Unterstützung auf beiden Seiten in der Affäre um Tariq Ramadan

Nach den verschiedenen Anschuldigungen gegen den Genfer Islamwissenschaftler Tariq Ramadan formiert sich Unterstützung auf beiden Seiten. Während sich ein Komitee für Opfer in Genf bildet, unterstützt ein anderes Ramadan.
10.11.2017 16:40

"Unser Ziel ist es den Frauen zu sagen: Lasst euch nicht einschüchtern, ihr steht nicht alleine da", sagte Anne Marie von Arx-Vernon am Freitag der Nachrichtenagentur sda. Sie bestätigte damit einen Bericht der "Tribune de Genève".

Die CVP-Grossrätin setzt sich seit vielen Jahren gegen Menschenhandel ein. Sie gründete das Komitee zusammen mit Fabienne Bugnon, einer ehemaligen Politikerin der Genfer Grünen. Das Komitee zählt derzeit rund hundert Mitglieder.

Es stellt sich in den Dienst von mehreren ehemaligen Schülerinnen von Ramadan, die in der vergangenen Woche anonym von sexueller Belästigung berichtet hatten. Von Arx-Vernon kritisierte zudem Aussagen eines Anwalts von Tariq Ramadan in den Medien.

So hatte der bekannte Genfer Anwalt Marc Bonnant davon gesprochen, die vier unbekannten Anklägerinnen wegen ihren verleumderischen Aussagen aufspüren zu wollen. "Diese Frauen werden als Personen dargestellt, die das Leben eines Mannes zerstören wollen", sagte sie.

Bislang haben die vier ehemaligen Schülerinnen, die ebenfalls in der "Tribune de Genève" über die Vorfälle berichtet hatten, noch keinen Kontakt mit dem Komitee aufgenommen. "Wir stehen ihnen zur Verfügung" sagte von Arx-Vernon.

Ramadan hatte von den 1980er-Jahren bis in die Nullerjahre in Genf Französisch und Philosophie unterrichtet. Er soll insgesamt vier Schülerinnen bedrängt und mit drei von ihnen auch Geschlechtsverkehr gehabt haben.

Der bekannte Islamwissenschaftler steht aber nicht nur in der Schweiz unter Druck. Nach der Affäre um den US-amerikanischen Filmproduzenten Harvey Weinstein hatten zwei Frauen in Frankreich Klage wegen Vergewaltigung gegen Ramadan eingereicht.

Ramadan wurde inzwischen von der Universität Oxford wegen den Vorwürfen beurlaubt. Die britische Universität teilte den Schritt am Dienstag mit und sprach von einem gegenseitigen Einverständnis mit dem Professor für Zeitgenössische Islamstudien.

Die Universität betonte dabei, dass die Beurlaubung nicht einer Vorverurteilung oder einem Schuldeingeständnis gleichkomme. Ramadan wies die Vorwürfe in aller Deutlichkeit zurück. Er sprach von einer "Verleumdungskampagne" seiner langjährigen Gegner.

In die gleiche Richtung argumentierte am Freitag die Ligue des musulmans de Suisse, eine Westschweizer Vereinigung muslimischer Verbände. Sie fordert die Gründung eines "Kollektivs von freien Frauen und Männern zur Unterstützung des Professors angesichts der Lynchjustiz in den Medien." Diese würden zugleich ihre fundamentalen Grundsätze wie auch die Unschuldsvermutung missachten.

(SDA)