Zyklische Titel und Bankaktien belasten Schweizer Börse

Der Brexit-Schock hat der Schweizer Börse auch am Montag zugesetzt. Nach der Entscheidung Grossbritanniens, die EU zu verlassen, litten vor allem Aktien von Banken und zyklischen Firmen unter kräftigen Kursabschlägen.
27.06.2016 17:30
Erneut: Die Anleger an der Schweizer Börse sehen Rot.
Erneut: Die Anleger an der Schweizer Börse sehen Rot.
Bild: cash

Leichte Kursgewinne der Index-Schwergewichte Nestle und Roche konnten dem Rückgang des Leitindex nicht viel entgegensetzen. Der SMI notierte mit 7592 Punkten um 2 Prozent tiefer. Am Freitag war er 3,4 Prozent abgestürzt. Die Briten haben sich vergangenen Donnerstag dafür entschieden, die Europäische Union zu verlassen.

"Die Anleger sind stark verunsichert über die weitere konjunkturelle und politische Entwicklung in Europa", sagte ein Händler. "Keiner weiss, wie es weitergeht", sagte ein anderer Börsianer. "Die Anleger fürchten eine längere Phase der Unsicherheit, in der die Firmen nur wenig investieren dürften."

Andere Händler äusserten sich etwas optimistischer. "Es könnte noch ein bis zwei Tage dauern, bis sich der Staub gesetzt hat, den der Brexit aufgewirbelt hat." Früher oder später werde es zu einer technischen Gegenbewegung kommen. "Und die kann auch heftig ausfallen", sagte ein Börsianer.

Gefragt: Roche, Novartis, Nestlé

In dem volatilen Umfeld griffen die Anleger Händlern zufolge zunächst zu Werten, die als vergleichsweise krisensicher gelten. Im Verlauf ebbten die Käufe aber wieder ab und die Gewinne schmolzen: Die schwergewichtigen Anteile des Arzneimittelherstellers Roche notierten zuletzt unverändert. Die Anteile von Rivale Novartis sanken um 0,5 Prozent. Die Aktien des Lebensmittelkonzerns Nestle verlieren 0,6 Prozent. Die Titel anderer Lebensmittelfirmen rutschten im Verlauf ebenfalls in die Verlustzone: Die Schokoladeproduzenten Barry Callebaut und Lindt & Sprüngli schwächten sich um 3,2 und 3,1 Prozent ab.

Auch die Aktien von Swisscom, deren Geschäftsmodell ebenfalls als recht krisenresistent taxiert wird, konnten ihre Gewinne nicht verteidigen und sanken um 0,6 Prozent.

Am breiten Markt schlugen sich die Aktien von Immobilienfirmen und -fonds vergleichsweise gut. Swiss Prime Site und Mobimo ermässigten sich um 0,9 und 0,6 Prozent.

Credit Suisse sackt ab

Die Aktien von grossen Banken wurden aber regelrecht auf den Markt geworfen: Credit Suisse sackten um 9,2 Prozent ab und näherten sich mehrfach der symbolträchtigen Marke von zehn Franken. Bei 10,02 Franken markierte der Titel der zweitgrössten Schweizer Bank ein Rekordtief. UBS und Julius Bär verloren 8,1 und 9,8 Prozent. Auch die Versicherungswerte verloren, allerdings weniger stark als die Bankaktien. Swiss Re sanken um 2,1, Zurich um 3 und Swiss Life um mehr als vier Prozent.

Zyklische Titel stimmten ebenfalls in den Abwärtstrend ein. Grösster Verlierer unter den Standardwerten war Adecco mit minus 10,3 Prozent. Goldman Sachs hat den Personalvermittler wegen der konjunkturellen Unsicherheiten nach dem Brexit auf Neutral von Buy herabgestuft.

LafargeHolcim sackten um 7,2 Prozent ab. Die Titel von Geberit, Sulzer, Clariant und Swatch weiteten den Verlust auf bis zu fünf Prozent aus.

ABB sanken um 3,9 Prozent. Der Elektrotechnikkonzern will von einer Übernahme des deutschen Roboterbauers Kuka nichts wissen. "Ich kann Ihnen versichern, dass Medienberichte, wonach wir für unseren deutschen Wettbewerber Kuka bieten wollen, reine Spekulation sind", schrieb ABB-Chef Spiesshofer in einer Reuters vorliegenden Mail an die Belegschaft.

Baunahe Werte wie Forbo und Zehnder rauschten um rund acht Prozent in die Tiefe. Baader Helvea empfiehlt wegen des Brexit erhöhte Vorsicht bei einzelnen Bauzulieferern.

(Reuters)