Zykliker und Banken führen SMI-Erholung an

Die Hoffnung auf einen Verbleib Grossbritanniens in der Europäischen Union hat am Montag an der Schweizer Börse ein wahres Kursfeuerwerk ausgelöst.
20.06.2016 17:30
Ampel bei der Schweizer Börse in Zürich zeigt grün.
Ampel bei der Schweizer Börse in Zürich zeigt grün.
Bild: cash

Der SMI kletterte um 2,4 Prozent auf 7900 Punkte. Dies ist der stärkste Tagesgewinn seit Mitte Februar. Am Freitag hatte der Leitindex bereits ein Prozent gewonnen.

Der Wahlkampf im Vereinigten Königreich ist vier Tage vor dem Brexit-Referendum wieder in vollem Gang. Am Wochenende hatte sich in Umfragen ein Zulauf für die EU-Befürworter abgezeichnet. Damit werde eine Erleichterungsrally zu einem Grossteil bereits vorweggenommen, hiess es am Markt. Verstärkt werde die Erholung durch Deckungskäufe. "Viele Marktteilnehmer haben auf fallende Kurse gewettet und sehen sich nun gezwungen, ihre Positionen glattzustellen", sagte ein Börsianer.

UBS und Credit Suisse legen zu

An der Spitze der Gewinner standen die gebeutelten Aktien von Banken und zyklischen Firmen. "Wie immer wenn der Markt zu einer so kräftigen Gegenbewegung ansetzt", sagte ein Händler.

Die Papiere von Credit Suisse kletterten um 4,3 Prozent und UBS rückten um 4,5 Prozent vor. Julius Bär schossen gar um 5,2 Prozent nach oben. Die Titel von Rivale Vontobel gewannen 3,8 Prozent.

Banken könnten vom Verbleib Grossbritanniens in der EU profitieren, weil sich dann die lähmende Verunsicherung an den Märkten legen und die Geschäftsaussichten verbessern könnten, hiess es am Markt. Zudem sei der Kursrückgang zuletzt etwas gar stark gewesen.

Die Aktien der Versicherungen gewannen drei Prozent und mehr. Helvetia legten 3,2 Prozent zu.

Bei den zyklischen Firmen stachen die Anteile von LafargeHolcim mit plus 5,4 Prozent hervor. Der Zementkonzern hatte vergangene Woche in einem Interview mit Reuters die Prognosen bestätigt.

Die Titel von Richemont kletterten um 4,6 Prozent nach oben. Rivale Swatch wurde um 3,3 Prozent höher gehandelt. Händler sagten, die Aktien der beiden Luxusgüterhersteller könnten von Käufen vor der Veröffentlichung der monatlichen Uhrenexportstatistik profitieren. Die Zahlen werden am Dienstag um 08:00 Uhr veröffentlicht. "Die Zahlen im Mai vor einem Jahr waren schwach. Daher könnte es zu einem positiven Basiseffekt kommen", sagte ein Händler.

Anlagenbauer wie ABB und Oerlikon oder der Chemikalienhersteller Clariant sowie Givaudan wurden zu rund drei Prozent höheren Kursen bewertet. Gegen den Trend etwas leichter waren die Anteile von Syngenta. Einem Bericht der "Schweiz am Sonntag" zufolge sind Vertreter der Regierung von Präsident Barack Obama besorgt über die Übernahme des Schweizer Agrochemiekonzerns. "Vieles spricht dafür, dass der Deal in Schwierigkeiten steckt und blockiert werden könnte", hiess es in der Zeitung mit Hinweis auf einen Insider. Ein Syngenta-Sprecher bekräftigte dagegen frühere Angaben, wonach der Deal bis Ende Jahr abgeschlossen werden dürfte.

Die Aktien von Schwergewicht Novartis legten 1,7 Prozent zu. Der Pharmakonzern will seinen Rivalen mit Nachahmerversionen von wichtigen Biotech-Medikamenten Milliarden-Umsätze abnehmen. Bis 2020 will der Konzern sogenannte Biosimilars von fünf wichtigen Arzneien auf den Markt bringen. Die Nachahmerversionen könnten bis zu 75 Prozent billiger als die Originalmedikamente sein, sagte Novartis-Chef Jimenez. Die Genussscheine von Roche wurden um 2,3 Prozent höher bewertet.

Die Anteile von Nestle, einem weiteren defensiven Schwergewicht, zogen um 1,7 Prozent an. Die Aktien kleinerer Nahrungsmittelhersteller wie Bell, Hügli und Orior schwächten sich dagegen gegen den allgemein positiven Trend leicht ab.

Deutliche Kursavancen verzeichneten am breiten Markt Technologiewerte wie Meyer Burger, AMS, Temenos und Oerlikon. Leonteq kletterten um 4,3 Prozent nach oben. Der Titel der Derivatboutique hat im laufenden Jahr fast zwei Drittel des Werts eingebüsst.

(Reuters)