UNO fordert Feuerpause in Al-Rakka für Flucht von Zivilpersonen

Die UNO fordert eine Einschränkung der Kämpfe in der nordsyrischen Stadt Al-Rakka, um den dort noch eingeschlossenen rund 25'000 Zivilpersonen die Flucht zu ermöglichen. Die dortige Bevölkerung sei Angriffen von mehreren Seiten ausgesetzt.
24.08.2017 15:05

"Ich kann mir heute keinen Ort auf der Welt vorstellen, der schlimmer ist", sagte UNO-Berater Jan Egeland am Donnerstag zur Lage der tausenden in Al-Rakka blockierten Personen. Es müsse alles versucht werden, um die Menschen, die von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) als Schutzschild missbraucht würden, in Sicherheit zu bringen, sagte der UNO-Berater für humanitäre Fragen in Syrien vor den Medien in Genf.

Die Zivilpersonen in Al-Rakka sähen sich Luftangriffen der von den USA angeführten Streitkräfte wie auch dem Artilleriebeschuss der kurdisch-arabischer SDF-Einheiten ausgesetzt. Diese wollen die von der IS-Terrormiliz gehaltenen Stadtquartiere zurückerobern. Der IS will dabei verhindern, dass die Zivilbevölkerung fliehen kann.

In den vergangenen Tagen waren Beobachtern zufolge mindestens 170 Bewohner der Stadt bei Luftangriffen der US-geführten Koalition ums Leben gekommen, darunter Frauen und Kinder. Sie hatten den Angaben zufolge Zuflucht in Gebäuden gesucht, die dann unter Beschuss gerieten.

Der UNO-Appell erfolgte kurz nach der Veröffentlichung eines Berichts von Amnesty International zu Al-Rakka. Die Menschenrechtsorganisation berichtete von Hunderten zivilen Toten seit Beginn der Offensive. Die Verantwortung trügen alle beteiligten Kriegsparteien.

Der IS benutze die Bewohnerinnen und Bewohner Al-Rakkas als menschliche Schutzschilde. IS-Kämpfer würden diese in die Altstadt zwingen, wo voraussichtlich die letzten Kämpfe stattfinden würden.

Wer versuche aus der Stadt zu flüchten, werde von Heckenschützen, Landminen und Sprengfallen auf der Fluchtroute bedroht. Flüchtlingsboote, die über den Fluss Euphrat fahren, würden oft von Koalitionsgruppen angegriffen, heisst es im Amnesty-Bericht.

Schliesslich würde die Bevölkerung, die südlich des Euphrats lebt, von den von Russland unterstützen syrischen Regierungstruppen beschossen. Im Einsatz stünden auch international geächtete Streubomben.

UNO-Berater Egeland konnte am Donnerstag aber auch von erfolgreichen Hilfslieferungen berichten, nämlich am vergangenen Wochenende in Homs und Hama, beide im Westen Syriens. Dort seien Hilfsgüter für rund 80'000 Personen eingetroffen.

Eine Vereinbarung für Hilfe an die belagerten Gebiete von Al-Foua und Kafraja sei am Mittwoch gescheitert. In den kommenden Tagen wolle die UNO in vier grössere syrische Städte Hilfe bringen. Vom Ziel, in August und September einer Million Menschen zu helfen, sei die UNO derzeit weit entfernt, sagte Egeland.

(SDA)