US-Notenbankchef: Zinsen könnten stärker steigen

Die Leitzinsen in den USA könnten angesichts der dort anhaltend guten Wirtschaftslage womöglich stärker steigen als bisher vermutet. Dies deutete der Chef der amerikanischen Notenbank Fed, Jerome Powell, am späten Mittwochabend in einer Rede in Washington an.
04.10.2018 09:58

Die Vereinigten Staaten durchlebten eine bemerkenswert positive Wirtschaftslage. "Es gibt wirklich keinen Grund zu der Annahme, dass dieser Zyklus nicht noch einige Zeit fortgesetzt werden kann."

Die USA befänden sich in "aussergewöhnlichen Zeiten" mit einer niedrigen Inflation und sehr geringer Arbeitslosigkeit. Das Zinsniveau unterstütze immer noch die Konjunktur, aber es bewege sich allmählich auf neutrales Niveau zu, sagte Powell. "Wir könnten über Neutral gehen. Aber aktuell sind wir wahrscheinlich noch weit von diesem Punkt entfernt."

Die Fed veranschlagt das neutrale Zinsniveau gegenwärtig bei etwa drei Prozent. Dieser Punkt kennzeichnet das Zinsniveau, auf dem die Wirtschaft weder gebremst noch angeschoben wird. Derzeit liegen die Leitzinsen der Fed in einer Spanne zwischen 2,0 und 2,25 Prozent. Viele Beobachter waren bisher davon ausgegangen, dass die Fed ihren Straffungskurs im Laufe des kommenden Jahres beenden wird, weil dann das neutrale Niveau erreicht sein dürfte. Dieses Szenario wird durch Powells Bemerkungen in Frage gestellt.

An den Finanzmärkten führten die Äusserungen Powells bereits am Mittwoch zu starken Reaktionen, die sich am Donnerstag auf die asiatischen und europäischen Märkte übertrugen. In den USA stieg die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen erstmals seit 2011 über die Marke von 3,2 Prozent. In Asien und Europa erhöhten sich die Kapitalmarktzinsen ebenfalls deutlich. Der amerikanische Dollar profitierte von der Entwicklung und wertete auf.

(SDA)