«Zypern kann Italien-Geschäft verschlimmern»

Hotelplan-CEO Thomas Stirnimann verfolgt die Ereignisse auf Zypern genau, wie er im cash-Interview sagt. Zudem äussert er sich ausführlich zum Problemfall Italien und nennt des Schweizers Top-Reiseziele im Sommer 2013.
21.03.2013 06:00
Interview: Pascal Meisser
Thomas Stirnimann (50) ist seit letztem November CEO der Hotelplan-Gruppe.
Bild: cash

cash: Herr Stirnimann, der Mittelmeer-Bereich ist ohnehin schon Ihr Sorgenkind. Nun hat die Eurokrise auch Zypern erreicht. Was heisst das für Hotelplan Suisse?

Thomas Stirnimann: Wir verfolgen die Ereignisse natürlich ganz genau. Zypern ist ein Klassiker unter den Mittelmeer-Destinationen und gerade im Frühling beliebt, weil es sehr wettersicher ist. Vorläufig gehe ich nicht davon aus, dass derzeitige News die Leute davon abhalten, nach Zypern zu reisen.

Auch wenn die Hilfszahlungen der Eurozone weiterhin ausbleiben?

Ich gehe immer noch davon aus, dass sich die beiden Parteien einigen werden. Wenn Zypern tatsächlich Bankrott gehen sollte, wäre das natürlich eine andere Geschichte.

Der Versuch, auch Kleinsparer in die Verantwortung zur Staatsrettung zu nehmen, hat auch in anderen Peripherieländern Aengste geweckt. Das könnte Hotelplan Italia empfindlich treffen?

Ja, das hilft nicht, der Verunsicherung in Italien entgegenzuwirken. Zypern könnte dem Italien-Geschäft  tatsächlich zusätzlichen Schaden zufügen.

In Italien hat Hotelplan im letzten Geschäftsjahr hohe Verluste erlitten. Andere ziehen sich aus diesem Geschäft zurück. Wieso halten Sie daran fest?

Gefahren können auch gleichzeitig Chancen darstellen. Hotelplan ist in Italien deutlich höher positioniert als beispielsweise in der Schweiz. Zudem ist Hotelplan in Italien ein Brand für qualitative Langstreckenreisen, und das funktioniert eigentlich immer. Und je mehr Konkurrenten ihr Italien-Geschäft abstossen, desto besser wird unsere Ausgangslage.

Und trotzdem schrieb Hotelplan Italia einen zweistelligen Millionenverlust?

Das Hauptproblem war das wegbrechende Ägypten-Geschäft. Gleichzeitig sind die Rahmenbedingungen derart rigide, so dass man auf der Kostenseite erst mit grosser Verzögerung reagieren kann. Wir ziehen die längst fällige harte Restrukturierung durch und redimensionieren die Firma auf ein Kerngeschäft, in welchem wir, wie gesagt, gut positioniert sind.

Ist das Zweckoptimismus?

Nein, ich sehe weiterhin Wachstumspotenzial. Die Frage für mich ist nicht ob, sondern wann sich Italien wieder normalisiert. Wir müssen diese Durststrecke durchstehen, und wir haben mit Migros einen Besitzer, der sich das auch leisten kann und will.

2012 haben die Unruhen in Ägypten und Hotelplan Italia das Gruppen-Geschäftsergebnis verhagelt. Wie ist Hotelplan Suisse ins neue Jahr gestartet?

Die erste Monate sind nicht gut verlaufen. Das Aegypten-Geschäft ist immer noch am Boden, und das Grounding der Hello-Fluggesellschaft hat uns markante Folgekosten beschert, ich rechne mit ein bis zwei Millionen Franken. Das brachte uns zusätzlich ins Schleudern. Es dauerte zudem fast zwei Monate, bis wir eine Ersatzlösung gefunden hatten. Das verunsicherte die Kunden zusätzlich und kostete uns einiges an Geschäftsvolumen.

Kann dieser Rückstand bis Ende Jahr noch aufgeholt werden?

Das wird schwierig. Uns fehlen derzeit zweistellige Millionenbeträge beim Umsatz. Die Reisebranche ist ein Volumengeschäft, und die Möglichkeiten sind irgendwann ausgeschöpft. Auch vom Preis her haben wir keinen Spielraum.

Wird 2013 also schlechter ausfallen als das Vorjahr?

Das möchte ich so nicht bestätigen. Das Jahresergebnis steht und fällt mit dem Sommergeschäft. Dieses hängt vor allem vom Wetter in der Schweiz ab. Ist der Sommer schön und warm, würde uns dies das Leben noch schwieriger machen. Derzeit sehen wir für Juli noch eine zurückhaltende Nachfrage, für Oktober sieht es bereits ansprechend aus.

Welche Destinationen sind für Sommer 2013 besonders gefragt?

Griechenland bleibt weiterhin ein Hit der Schweizer, daneben laufen Nordeuropa inklusive Schottland und Grossbritannien sehr gut. Eine zunehmende Nachfrage sehen wir bei Kanada, die USA sind hingegen weniger gefragt. Nach den guten letzten Jahren sind die Leute hier wohl etwas gesättigt.

In den letzten Jahren sind die Preise für Sommerferien immer weiter gesunken. Wie sieht es 2013 aus?

Die Preise bleiben auf dem Allzeittief. Der Druck aus dem Euroraum hat sich deutlich entschärft. Mit den aktuellen Wechselkursen sind wir sehr gut dabei.

Keine Befürchtungen, dass Schweizerinnen und Schweizer trotzdem weiterhin bei ausländischen Anbietern buchen?

Im Gegenteil, wir konnten in den letzten Monaten wieder Kunden zurückgewinnen. Und ich wage zu behaupten, dass die Hotelplan-Gruppe im internationalen Vergleich fitter und schlanker aufgestellt ist. Deshalb konnten wir auch in den Krisenjahren erfolgreich arbeiten, und das kommt schliesslich auch unseren Kunden zugute.

Jahr für Jahr diskutiert die Reisebranche darüber, ob Reisekataloge noch zeitgemäss seien. Was ist Ihre Meinung?

Ich glaube nicht, dass die Kataloge verschwinden werden. Es gibt für Reisende keine bessere Informationsquelle. Die Frage bleibt, ob wir sie in dieser Form weiterhin gratis abgeben sollen, denn die Kosten dafür sind gewaltig.

Welche Lösung schlagen Sie vor?

Wir haben in den letzten fünf Jahren die Kosten für Kataloge halbiert. Die Auflage wurde deutlich heruntergefahren und zum Teil Kataloge zusammengelegt. Zudem sind wir dabei, die Preislisten zu reduzieren. Im letzten Winter haben wir erstmals einen Katalog ohne Preisliste, sondern nur mit Richtpreisen herausgegeben. Dieser Versuch hat bestens funktioniert. Deshalb wollen wir dieses System im nächsten Winter auf weitere Kataloge ausweiten.

Im Video-Interview sagt Stirnimann, wieso Hotelplan weiterhin auf Reisebüros setzt und wo er am liebsten seine eigenen Ferien verbringt.