«Gier» tötet Aktivhandel - ETF werden in Europa beliebter

Die weltgrösste Fondsgesellschaft setzt darauf, dass das von ihr in den USA zum Erfolg geführte Modell des passiven Investierens auch in Europa an Boden gewinnen wird - und positioniert sich dafür.
26.02.2017 09:40
ETF sind passiv verwaltete Indexfonds.
ETF sind passiv verwaltete Indexfonds.
Bild: ZVG

Anstehende Regulierungen, wie etwa MiFID II, werden voraussichtlich die Kosten für die Verwaltung von Vermögen in der Region erhöhen. Davon dürften Investments, die Indizes nachbilden, profitieren - zu Lasten von Produkten, bei denen Manager für das aktive Auswählen von Aktien und Anleihen bezahlt werden.

Vanguard erwartet, dass dies den Anteil passiver Investments am europäischen Markt von 15 Prozent im Laufe der nächsten zehn bis 15 Jahre auf über 30 Prozent hochtreiben wird. Das würde dem Marktanteil in den USA entsprechen, wobei Moody’s Investors Service davon ausgeht, dass Indexfonds dort binnen sieben Jahren die teureren aktiv investierten Produkte überholen werden.

Die aktive Vermögensverwaltung "stirbt an ihrer eigenen Krankheit, an ihrer eigenen Gier", sagt Tim Buckley, Vanguards Chief Investment Officer, im Interview mit Bloomberg in seinem Londoner Büro. "Es geht um hohe Kosten gegenüber niedrigen Kosten - und hohe Kosten sind der Dinosaurier." Vanguard betreut ein Anlagevolumen von insgesamt 4 Bill. Dollar, davon 1 Bill. Dollar in aktiven Anlagen.

Als Antwort auf die Pläne der britischen Regulierer, den Wettbewerb unter den Asset-Managern anzukurbeln, hat Vanguard gefordert, bei allen Fonds einen "Gesundheits-Warnhinweis" zu den Gebühren anzugeben. Die Fondsgesellschaft sagt, die hohen Gebühren seien einer der wichtigsten Gründe, weshalb die meisten aktiv verwalteten Fonds in den letzten 15 Jahren schlechter abgeschnitten haben als ihre gewählte Benchmark.

Vanguard hält Gebühren tief

Passive Investments sind in Europa bereits stark auf dem Vormarsch. Das Anlagevolumen ist in den drei Jahren bis Ende 2016 um rund 80 Prozent auf 1,1 Bill. Euro geklettert, wie der Fondsbeobachter Morningstar angibt. Auch das Europa-Geschäft von Vanguard ist gewachsen: Von einer Person zu Zeiten der Finanzkrise auf ein 300 Mitarbeiter starkes Team, das rund 110 Mrd. Euro verwaltet.

In den letzten 18 Monaten hat sich Vanguard darauf konzentriert, die "Fähigkeiten in Europa zu verbreitern", mit zusätzlichen Fonds und neuen Strukturen, und "das ist nur Teil der natürlichen Entwicklung des Geschäfts hier", sagt Mark Fitzgerald, Senior Product Manager bei der Gesellschaft.

Vanguard ist nach eigenen Angaben billiger als die Konkurrenz. Die durchschnittlichen Gebühren liegen bei 0,18 Prozent im Vergleich zu einem Branchendurchschnitt von rund 1 Prozent.

Das aktive Management "könnte eine rosige Zukunft haben, wenn die Fondsmanager nur niedrigere Margen akzeptieren würden", sagt Buckley. "Sie haben nicht begriffen, dass sie sich in einem Umfeld mit stärkerem Wettbewerb befinden - dass sie nicht länger mit Amateuren konkurrieren, sondern sich in einem Nullsummenspiel mit anderen Profis befinden."

(Bloomberg)