Forster meint

Zwischenwahlen USA - Wäre ich Trump, würde ich eine Rezession fürchten

Die «grosse Abrechnung» mit Donald Trump hat es mit den Midterm Elections nicht gegeben. Wenn dem Präsidenten etwas gefährlich werden kann, dann ein Aktiencrash oder eine Rezession.
07.11.2018 11:35
Von Marc Forster, Redaktor cash
cash-Redaktor Marc Forster.
cash-Redaktor Marc Forster.
Bild: cash

Grosse Kursausschläge an den Aktienmärkten hat es in der Folge der amerikanischen Zwischenwahlen nicht gegeben. Die Erneuerungswahlen für den Kongress haben das gebracht, was man im Grossen und Ganzen in der Finanzwelt erwartet hatte: Die Demokraten haben nun eine Mehrheit im Repräsentantenhaus, die Republikaner behalten die Kontrolle des Senats.

Interessanter sind daher die Detailanalysen, die nun vorgenommen werden. So zeigt sich, dass einige Kandidaten der Republikaner in jenen Gebieten besonders gut abschnitten, in denen Trump persönlich in den Wahlkampf eingriff.

Das zeigt zum einen, dass Trumps - man kann natürlich sagen: sehr eigene - Art des Wahlkampfes immer noch verfängt. Aber man kann auch daraus schliessen, dass Trump von vielen Amerikanern als relativ erfolgreicher Präsident gesehen wird. Auch in all dem, was die Wirtschaft betrifft: Steuersenkungen, Deregulierung, das harte Auftreten gegenüber China und die Neuverhandlungen der Nafta-Regeln kommen bei den Wählern in den USA besser an, als dies in Europa wahrgenommen wird.

Aber dann, wenn ich Donald Trump wäre, und 2020 wiedergewählt werden wollte, würde ich bei allen Erfolgen am ehesten auch die Wirtschaft fürchten. Das geflügelte Wort wird seit Bill Clintons Wahlkampf 1992 bei allen Urnengängen in den USA zitiert: "The economy, stupid". Auch 2020 wird gelten: "It is still the economy, stupid."

Sollte die immer noch relativ breite Unterstützung für Trump in den USA bröckeln, dann weniger wegen Russland-Ausschüssen des nun demokratischen Repräsentatenhauses, Twitter-Kampagnen oder Social-Media-Stürmen als Reaktion auf irgendeine kontroverse Aussage. Auch die "New York Times" oder die "Washington Post" werden Trump nicht stürzen. Eine mögliche wirtschaftliche Eintrübung schon eher. Und ein einbrechender Aktienmarkt müsste das Weisse Haus in Unruhe versetzen.
 

Als Trump vergangene Woche auf Twitter über Fortschritte in den Handelsgesprächen mit China berichtete, stiegen prompt die Aktienkurse. Aber auch Trump weiss, dass er wie jeder andere Staatschef die Wirtschaft und die Aktienmärkte nur bedingt steuern kann. Dies erklärt auch, weswegen er Notenbankchef Jerome Powell immer wieder angreift: Wenn die Notenbank Fed die Zinsen zu schnell erhöht, leidet die Wirtschaft.

Eine Rezession kann, muss aber nicht zwingend passieren. Die Fantasien beflügeln werden die wirtschaftlichen Szenarien aber definitiv, vor allem bei jenen, die seit nunmehr zwei Jahren den baldigen Sturz Trumps voraussagen. Wer den 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten möglichst schnell loswerden möchte, muss gewissermassen auf eine Rezession hoffen. Oder einen Abwärtstrend im Dow Jones.

Und dies wird ein Grund sein, dass speziell Ökonomen und Konjunkturforscher in nächster Zeit wohl noch häufiger einen Konjunktureinbruch bis im Jahr 2020 voraussagen werden. Aktienanalysten und Investmentstrategen werden weiter an den Boom glauben. Mit dem aktuellen Präsidenten sind sie, auch wenn sie es häufig nicht zugeben, nämlich gar nicht so unzufrieden.