Trumps Prügel-Video schürt Sorgen um Sicherheit von Journalisten

Als Aufruf zu Gewalt gegen Journalisten haben Medienvertreter die symbolische Prügel-Attacke von US-Präsident Donald Trump auf den Fernsehsender CNN angeprangert.
03.07.2017 15:20

Dadurch werde eine Stimmung geschürt, in der "weitere Drangsalierung oder gar physische Gewalt" gegen Journalisten als "akzeptabel" gälten, erklärte am Sonntag (Ortszeit) das US-Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ).

Der US-Präsident hatte am Sonntag im Kurzbotschaftendienst Twitter ein Video veröffentlicht, in dem er am Rande eines Wrestling-Rings einen Mann zu Boden wirft und mit den Fäusten auf ihn einschlägt - das Gesicht des Opfers ist nicht zu sehen, stattdessen prangt dort das Logo des US-Fernsehsenders CNN. Am Ende des Videos erscheint das Logo FNN und die Bezeichnung "Fraud News Network" (Betrügerisches Nachrichtennetzwerk).

Trump veröffentlichte das Video zunächst auf seinem persönlichen Twitter-Konto (@realdonaldtrump), später erschien es auch auf dem offiziellen Twitter-Account des US-Präsidenten (@POTUS). Das Original des Videos enthielt das CNN-Logo nicht und ist zehn Jahre alt. Es stammt aus der Zeit, als Trump als Gaststar regelmässig zu spektakulären Ringkämpfen eingeladen war.

Bei dem vermeintlichen Prügelopfer handelt es sich um Trumps Freund Vince McMahon, einen milliardenschweren Organisator berühmter Wrestling-Veranstaltungen. Die als Scherz gemeinte Scheinattacke fand am Rande des sogenannten Kampfs der Milliardäre statt, bei dem zwei Wrestler stellvertretend für Trump und McMahon im Ring antraten.

CNN bezeichnete es als "traurigen Tag, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten zu Gewalt gegen Reporter ermuntert". Statt ein "unreifes Verhalten" an den Tag zu legen, das "weit unter der Würde seines Amts" liege, sollte sich Trump auf seine Arbeit konzentrieren.

Der Chefredaktor der ebenfalls häufig vom US-Präsidenten attackierten Zeitung "New York Times", Dean Baquet, nannte es "ungehörig", dass Trump zu einer "derartigen Wut auf die Medien" ermutige. Anni Lowrey, Journalistin des US-Magazins "The Atlantic", schrieb auf Twitter, sie habe "grosse Angst", dass eines Tages ein Journalist "sein Leben lassen wird".

Das CPJ warnte in einer von US-Medien zitierten Erklärung, Trumps Attacken könnten autokratische Machthaber um den Globus zu Repressalien gegen die Medien ermuntern.

Das Weisse Haus wies die Kritik und Sorgen als unberechtigt zurück. Trumps Berater für Innere Sicherheit Tom Bossert sagte im Sender ABC News, niemand werde das Video als Drohung ansehen. Trump müsse von den Nachrichtensendern oftmals Prügel einstecken und habe das Recht, darauf zu reagieren.

Bis Montagnachmittag wurde Trumps Video auf Twitter bereits 287'000 Mal weitergeleitet und erhielt 468'000 "Likes". Trump hatte in den vergangenen Wochen seine Verbalattacken auf distanziert und investigativ über seine Präsidentschaft berichtende Medien weiter verschärft.

Sein Ringer-Video weckte Erinnerungen an den Fall des Republikaners Greg Gianforte, der im Mai im US-Bundesstaat Montana einen britischen Reporter zu Boden geworfen und verprügelt hatte - dennoch gewann Gianforte wenig später die Nachwahl um einen Kongresssitz.

(SDA)