Unia-ALK Biel setzte Arbeitszeiterfassung nicht - Überstundenstau

Bei der Unia Arbeitslosenkasse in Biel haben 2013 drei Mitarbeitende massiv zu viele Überstunden gemacht. Einer erlitt ein Burn-Out. Trotz Hilferufen, reagierte der Chef nicht. Bei der ALK Biel war die Unia-interne Arbeitszeiterfassung nicht angewendet worden.
09.06.2017 16:50

Der vom Burn-out betroffene Mitarbeiter hatte 2013 und 2014 in 13 Monaten 820 Überstunden angehäuft. Unia-Sprecher Pepo Hofstetter bestätigte am Freitag einen entsprechenden Bericht des "Blick". Der Mitarbeiter wurde Mitte 2014 krankgeschrieben. Er kam nach vier Monaten Pause wieder an seinen Arbeitsplatz zurück.

Zugleich klagte er gegen die Unia. Vor der Schlichtungbehörde Bern-Mittelland erhielt der Mitarbeiter im September 2016 eine Genugtuung von 10'000 Franken. Laut Arbeitsgesetz darf die Überzeit maximal 170 Stunden pro Kalenderjahr nicht übersteigen.

Selbst der Unia-Rechtsdienst sei zum Schluss gekommen, dass die Unia bei dem Betroffenen, "sicherlich ihre Fürsorgepflicht und damit einhergehend die Persönlichkeitsrechte" verletzt habe, indem sie "nichts gegen das Anhäufen der Überstunden unternommen hat", zitiert der "Blick" aus einem Unia-internen Mail vom Juni 2016.

Für Unia-Geschäftsleitungsmitglied Corrado Pardini zeigt der Fall exemplarisch, dass "nicht einmal die Gewerkschaft gefeit davon ist, dass so etwas passiert, wenn man die Arbeitszeit nicht strikte kontrolliert und durchsetzt". Gerade dies sei bei der Arbeitslosenkasse (ALK) in Biel und in Solothurn nicht geschehen, die Unia-interne Zeiterfassung habe man nicht strikte angewandt.

Der dafür verantwortliche Chef sei Unia-intern versetzt worden. Die Unia habe zwei neue Chefinnen eingesetzt, eine bei der ALK Biel und eine in Solothurn. Zudem sei zusätzliches Personal eingestellt und wöchentliche Reportings eingeführt und natürlich die strikte Arbeitszeiterfassung der Unia durchgesetzt worden.

Zunächst habe er aber mit den betroffenen Mitarbeitern geschaut wie die Unia ihre Überstunden durch Freizeit und Bezahlung abbauen könne, sagte Pardini. Zudem habe die Unia durch Externe eine Mitarbeitenden-Befragung zur Zufriedenheit durchführen lassen.

Er habe erst im Frühjahr oder Sommer 2014 vom Fall erfahren, sagte der Berner SP-Nationalrat, der in der Unia-Geschäftsleitung unter anderem für die Region Biel-Seeland/Solothurn zuständig ist, dort aber keine operative Führungsaufgabe hat.

Der Burn-Out-Fall aus dem eigenen Haus zeige, wie wichtig eine Arbeitszeiterfassung und- kontrolle für den Gesundheitsschutz ist, sagte Pardini. "Eine Liberalisierung der Arbeitszeiten, wie sie die Arbeitgeber derzeit verlangen ist Gift. Darum wehre ich mich so vehement gegen die Aufhebung der Arbeitszeiterfassung, wie sie von den Bürgerlichen im Parlament verlangt wird."

Die Unia selbst will solchen Fällen im eigenen Haus besser vorbeugen mit einem einheitliches Tool zur Arbeitszeiterfassung mit Alarmfunktion. Laut Unia-Sprecher Hofstetter führt die Gewerkschaft dieses seit diesen Frühjahr schweizweit ein.

(SDA)