ab. Die Zurich-Aktie wird bei Kepler Cheuvreux mit "Hold" und einem Kursziel von 340 Franken eingestuft.

Seit nunmehr gut einem Jahr weist das Unternehmen jeweils für das erste und das dritte Quartal keine Gewinnkennzahlen mehr aus. Es beschränkt sich vielmehr auf Angaben zur Entwicklung der Prämienvolumina sowie zur Solvenz (Z-ECM-Quote).

Was Angaben zur Gewinnentwicklung anbetrifft, müssen sich die Aktionäre noch bis zum 7. Februar in Geduld üben. Erst dann wird die Zurich Insurance Group anlässlich der Jahresergebnisveröffentlichung für Licht ins Dunkel sorgen. An diesem Tag wird zudem klar, wie hoch die für 2018 ausbezahlte Dividende ausfällt.