Unspunnenfest in Interlaken erwartet über 150'000 Besucher

Alle paar Jahre vereinigt das Unspunnenfest in Interlaken Schwinger, Jodler, Steinstösser, Trachtenleute und Volksmusikanten zum grossen Stelldichein. Ende August werden im Oberland wiederum Tausende Aktive und über 150'000 Besucher erwartet.
15.08.2017 10:00

Neun Tage lang wird Interlaken zum Hotspot der Swissness. Das Eröffnungswochenende am 26./27. August steht im Zeichen des Unspunnen-Schwingfests. Das Schlusswochenende am 2./3. September ist dem Trachten- und Alphirtenfest gewidmet.

Dazwischen kommen die zwölf nationalen Trägerschaftsverbände an eigenen Thementagen auf ihre Rechnung. Alphirten und Landfrauen, Hornusser, Alphornbläserinnen und -bläser und Fahnenschwinger, Steinstösser, Jodlerinnen und Jodler, Volksmusikanten, Trachtenleute, und Schützen bestreiten ihre Programme und präsentieren sich dem Publikum.

Das Unspunnenfest findet seit zweihundert Jahren in grösseren Abständen statt. In jüngerer Zeit hat sich in etwa ein Zwölfjahresrhythmus eingependelt.

Das Unspunnenfest hat seine Wurzeln im ausgehenden 18. Jahrhundert und beginnenden 19. Jahrhundert, als die Schweiz eine Staatsordnung nach französischem Vorbild kannte. Die politisch schwierige Zeit war geprägt von Animositäten zwischen der Stadt- und der Landbevölkerung.

Die bernische Obrigkeit versuchte, Unruhen und Aufstände zu verhindern und Stadt und Land einander wieder näher zu bringen. Ein Fest im Geiste der Verbrüderung kam da gerade Recht.

Das Fest sollte nach den Vorstellungen der Obrigkeit "dem Bewohner der Landschaft und dem Einwohner der Städte jenes alte gegenseitige Wohlwollen und jene holde Einigkeit wieder keimen und blühen machen, welchem unser Vaterland jahrhundertelang seine Kraft, seinen Ruhm und sein Glück zu danken hatte".

1805 wurde das erste Unspunnenfest durchgeführt, mit Umzug, Gesang Schiessen, Schwingen, Steinstossen und Alphornblasen. Bester Schütze war ein gewisser Johann Kaspar Beugger aus Aarmühle, dem heutigen Interlaken. Er war auf einem Auge blind.

1808 folgte eine weitere Auflage des Unspunnenfests. Die beiden Feste lockten Scharen von Zuschauern an, namentlich adelige Patrizier aus Bern. Dafür sorgten nicht zuletzt umfangreiche Werbemassnahmen im Vorfeld - nota bene die wohl ersten ihrer Art in bernischen Landen.

Bekannte Maler und Schriftsteller wie Elisabeth Vigee-Lebrun, Franz Niklaus König oder Germaine de Staël hielten ihre Eindrücke des Anlasses fest. In den gross in Mode kommenden Reiseführern verbreitete sich die Unspunnen-Idylle schnell in alle Welt. Heute würde man wohl von einem Marketing-Coup sprechen.

"Unspunnen" war mit seiner internationalen Ausstrahlung eine Art Initialzündung für den Berner Oberländer Tourismus. Die einheimische Bevölkerung merkte, dass man mit den Fremden Geld verdienen konnte. Bald wurden erste Pensionen eingerichtet, und um 1850 entstanden die grossen Hotelbauten an der Höhenmatte.

Die politischen Ziele erreichte die bernische Obrigkeit allerdings mit den Festen nicht. Die rebellischen Oberländer liessen sich nicht so einfach besänftigen. Das Fest wurde nicht wiederholt und geriet in Vergessenheit.

Ganze hundert Jahre sollte es dauern, ehe man sich 1905 wieder darauf besann - zur Belebung der Fremdensaison im Sommer. Der Anlass war so erfolgreich, dass den Interlakner Bäckern am Festsonntag die Brotvorräte ausgingen.

Die beiden Weltkriege setzten dem Tourismusboom im Oberland vorerst ein Ende. Noch überschattet von den Kriegsjahren kam 1946 der Geist von Unspunnen erneut gelegen, um Einigkeit und Heimatgefühl zu beschwören. Der Auftakt zum Umzug gelang dann aber nicht ganz nach Mass: Eine Maus hatte die Zündschnur für den Böllerschuss durchgenagt.

Die Feste von 1955 und 1968 standen im Zeichen der sanften Modernisierung: Neue Lieder, neuzeitliche Instrumentierungen und künstlerische Interpretationen waren gefragt. In den 1980-er und 1990-er Jahren wurde "Unspunnen" zum medialen Grossereignis.

2006 fand das bislang letzte Fest statt. "Unspunnen" in der heutigen Form ist ein Grossanlass auf heikler Gratwanderung zwischen Brauchtum, Medienspektakel und Kommerz.

Als grosses Fest der Heimat wird der Anlass breit vermarktet. Eine riesige Logistik ist nötig, damit Zehntausende Besucher verpflegt und unterhalten werden können. Auch dem Sicherheitsaspekt muss heute grosse Rechnung getragen werden.

www.unspunnenfest.ch

(SDA)