«Zyklische Aktien sind noch immer attraktiv»

Der Schweizer Aktienmarkt werde bis mindestens 2015 weiter stark ansteigen, sagt Fondsmanagerin Eleanor Taylor Jolidon im Interview mit cash.
11.09.2014 01:00
Interview: Daniel Hügli
«Unser ganzes Portfolio richtet sich derzeit eher nach Small/Mid Caps aus als nach Large Caps»: Eleanor Taylor Jolidon.
«Unser ganzes Portfolio richtet sich derzeit eher nach Small/Mid Caps aus als nach Large Caps»: Eleanor Taylor Jolidon.
Bild: Nik Hunger

cash: Frau Taylor Jolidon, nach welchen Kriterien wählen Sie Aktien aus?

Eleanor Taylor Jolidon: Wir wählen sie vor allem nach der Kennzahl des sogenannten «Cashflow Return on Investment» aus. Besonders Firmen mit sich verbessernden oder stabil hohen Renditen auf das eingesetzte Kapital sind attraktiv. Wir schauen nach Aktien, deren langfristige Cashflows heute unterbewertet erscheinen.

Fondsmanagerin UBP
Eleanor Taylor Jolidon ist seit 2008 bei der Genfer Privatbank Union Bancaire Privée (UBP) und verantwortlich für Schweizer Aktienfonds und institutionelle Mandate. Sie verfügt über rund 20 Jahre Erfahrung im Bereich Asset Management und befasst sich seit über 15 Jahren mit Schweizer Aktienfonds. Bei der UBP betreut sie die Fonds «UBAM Swiss Equity» und «UBAM Swiss Excellence», der ausschliesslich in Schweizer Firmen investiert, die in ihrer Branche international führend sind.

Wie viel Zeit geben Sie den Aktien, sich im Fonds zu bewähren?

Das hängt von der Art der Aktie ab. Gewisse Titel hängen stark vom Konjunkturverlauf ab, sie haben demnach eher ­Trading-Charakter. Der Personalvermittler Adecco etwa, eine sehr gut geführte Firma, ist ein Beispiel. Solche Firmen halten wir in der Regel weniger lange als etwa eine Aktie des Private-Equity-Spezialisten Partners Group, die weniger von zyklischen Bewegungen abhängig sind. Partners Group halten wir seit dem Börsengang.

Als aktive Fondsmanagerin stehen Sie in Kontakt mit den Firmen. Wie muss man sich das vorstellen?

Wir führen etwa 300 Firmenbesuche pro Jahr durch. Nicht nur bei Unternehmen, deren Aktien wir in unseren Fonds führen, sondern auch bei deren Zulieferern und Konkurrenten. Da spielen sowohl Fragen zum Geschäftsverlauf eine Rolle, aber auch Fragen zur Nachhaltigkeit.

Sind diese Treffen immer freundlich?

(schmunzelt) Die Freundlichkeit der Treffen hängt natürlich stark von der jeweiligen Persönlichkeit der Manager ab. Ich arbeite nun seit über 20 Jahren mit Schweizer Unternehmen und kann sagen, dass sich die Qualität der Top-Manager verbessert hat und heute sehr hoch ist. Das Bewusstsein ist vorhanden, dass Informationen mit den Aktionären geteilt werden müssen.

Sind Sie zufrieden mit der ­Performance Ihrer Fonds?

Der Fonds «UBAM Swiss Equity» liegt in den letzten ein, drei und fünf Jahren im Schnitt um 5 Prozent über der Performance des Swiss Performance Index. Damit sind wir der beste Schweizer Aktienfonds in Europa. Generell ist unser Ziel, netto immer 3 Prozent über dem SPI zu liegen.

Sie haben sowohl im Fonds «UBAM Swiss Equity» wie auch im ­anderen von Ihnen gemanagten Fonds, dem «UBAM Swiss Excellence», ein Unter­gewicht an Pharma-Aktien. Weshalb?

Man darf nicht vergessen: Novartis und Roche machen bei der Gewichtung rund ein Drittel des Schweizer Aktienindex aus. Roche hat eine sehr gute Medikamenten-Pipeline, und die Aussichten auf Gewinnsteigerungen sind intakt. Bei Novartis sind wir derzeit ein wenig zurückhaltender. Die Gewinnaussichten sowie das Modell des Gesundheits-Konglomerats überzeugen uns noch nicht. Dazu kommen bei Novartis in den nächsten Jahren Patentverluste. Allerdings sind beide Aktien punkto Bewertung etwas überspannt.

Der dritte grosse «Player» im ­Schweizer Markt ist Nestlé...

Bei Nestlé sind wir sehr skeptisch. Das Unternehmen hat eine Menge Arbeit vor sich. Das Geschäft in den USA muss umgekrempelt werden, es gibt Wachstumsprobleme in den Schwellenländern. Dazu ist die Aktie zu teuer geworden. Die Aktien von Syngenta und Sulzer finde ich, Stand Sommer 2014, ebenfalls etwas überbewertet.

Wo gibt es noch attraktivere Aktien?

Diese sind im klein- und mittelkapitalisierten Bereich zu finden. Die Small Caps haben ab 2011 lange unter dem starken Franken gelitten, da viele dieser Firmen Exporte in den Euroraum tätigen. Weil Europa aber nun aus der Rezession kommen sollte, wird bei diesen Firmen ein höheres Wachstum erwartet. Unser ganzes Portfolio richtet sich derzeit eher nach Small/Mid Caps als nach Large Caps aus.

Welche Aktien ­rühren Sie nicht an?

Aus Investorensicht schliessen wir grundsätzlich keine Aktien aus. Dennoch achten wir auf Warnsignale, die von Unternehmen ausgehen, und wir schauen auf nachhaltiges Wirtschaften der Firmen. Das heisst, wer die Umwelt zerstört, soziale Grundsätze missachtet oder Probleme bei der Corporate Governance hat, wird von uns kaum berücksichtigt. Gerade bei letzterem Kriterium hätte es eine Firma wie Weatherford bei uns schwer.

Sie haben im letzten Jahr zum ersten Mal seit 2007 Aktien von Schweizer Grossbanken gekauft. Vielen Investoren ist das aber zu riskant wegen der Bussen, Sanktionen und Regu­lierungen.

Wahrscheinlich liegen diese Anleger mit dieser Einschätzung richtig. Wir kauften Bankaktien, weil diese Titel schnell auf einen zyklischen Aufschwung reagieren. Und wir sind ja sehr optimistisch bezüglich der Konjunktur. Wir besitzen UBS-Aktien und eine kleine Position von Aktien der Credit Suisse. Das Management der UBS hat die Herausforderungen des neuen Bankenmodells erkannt und hat Massnahmen zur Restrukturierung eingeleitet. Bei der Credit Suisse dagegen gibt es noch viele offene Fragen bezüglich der Firmenstruktur.

Sind Sie auch für 2015 optimistisch für die Konjunktur?

Absolut. Bei den Unternehmensgewinnen in Europa sehen wir zwar noch nicht das gewünschte Wachstum. Einige Sektoren haben anhaltende Schwierigkeiten, wie etwa Versorger oder Banken. Anderen Sektoren wie der Industrie oder der Autobranche geht es viel besser, auch dank der Rückkehr der Konsumenten. Das heisst, zyklische Aktien sind noch immer attraktiv.

Welche Pfeiler stützen die Schweizer Wirtschaft?

Sicher der Zuzug von hochqualifizierten Arbeitskräften in die Schweiz und eine res­pektierte und glaubwürdige Zentralbank, die den Mindestkurs zum Euro durchsetzen kann.

Wie wird sich der Schweizer ­Aktienmarkt in den nächsten Jahren entwickeln?

Wir hatten ein sehr starkes Aktienjahr 2013. Ich erwarte in diesem Jahr eine weitere Performance von rund 20 Prozent. Und gemessen am Verlauf des Wirtschaftszyklus und der Gewinnentwicklung der Firmen wäre eine Steigerung von 15 bis 20 Prozent 2015 auch realistisch. Voraussetzung ist natürlich, dass es zu keinen grösseren geopolitischen Auseinandersetzungen kommt und dass es keinen Stress bei den Währungen gibt. Generell sind die Aktienmärkte derzeit nicht überbewertet, die Risikoprämien bei Aktien sind noch immer relativ hoch verglichen mit dem historischen Durchschnitt. Auch Dividendenrenditen liegen noch deutlich über den Renditen von Staatsanleihen.

Dieses Interview finden Sie auch im Jubiläums-Magazin «cash VALUE Trading» 2014. Das Magazin können Sie gratis bestellen, als PDF herunterladen oder als ePaper lesen.