Trotz Brexit - London wird immer attraktiver für die Superreichen

Die Londoner Finanzbranche gibt sich wegen des Brexit und dessen Folgen aufgeregt. Superreiche sind da gelassener: Sie zieht es nach wie vor in die Weltstadt an der Themse.
04.03.2017 23:05
Luxusapparments in London.
Luxusapparments in London.
Bild: Pixabay

Der EU-Austritt von Grossbritannien mag bevorstehen und in der Hauptstadt London zu manchem Kopfzerbrechen führen. Sorgen um die Attraktivität der Metropole an der Themse für die Superreichen dieser Welt muss sich in London laut einer aktuellen Studie aber niemand machen. Der Immobilienmakler Knight Frank LLP hat sie in Auftrag gegeben und demnach ist in den kommenden zehn Jahren mit einer Steigerung der Zahl superreicher Londoner um 30 Prozent zu rechnen. Es sollen bis 2026 genau 6058 sein, wie aus der Studie hervorgeht.

Definiert werden diese Personen in der Studie durch ein Vermögen von mindestens 30 Millionen Dollar, was sie bei bedeutenden Vermögensverwaltern wie der UBS und der Citigroup zu einer sehr umworbenen Zielgruppe macht. New York bleibt allerdings für die Superreichen die attraktivste Stadt, wie die von der Beratungsfirma New World Wealth aus Johannesburg im Auftrag von Knight Frank durchgeführte Studie überdies ergab.

Die Prognose für eine höhere Superreichen-Dichte in London dämpft jüngste Befürchtungen über eine sinkende Attraktivität der Stadt, ausgelöst von einem Einbruch der so genannten Investoren-Visa um 80 Prozent im letzten Jahr. Im Jahr zuvor waren von den Behörden neue Kontrollen gegen die Geldwäsche eingeführt worden. Regierungsangaben zufolge sind im vergangenen Jahr nicht mehr als 215 derartige Visa ausgestellt worden.

Dominierendes Zentrum der Finanzwirtschaft

“Der bevorstehende Brexit-Prozess wird nicht zu einem niedrigeren Anteil extrem Wohlhabender in Grossbritannien führen", schrieb Studienleiter Andrew Amoils von New World Wealth. Es sei im Gegenteil mit dem Zuzug weiterer so genannter High-Net-Worth-Personen zu rechnen. Wer als solche nach Grossbritannien ziehe, betrachte das Land als dominierendes Zentrum der Finanzwirtschaft in Europa.

Es sei zudem die einzige grosse englischsprachige Volkswirtschaft des Kontinents. Weiteres Ergebnis: Die traditionellen Beziehungen der Briten zu den USA, Kanada, Australien und Neuseeland werden sich nach dem Brexit wieder verstärken.

Die isolierte Betrachtung des Markts für Luxusimmobilien lässt London laut der Studie allerdings auf einen schwachen 92. Rang abfallen. Die Preise sind demnach 2016 um 6,3 Prozent gesunken, was vornehmlich auf eine veränderte Besteuerung zurückzuführen war, hiess es von Knight Frank. Gegen Ende des Jahres stieg das Verkaufsvolumen an, ebenso wie das Marktsentiment. Für 2017 sei mit stagnierenden Luxusimmobilienpreisen zu rechnen, was London von anderen Weltmetropolen wie Schanghai und Sydney unterscheide, wo weiter anziehende Preise zu ewarten seien.

Reichtum in schnell wachsenden Ländern

Weltweit wurde die Zahl der ultrareichen Personen im letzten Jahr auf 193'000 beziffert - und bis 2026 ist demnach mit mehr als 275'000 zu rechnen. Die höchsten Steigerungsraten wurden dabei ermittelt in Schwellenländern wie Vietnam und Sri Lanka sowie in Indien und in China. Diese schnell wachsenden Volkswirtschaften wirkten sich in mehr Reichtum aus, hiess es in der Studie.

Asiatische Grossstädte wie Puna, Ho-Chi-Minh-Stadt, Hyderabad und Bangalore werden der Prognose zufolge das höchste Wachstum bei Superreichen in den kommenden zehn Jahren aufweisen. Mumbai wird demnach voraussichtlich gemeinsam mit Schanghai, Peking, Singapur und Hongkong in die Top Ten der attraktivsten Städte für Superreiche aufrücken.

Ein knappes Drittel der Superreichen will in Immobilien ausserhalb ihres Hauptwohnsitzes investieren, hat Knight Frank herausgefunden. So habe sich das Investitionsvolumen von Chinesen in US-Wohnimmobilien zwischen 2006 und 2016 von kaum 300 Mio. Dollar auf nahezu 30 Mrd. Dollar erhöht. Auf Chinesen entfalle derzeit fast jeder fünfte Luxusimmobilienkauf im Lande.

Auf der Suche nach «sicheren Häfen»

Nicht alle Weltregionen werden der Studie zufolge in den nächsten zehn Jahren ein Wachstum bei den Superreichen aufweisen. In Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien ist das Wachstum ins Stocken geraten. Einige Wohlhabende planten überdies, Europa zu verlassen. Als Grund wird in der Studie eine Kombination aus höheren Steuern und Sozialabgaben sowie der Abfluss von hochqualifizierten Arbeitsplätzen nach Asien genannt.

Ultrareiche Migranten, wie die Studie sie nennt, werden sich voraussichtlich weiter in etwa einem halben Dutzend "sicheren Häfen" wiederfinden - genannt werden die Vereinigten Arabischen Emirate, Monaco, Israel und Kanada, wo sich fiskalische und politische Stabilität mit einem hohen Mass an Lebensqualität paart. Allein im Wohngebiet Ras Al Akhdar im Golfemirat Abu Dhabi wohnen laut Knight Frank nahezu 400 Ultra-High-Net-Worth-Personen.

(Bloomberg)