Tourismuswirtschaft in Paris und Brüssel leidet unter Terror

Die Terroranschläge der vergangenen Monate vermiesen der Tourismuswirtschaft in Paris und Brüssel das Geschäft. Im Raum Paris sind die Hotelumsätze in diesem Sommer um rund 15 Prozent gefallen und in Brüssel liegen die Hotels rund 20 Prozent unter dem Vorjahr.
23.08.2016 16:44

Teure Hotels in Paris müssten sogar 30 bis 40 Prozent an Einnahmeverlusten hinnehmen. Die Hotels in Brüssel waren im April nur zu 53,9 Prozent ausgelastet, ein Minus von 22,1 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahresmonat. Im Mai lag die Auslastung bei 59,0 Prozent und damit 21,3 Punkte unter dem Vorjahreswert, im Juni waren es 66,3 Prozent oder 19,6 Punkte weniger.

Auch der belgische Touristenmagnet Brügge beklagt heftige Einbussen. So verzeichneten die Boote auf den berühmten Kanälen der belgischen Stadt in den ersten sechs Monaten 2016 nur 400'280 Passagiere, gut 22 Prozent weniger als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Die Stadt führt dies laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Belga direkt auf die Folgen des Terrors zurück.

Auch die Sehenswürdigkeiten in Paris und Brüssel verzeichneten massive Einnahmeverluste. In Paris fiel die Zahl der Besucher des Triumphbogens um mehr als ein Drittel, die im Museum Grand Palais sogar um fast 44 Prozent. Das Schloss Versailles vor den Toren der französischen Hauptstadt musste ein Minus von rund einem Fünftel verkraften, teilte der Tourismusverband im Grossraum Paris am Dienstag mit.

Die Museen in Brüssel zählten im April, Mai und Juni jeweils 35 bis 38 Prozent weniger Besucher als ein Jahr zuvor, so ein Sprecher des Tourismusbüros Visit Brussels gegenüber der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Vor allem ausländische Gäste machen einen Bogen um die französische und die belgische Hauptstadt. Im ersten Halbjahr gab es in Paris bei den Ausländern im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 9,9 Prozent. "Eine Million Touristen ist nicht gekommen", bilanzierte der Generaldirektor des Tourismus-Ausschusses der Region Paris, François Navarro. Diese Zahl beziehe einheimische Feriengäste mit ein. Die Gesamtzahl aller Touristen betrug knapp 15 Millionen.

Die Einbussen für die gesamte Branche im Grossraum Paris werden auf 750 Millionen Euro im ersten Halbjahr beziffert. Im gesamten Jahr könnten sie sich auf 1,5 Milliarden Euro verdoppeln. Bei dieser Rechnung werden auch Geschäfte oder Restaurants berücksichtigt, wo Touristen Geld ausgeben.

Islamistische Attentäter hatten im November vergangenen Jahres in Paris 130 Menschen getötet. Bei einem Terroranschlag in der Ferienmetropole Nizza kamen im Juli 86 Menschen ums Leben.

In Brüssel hatten am 22. März Selbstmordattentäter am Flughafen und in der U-Bahn 32 Menschen ermordet. Schon nach den Anschlägen von Paris im November hatte es in Belgien immer wieder Terrorwarnungen und verschärfte Sicherheitsvorkehrungen gegeben.

Das belgische Wirtschaftsministerium hatte schon Ende Juli in einer Zwischenbilanz zu den Folgen der Terroranschläge einen Rückgang der Steuereinnahmen um 760 Millionen Euro gemeldet. Allein bei den indirekten Steuern aus dem Tourismussektor fehlten demnach 359 Millionen Euro.

Doch trotz der Terroranschläge wächst der Tourismus weltweit. Bereits am (gestrigen) Montag gab der Reisefirmenverband World Travel and Tourism Council (WTTC) bekannt, dass die Branche insgesamt in diesem Jahr um etwas 3,1 Prozent wachsen dürfte, statt der bisher prognostizierten 2,3 Prozent.

Hinter dem Anstieg stünden in erster Linie Chinesen und Inder, die es vermehrt in die Ferne ziehe. Touristen aus beiden Ländern reisten zwar wegen Sicherheitsbedenken nicht mehr so häufig nach Europa, dafür aber etwa verstärkt nach Australien, meldete WTTC.

(SDA)