Urner Regierungsrätin: "Noch nie so viel Groll und Hass erlebt"

Nach dem Eklat an der Infoveranstaltung zum geplanten Asylzentrum in der Urner Berggemeinde Seelisberg am Donnerstag hat sich Regierungsrätin Barbara Bär schockiert über das Verhalten der Dorfbevölkerung geäussert. Zudem kritisiert sie das Verhalten des Gemeinderats.
06.08.2016 12:18

Sie habe nach dem Anlass nicht gut und nicht viel geschlafen, sagte die Urner Sozialdirektorin in einem Interview mit der "Neuen Urner Zeitung" vom Samstag. So viel Emotionen, Groll und Hass habe sie in 20 Jahren als Exekutivpolitikerin noch nie erlebt.

Es habe sich um eine inszenierte Verweigerung gehandelt, sagte die Freisinnige. Man habe ihr gar keine Chance geben wollen, sachlich zu informieren, Gerüchte aus der Welt zu schaffen und Lösungen zu präsentieren. Bär kritisierte das Verhalten von Gemeinde- und Parlamentsvertretern. Diese hätten die Stimmung noch angeheizt, statt zu versuchen die Wogen zu glätten.

Kritik an der Informationspolitik der Regierung liess Bär nicht gelten. Der Gemeindepräsident sei frühzeitig über das Vorhaben vor der Inspektion der Unterkunft und vor der Vertragsunterzeichnung informiert worden. Die Infoveranstaltung sei zusammen mit dem Gemeinderat vorbereitet worden.

Dieser hätte sich nach Ansicht von Bär frühzeitig überlegen können, wie man die Bevölkerung einbeziehen respektive wie man die Sache kommunizieren könnte, um Verständnis für die Pflichten des Kantons zu wecken und verträgliche Lösungen aufzugleisen.

Rechtlich kann die Gemeinde die geplante Asylunterkunft im Hotel Löwen für gegen 60 Asylbewerber nicht verhindern. Die Regierungsrätin will nun mit dem Gemeinderat und der Interessengruppe "Vernünftige Asyllösung für Seelisberg" an einen Tisch sitzen und Verhaltens-Spielregeln definieren.

Die Urner Regierung will ab Mitte Oktober Asylsuchende in Seelisberg einquartieren, wie Bär sagte. Die maximale Zahl müsse aber nochmals überdacht werden. Das Rote Kreuz erhalte in Seelisberg die Möglichkeit, vielleicht fünf, vielleicht zehn Leute einzuquartieren, sobald andernorts kein Wohnraum mehr vorhanden sei.

Die Asylsuchenden werden laut dem Konzept des Kantons an 365 Tagen rund um die Uhr betreut. Für die Sicherheit ist eine erhöhte Polizeipräsenz im Dorf vorgesehen. Für die Bevölkerung wird eine Hotline eingerichtet. Eine Begleitgruppe soll zudem Beschäftigungsmöglichkeiten für die Asylsuchenden zum Wohl der Allgemeinheit prüfen.

(SDA)