Ungebremstes Kostenwachstum bei ambulanten Behandlungen

Die Gesundheitskosten steigen ungebremst. Im Jahr 2015 betrug das Wachstum pro Versichertem 3,9 Prozent. Und im ersten Halbjahr 2016 kamen bereits wieder 4,3 Prozent hinzu. Schuld daran sind die Kosten für ambulante Behandlungen und Medikamente.
16.09.2016 10:53

Das grösste Kostenwachstum verzeichneten 2015 die ambulanten Arztkosten mit 5,7 Prozent, wie der Krankenkassenverband santésuisse am Freitag aufgrund neuester Zahlen mitteilte. Die Kosten für ambulante Behandlungen im Spital nahmen um 3,2 Prozent zu. Diese Kosten tragen vollumfänglich die Krankenkassen.

Die von den Kantonen mitfinanzieren Kosten im stationären Bereich der Spitäler stiegen demgegenüber lediglich um 1,9 Prozent. Dabei haben mehrere Kantone im vergangenen Jahr ihren Anteil erhöht. Das dämpfte die von den Prämienzahlern zu schluckende Zunahme um rund 1,2 Prozentpunkte.

Nachdem 2014 der Kostenanstieg bei den Medikamenten vorübergehend gestoppt schien, steigt dieser Kostenfaktor wieder stärker. Nach einem Anstieg von 1,8 Prozent 2014 beträgt die Zunahme der gesamten Medikamentenkosten 2016 bereits wieder 5,3 Prozent. Die Kosten der Apotheken erhöhten sich 2015 gegenüber dem Vorjahr um 5,1 Prozent pro versicherter Person.

Der Krankenkassenverband führt das Kostenwachstum im ambulanten Arzt- und Spitalbereich auf die Mengenausweitung zurück. Bei den Medikamenten gaben hingegen fehlende Regelungen für tiefere Generikapreise den Ausschlag.

Aufgrund der Zahlen fordert santésuisse griffige Massnahmen gegen das Kostenwachstum. Die Rezepte dafür lägen vor, heisst es in der Medienmitteilung. So müsse der Vertragszwang gelockert werden. Routineeingriffe sollten den Ärztinnen und Ärzten nur noch pauschal vergütet werden. Bei den Medikamenten verlangt der Verband ein System mit Festbeträgen für Generika.

Auch der Ärzteverband FMH verweist in einer Mitteilung vom Freitag auf die zunehmende Verschiebung vom stationären zum ambulanten Bereich. Krebspatienten etwa könnten dank verbesserter Medikamente und Behandlungsmethoden immer öfter ambulant behandelt werden.

Dadurch würden zwar die Gesamtkosten pro Krebspatient sinken. Da ambulante Behandlungen voll über die Prämien finanziert werden, führe dies aber zu höheren Krankenkassenprämien. Die FMH fordert deshalb eine einheitliche Finanzierung von stationären und ambulanten Leistungen.

Als Gründe für die allgemeine Zunahme der Gesundheitskosten nennt die FMH in ihrer Mitteilung neben der älter werdenden Bevölkerung und neuen Behandlungsmöglichkeiten auch die zunehmende administrative Belastung der Ärztinnen und Ärzte.

(SDA)