Videochats werden dreidimensional

In manchen Science-Fiction-Filmen "telefoniert" man schon lange per Hologramm. Forschende der ETH Zürich haben einen Prototyp gebaut, der Videochats dieser Vision ein Stück weit näher bringt.
29.06.2016 07:00

Zugegeben, von riesigen Hologrammen, wie sie in Science-Fiction-Filmen wie dem jüngsten Star-Wars-Streifen zu sehen sind, ist die Technologie noch ein Stück entfernt, die das Team um Claudia Plüss und Markus Gross von der ETH Zürich entwickelt haben. Aber ihr Prototyp macht schon einen Schritt in diese Richtung.

Dabei wird mit einer Spezialkamera ein dreidimensionales Bild des Gesprächspartners aufgenommen und auf einen transparenten Bildschirm projiziert. "Wir wollten den Eindruck erzeugen, dass die andere Person im gleichen Raum steht", erklärt Plüss im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda.

"Normalerweise geht viel von der Körpersprache verloren, wenn nur der Kopf des Gegenübers auf einem Bildschirm zu sehen ist." Ausserdem lenke oft der Hintergrund der anderen Person ab, so Plüss.

Bei dem Prototyp, von dem sie und ihre Kollegen je einen in Zürich und in Singapur gebaut und den sie für Videotelefonate zwischen den beiden ETH-Standorten ausprobiert haben, ist das anders: Nur die Person wird abgebildet und fügt sich durch den transparenten Bildschirm in die Umgebung ein.

Herzstück des Systems sind zwei Kinect-Kameras, die 3D-Bilder aufzeichnen. Um bessere Farbinformationen und höhere Auflösung zu erreichen, kombinierten die Forschenden diese Kameras noch mit zusätzlichen Farbkameras. Auf der anderen Seite der Verbindung werden die beiden Bilder - eines fürs linke und eines fürs rechte Auge - in jeweils genau definiertem Winkel auf einen Glasbildschirm projiziert.

Was das persönliche Gesprächsgefühl vielleicht doch noch etwas stören könnte, ist die 3D-Brille, die man dafür tragen muss. Die beiden Bilder werden nämlich mit polarisiertem Licht projiziert und erst durch die 3D-Brille auf die beiden Augen "sortiert".

Den Bildschirm haben die Forschenden zwar selbst gebaut, aber "das Glas wird zum Beispiel auch in Schaufenstern verwendet, auf die etwas projiziert werden soll", erklärte Plüss. Diesen Teil des Systems könnte man also leicht kommerzialisieren.

Zwar könnte es noch dauern, bis sich jeder ein solches 3D-Videosystem in die Stube stellen kann. "Aber es wäre vorstellbar, dass man sich beispielsweise für Fernunterricht oder für Vorträge auf solch ein System stützt", so Plüss.

Die Forschenden haben ihr System Ende Mai in Genf an der "International Conference on Computer Animation and Social Agents" vorgestellt.

(SDA)