Umfrage: FDP, Grüne und GLP gewinnen - SVP, SP und CVP verlieren

Im Wahlbarometer zur Halbzeit der Legislatur sind FDP, Grüne und GLP Gewinnerinnen. Verluste müssen SVP, SP, CVP und BDP hinnehmen. Insgesamt ergibt die Umfrage aber eine Parteienlandschaft mit wenig Veränderungen gegenüber 2015.
19.10.2017 17:00

Im Vergleich mit Deutschland, Frankreich und Österreich seien die Verluste und Gewinne höchst bescheiden, schrieben die Autoren des am Donnerstag veröffentlichten SRG-Wahlbarometers. Sie sprechen von der Schweiz als "Hort der Stabilität".

Verlierer und Gewinner zeigt das Barometer gleichwohl an: Von den Bundesratsparteien konnte gegenüber den eidgenössischen Wahlen 2015 lediglich die FDP zulegen. Sie steigerte ihren Wähleranteil um 0,7 Prozentpunkte und erreichte in der Umfrage 17,1 Prozent.

Gewinnerinnen sind auch Grüne und GLP. Die Grünen steigerten sich um einen Prozentpunkt auf 8,1 Prozent. Die GLP, die 2015 fast die Hälfte ihrer Sitze im Nationalrat verloren hatte, kam auf 5,4 Prozent Wähleranteil. Das entspricht einer Steigerung um 0,8 Prozentpunkte.

Haare lassen müssen gemäss Wahlbarometer die SVP, die SP, die CVP und auch die BDP. Die SVP als wählerstärkste Partei verlor 0,7 Prozentpunkte und kam in der Umfrage auf einen Anteil von noch 28,7 Prozent.

Die SP liegt mit 17,7 Prozent Wähleranteil (minus 1,1 Prozentpunkte) noch wenig vor den Freisinnig-Liberalen. Die BDP, die schon im Herbst 2015 geschrumpft war, verliert in der Umfrage weitere 0,7 Prozentpunkte und kommt auf einen Wähleranteil von noch 3,4 Prozent.

Bei der CVP beträgt der Rückgang 0,7 Prozentpunkte. Sie kommt auf 10,9 Prozent Wähleranteil. Der neue bürgerlich-soziale Kurs ziehe zwar Wähler an, so die Studie. Dass Stammwähler abwanderten, liege weniger am neuen Kurs als daran, dass die CVP die aus Sicht dieser Wähler entscheidenden neuen Probleme nicht genügend anspreche.

Die SP verlor gemäss Umfrage vor allem an die Grünen und kleinere Linksparteien. Diese Wechselwähler waren vorwiegend der Meinung, die Problemlage habe sich geändert. FDP und GLP wiederum konnten dank der stärkeren Ansprache gewisser Wählerschichten zulegen.

87 Prozent der Antwortenden gaben an, derzeit dieselbe Partei wählen zu wollen wie bei den eidgenössischen Wahlen vor zwei Jahren. Von den 1368 Wechselwählerinnen und -wählern begründeten je 29 Prozent ihre Haltung damit, dass sich die politische Problemlage geändert respektive die Partei sie nicht mehr vertrete.

Die Beliebtheit der Parteipräsidenten und -präsidentinnen hängt laut der Umfrage in erster Linie von der Parteizugehörigkeit ab. "Sie werden von Freund und Feind zumeist als archetypische Parteivertreter wahrgenommen und eher selten als eigenständige Persönlichkeiten", schreiben die Autoren.

Am bekanntesten sind den Wählenden die Chefs der Bundesratsparteien. Gerade einmal zwei Prozent der Umfrageteilnehmer konnten mit dem Namen von SP-Präsident Christian Levrat nichts anfangen, und weitere zwei Prozent hatten keine Meinung zu ihm.

Das zweitbekannteste Gesicht ist Albert Rösti von der SVP, vor Petra Gössi (FDP) und Gerhard Pfister (CVP). Am wenigsten bekannt ist der erst seit Ende August amtierende Chef der GLP, der Berner Nationalrat Jürg Grossen. Am stärksten polarisieren Rösti, Levrat und Grünen-Präsidentin Regula Rytz, die Vorsteher der Polparteien.

Das zwischen Ende September und Anfang Oktober erstellte Wahlbarometer enthält auch eine Sorgenliste: Drängendstes Problem ist mit 21 Prozent das Themenfeld Migration. Dahinter folgt die Gesundheitspolitik. Die Autoren sehen einen Zusammenhang mit den vor der Umfrage bekanntgegebenen Krankenkassenprämien 2018.

Auf dem dritten Rang finden sich die Sozialwerke und die soziale Sicherheit - die Reform der Altersvorsorge war am 24. September an der Urne abgelehnt worden. Am unteren Ende der Liste stehen die Themen Verkehr sowie Finanzen und Steuern.

Die Umfrage wurde vom 28. September bis 2. Oktober von der Forschungsstelle sotomo durchgeführt. Rund 14'060 Personen nahmen teil. Rekrutiert wurden sie aus dem Befragtenpanel von sotomo oder sie nahmen aus eigenem Willen über Internet an der Befragung teil. Die Antworten von 11'606 Personen wurden gewichtet und ausgewertet. Der Stichprobenfehler liegt bei rund 2,2 Prozent.

(SDA)