US-geführte Koalition bestätigt Angriff auf syrischen Stützpunkt

Die von den USA angeführte Koalition in Syrien hat möglicherweise aus Versehen einen Stützpunkt der syrischen Armee angegriffen. Beobachtern zufolge starben beim Luftangriff auf Regime-Stellungen im Osten des Landes mindestens 60 Soldaten.
17.09.2016 23:23

Nach Angaben des US-Zentralkommandos habe die Koalition den Angriff sofort abgebrochen, als russische Vertreter Verantwortliche der Koalition darauf aufmerksam gemacht hätten, dass es sich bei dem Ziel möglicherweise um syrische Regierungstruppen handle.

Die Koalition sei davon ausgegangen, dass es sich um Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gehandelt habe, teilte das US-Zentralkommando am Samstag mit. Die Einheiten hätten die Zielposition für eine erhebliche Zeit beobachtet. Opferzahlen bestätigte das Kommando nicht.

Das russische Verteidigungsministerium sprach am Samstagabend unter Berufung auf das örtliche syrische Kommando von mehr als 60 getöteten Regierungssoldaten. Etwa 100 seien verletzt worden. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte geht von mindestens 83 Toten und mehr als 120 Verletzten aus.

Als Konsequenz forderte Moskau eine Dringlichkeitssitzung des Weltsicherheitsrates. "Wir verlangen klare und detaillierte Erklärungen von Washington, ob dies eine gezielte Unterstützung von (der Terrormiliz) Islamischer Staat oder einfach nur ein neuer Fehler war", sagte Aussenministeriumssprecherin Maria Sacharowa nach Angaben der Agentur Tass in der Nacht zum Sonntag in Moskau. Diese Erklärungen sollten vor dem höchsten UNO-Gremium abgegeben werden.

Wie die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete, seien Stellungen der Armee in der Nähe eines Militärflughafens in der Provinz Dair as-Saur angegriffen worden. Es ist das Kernland der Terrormiliz IS, syrische Regierungstruppen kontrollieren hier nur kleine Gebiete. Direkt nach dem Luftangriff seien Kämpfer des IS am Boden in die Offensive gegen den Stützpunkt gegangen. Auch das IS-Sprachrohr Amak berichtete vom Vorrücken der Dschihadisten.

Den Moskauer Angaben zufolge kamen die Flugzeuge der Koalition aus dem Irak in den syrischen Luftraum und flogen vier Angriffe. Auch Kampfhelikopter waren nach Berichten der Beobachtungsstelle für Menschenrechte an dem Angriff beteiligt. Die Beobachtungsstelle steht der syrischen Opposition nahe und stützt sich auf ein breites Netzwerk von Informanten Syrien.

Igor Konaschenkow, Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau, schloss nicht aus, dass die Attacke ein Versehen sei. Er führte den Fehler zurück auf die Weigerung der USA, ihr militärisches Vorgehen gegen terroristische Gruppen in Syrien mit Russland abzustimmen.

Das US-Zentralkommando verwies auf die "komplexe" Situation in Syrien mit verschiedenen militärischen Kräften und Milizen in nächster Nähe zueinander. "Aber Koalitionskräfte würden keine syrische Einheit wissentlich und absichtlich angreifen."

Am Montagabend war eine Waffenruhe in dem Bürgerkriegsland in Kraft getreten, die die USA und Russland verhandelt hatten. Angriffe gegen dschihadistische Gruppen sind von der Feuerpause ausgenommen.

Während die Gewalt in Syrien zunächst auch deutlich zurückgegangen war, waren die Kämpfe in den vergangenen Tagen immer häufiger aufgeflammt und es kam zu zahlreichen Brüchen der Waffenruhe. Auch humanitäre Hilfe der Vereinten Nationen gelangte bislang noch nicht in die umkämpften Gebiete.

(SDA)