Tote bei Erdbeben auf Ischia - Verschüttete Kinder gerettet

Retter haben nach einem Erdbeben mit mindestens zwei Toten auf der italienischen Ferieninsel Ischia mehrere verschüttete Kinder aus den Trümmern geborgen. Ein sieben Monate altes Baby retteten Feuerwehrleute in der Nacht auf Dienstag.
22.08.2017 14:03

Seine beiden Brüder erreichten sie Stunden später. Der 8-jährige Bruder wurde nach rund 14 Stunden aus dem Haus gerettet, der 11-jährige war nach ungefähr 16 Stunden in Sicherheit, teilte die Feuerwehr mit.

Zwei Frauen starben bei dem Erdstoss der Stärke 4,0. Mitten in der Hochsaison verliessen viele Touristen die seit jeher erdbebengefährdete Insel im Golf von Neapel.

Geologen kritisierten, dass ein relativ schwaches Beben so viel Schaden anrichten konnte. Am Montag gegen 21.00 Uhr hatte die Erde zu beben begonnen. Der Erdstoss lag nach Angaben der Erdbebenwarte INGV in einer Tiefe von fünf Kilometern. Geologen erklärten, dass das vergleichsweise schwache Beben vermutlich auch wegen der geringen Tiefe so grossen Schaden anrichten konnte. 39 Menschen wurden verletzt.

2600 Menschen sind nach dem Erdbeben obdachlos. Das gab der italienische Zivilschutz bekannt. Die meisten Obdachlosen wurden in einer Sporthalle in der Nähe von Casamicciola untergebracht.

"Es war eine schreckliche Nacht, man kann das mit Worten nicht beschreiben", sagte der Vater der verschütteten Kinder nach berichten der Nachrichtenagentur Ansa. Die Familie wurde in der besonders betroffenen Gemeinde Casamicciola verschüttet. Laut Medienberichten hatten die Kinder Schutz unter einem Bett gefunden und per Handy Kontakt zu den Helfern gehalten.

Das Beben richtete in manchen Orten schwere Schäden an, besonders in Casamicciola und Lacco Ameno. Häuser stürzten ein, Putz fiel von den Wänden. Das vorübergehend evakuierte Spital von Ischia wurde inzwischen wieder geöffnet.

Viele Bewohner und Touristen waren aus Gebäuden auf die Strassen gerannt. Die grössten Schäden gab es in höher gelegenen Regionen der Vulkaninsel. An den Hotels und Ferienwohnungen an der Küste waren keine stärkeren Beschädigungen sichtbar.

Dennoch entschieden sich viele Touristen, aus Furcht vor Nachbeben die beliebte Ferieninsel vorzeitig zu verlassen. Die Behörden stellten noch in der Nacht drei zusätzliche Fähren ein, um rund 1000 Abreisewillige wegzubringen.

Die Insel vulkanischen Ursprungs hat rund 62'000 Einwohner und ist vor allem im Sommer sehr beliebt bei Touristen. Auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel macht dort regelmässig Osterferien.

"Es ist nicht normal, dass ein Erdbeben der Stärke 4 Häuser einstürzen lässt und zu Evakuierungen von Krankenhäuser führt", sagte Egidio Grasso, Chef der regionalen Vereinigung von Geologen. Andere kritisierten die schlechte Bauweise der Häuser.

Experten machen auch illegale Bauten und wildes Zementieren für die schweren Schäden mitverantwortlich. "Ein Grossteil der Gebäuden, die in den vergangenen Jahren auf der Insel errichtet wurden, sind gesetzwidrig", sagte Ex-Staatsanwalt Aldo De Chiara.

Die Insel liegt in der Nähe der Phlegräischen Felder, die zu den weltweit wenigen Dutzend sogenannten Supervulkanen zählen. Im Jahr 1883 kamen bei einem Beben auf Ischia rund 2300 Menschen ums Leben.

Italien wird immer wieder von teils verheerenden Erdbeben heimgesucht. Vor fast genau einem Jahr, am 24. August, erschütterte ein schweres Beben die mittelitalienische Region um die Stadt Amatrice. 299 Menschen starben.

(SDA)