Van der Bellen gewinnt Wahl laut Endergebnis mit 53,8 Prozent

Österreichs neu gewählter Präsident Alexander Van der Bellen sendet versöhnliche Signale an seine politischen Gegner. Er wolle den Anhängern des FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer die Hand reichen, sagte er am Dienstag in seiner ersten längeren Stellungnahme nach der Wahl.
06.12.2016 16:55

Es gehe darum, etwaige Gräben zwischen den beiden Lagern zu schliessen. "Das Wahlergebnis zeigt, dass sich viele Menschen in Österreich eine andere Gesprächskultur wünschen." Er wolle in seiner Amtszeit für einen konstruktiven Dialog eintreten, sagte der 72-jährige Wirtschaftsprofessor. Im fast einjährigen Wahlkampf war es zu harten und teils stillosen Auseinandersetzungen gekommen.

Der EU-Freund sieht in dem überraschend klaren Wahlausgang ein ermutigendes Zeichen für Europa. Es zeige, dass man mit einer "Politik des Miteinanders, die sich auf gemeinsame europäische Werte beruft", Erfolg haben könne. "Das ist ein rot-weiss-rotes Signal, das ausstrahlt in die Hauptstädte und auch Dörfer Europas."

Laut offiziellem Endergebnis ist der Sieg Van der Bellens noch etwas deutlicher ausgefallen als von den Hochrechnungen vorhergesagt. Der ehemalige Grünen-Chef kam auf 53,8 Prozent der Stimmen, die Prognosen gingen von 53,3 Prozent aus. Die Wahlbeteiligung lag bei 74,2 Prozent und damit entgegen allen Prognosen höher als im Mai.

Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) erklärte, dieses Mal sei alles reibungslos gelaufen. Die Wahl im Mai war wegen Schlamperei bei der Auszählung der Briefwahlstimmen annulliert worden. Die FPÖ wird das Ergebnis nach eigenem Bekunden dieses Mal nicht anfechten.

Exakt wählten am Sonntag 2'472'892 Österreicher Van der Bellen. Für den 45-jährigen Hofer votierten 2'124'661 Bürger. Der Unterschied beträgt damit fast 350'000 Stimmen. Im Mai hatte Van der Bellen die später wegen organisatorischer Auszählungspannen aufgehobene Wahl nur mit knapp 31'000 Stimmen Vorsprung gewonnen.

Amtlichen Charakter bekommt das Ergebnis am 15. Dezember, wenn die Wahlkommission tagt. Danach haben die Parteien eine Woche Zeit, die Wahl anzufechten. Van der Bellen soll am 26. Januar als neues Staatsoberhaupt vereidigt werden. Bis dahin will er sich aus Respekt vor dem Amt noch sehr zurückhaltend zeigen.

Die FPÖ sieht in einer angeblich feindseligen Kampagne österreichischer Medien einen wesentlichen Grund für das Scheitern ihres Kandidaten bei der Bundespräsidentenwahl. Hofer sei in den vergangenen Wochen "unglaublich viel Falsches unterstellt" worden, sagte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache am Dienstag in Wien.

So seien dessen vielfache Aussagen, gegen einen Öxit - also einen Austritt Österreichs aus der EU - zu sein, nicht ernst genommen worden. Es sei der Eindruck geweckt worden, es handle sich bei Hofer um einen "leibhaftigen Dämon", meinte Strache weiter.

Die FPÖ spüre durch das gute Ergebnis bei der Wahl Rückenwind und wolle bei der nächsten Nationalratswahl stärkste Kraft werden. "Es soll bloss keiner glauben, dass wir jetzt depressiv in der Ecke sitzen und unsere Wunden lecken", sagte Strache. Hofer selbst betonte, er habe keinerlei Ambition auf den Vorsitz der Partei.

(SDA)