USA drohen mit weiteren Militärangriffen gegen Assad in Syrien

Nach ihrem Raketenangriff gegen einen syrischen Luftwaffenstützpunkt haben die USA mit weiteren Angriffen gegen die Streitkräfte von Machthaber Assad gedroht. "Wir sind darauf vorbereitet, noch mehr zu tun", sagte die amerikanische UNO-Botschafterin Nikki Haley.
07.04.2017 23:02

"Wir hoffen aber, dass es nicht notwendig sein wird", sagte Haley am Freitag in New York.

US-Präsident Donald Trump hatte den Raketenangriff als Reaktion auf den Chemiewaffenangriff in Nordsyrien bezeichnet, bei dem mehr als 80 Menschen getötet wurden und für den er Baschar al-Assad verantwortlich machte.

Nur wenige Stunden nach dem US-Angriff auf den syrischen Luftwaffenstützpunkt Al-Schairat bei Homs flogen am Freitag bereits wieder syrische Kampfjets von dort zu Einsätzen. Zwei syrische Kampfflugzeuge hätten am Freitag von dem Stützpunkt aus Angriffe auf Ziele nahe Palmyra geflogen, meldete die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Das US-Verteidigungsministerium untersucht nun ausserdem, ob Russland an der Vorbereitung oder Durchführung des Giftgasangriffs vom Dienstag beteiligt war. Das sagte ein hochrangiger Mitarbeiter des Pentagons am Freitag in Washington.

"Wir haben derzeit keine Kenntnisse über eine russische Beteiligung, aber wir untersuchen das", hiess es. Das Mindeste, was Moskau als Verbündeten Syriens vorzuwerfen sei, sei, dass es den Angriff nicht verhindert habe. Russland verfüge über Fachwissen im Umgang mit Chemiewaffen.

Das Pentagon sei nahezu sicher, dass der Angriff von dem Stützpunkt geflogen worden sei, den die USA beschossen hätten. Es gebe aber noch keine Sicherheit, welche Flugzeuge dazu benutzt wurden.

Syrien bestreitet den Einsatz von Giftgas. Erklärungen aus Damaskus zufolge wurde das Gas freigesetzt, als Giftgaslager der Rebellen getroffen wurden. Auch Russland erklärte, die syrischen Regierungstruppen verfügten seit 2014 nicht mehr über Giftgasvorräte.

Auch die dritte Sondersitzung des UNO-Sicherheitsrats zum Syrien-Konflikt in Folge ging ohne Ergebnis zu Ende. Die Mitglieder des Rates attackierten sich bei dem Treffen am Freitag in New York teils scharf, zu einer Abstimmung über einen von den USA, von Frankreich und Grossbritannien eingebrachten Resolutionsentwurf kam es aber erneut nicht.

Syriens Verbündeten Russland griff US-Botschafterin Haley erneut scharf an. Die russische Regierung trage eine "erhebliche Verantwortung". "Die Welt wartet darauf, dass Russland in Syrien verantwortungsbewusst handelt", sagte sie.

Eigentlich sei um ein Treffen hinter verschlossenen Türen gebeten worden, aber sie habe als Präsidentin des Rates entschieden, das Treffen öffentlich abzuhalten. "Jedes Land, das sich entscheidet, die Gräueltaten des syrischen Regimes zu verteidigen, soll das vor der Öffentlichkeit machen, damit die Welt es hören kann", sagte Haley.

Der US-Luftangriff auf Syrien in der Nacht auf Freitag löste die erste schwere Krise zwischen der neuen US-Regierung unter Donald Trump und Russland aus. Der russische Präsident Wladimir Putin verurteilte das Bombardement am Freitag als Angriff auf die Souveränität Syriens.

Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums feuerten Kriegsschiffe im Mittelmeer 59 Marschflugkörper des Typs Tomahawk auf die Basis bei Homs im Westen Syriens ab.

Russland ist der engste Verbündete Assads. Die US-Regierung vollzieht mit dem Angriff eine Kehrtwende in der Syrien-Politik. Noch vergangene Woche hatte US-Aussenminister Rex Tillerson während eines Besuches in der Türkei gesagt, Assads Schicksal werde vom syrischen Volk bestimmt.

Das wiederum war eine Abkehr von der Linie der Vorgängerregierung unter Barack Obama, die dem Präsidenten in Damaskus die Hauptverantwortung für den Konflikt in dem Bürgerkriegsland zuschob und auf seinen Sturz hinarbeitete.

Der Kreml bestätigte, dass die USA Russland vorab über den Angriff informiert hätten. Auch die NATO und befreundete Staaten waren eingeweiht worden.

Der Westen begrüsste den US-Luftangriff einhellig - von Grossbritannien über Deutschland, Frankreich, Kanada und Israel. Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident François Hollande geben Assad die "alleinige Verantwortung für diese Entwicklung", hiess es in einer gemeinsamen Erklärung.

UNO-Generalsekretär António Guterres rief zur Zurückhaltung auf. Und China forderte alle Seiten auf, nach einer politischen Lösung für den Konflikt zu suchen.

Saudi-Arabien, Erzrivale des Irans in der Region, begrüsste den US-Luftangriff in Syrien als "mutige Entscheidung" Trumps. Die Türkei, die seit langem eine Ablösung Assads fordert, nannte den Angriff eine "positive Antwort auf Kriegsverbrechen".

Nach syrischen Armeeangaben wurden bei dem US-Angriff mindestens sechs Menschen getötet, darunter drei Militärangehörige. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, auch neun Zivilisten seien ums Leben gekommen.

Der Gouverneur der Provinz Homs, Talal Barasi, sagte, der angegriffene Flugplatz in der Nähe des Ortes Al-Schairat sei stark zerstört worden. Aus syrischen Militärkreisen hiess es, zwölf Kampfjets und Helikopter, Treibstofflager sowie zwei Start- und Landebahnen seien getroffen worden. Laut dem russischen Aussenminister Sergej Lawrow gab es keine russischen Opfer.

(SDA)