Börsen-Ausblick - Anleger fürchten neue Trump-Tiraden

Die Unberechenbarkeit des neuen US-Präsidenten Donald Trumps wird Experten zufolge auch in der neuen Woche für Unruhe an den Börsen sorgen.
05.02.2017 13:43
Donald Trump sorgt an den Börsen für Kopfzerbrechen.
Donald Trump sorgt an den Börsen für Kopfzerbrechen.
Bild: Bloomberg

Auf der einen Seite treibe die Regierung mit ihrem geplanten Konjunkturprogramm Aktien in die Höhe, sagt Joseph Gagnon, Ex-US-Notenbanker und leitender Mitarbeiter der Denkfabrik Peterson Institut for International Economics. Gleichzeitig schüre sie mit ihren verbalen Attacken gegen Handelspartner wie Deutschland die Furcht vor einem Handelskrieg und drücke dadurch die Kurse. "Man kann das paradox nennen, oder widersprüchlich. Und es könnte in einem ziemlichen Durcheinander enden."

Der Swiss Market Index verlor in der vergangenen Woche 0,3 Prozent, der deutsche Dax geriet 1,4 Prozent ins Minus. Der EuroStoxx50 gewann am Freitag zwar 0,6 Prozent, verlor aber in der Gesamtwoche 0,9 Prozent. Der Wall Street gaben starke Jobdaten und die Aussicht auf eine Abschwächung der Bankenregulierung durch Trump Auftrieb: Der Dow Jones kletterte am Freitag um 0,9 Prozent und übertraf die Marke von 20.000 um 71 Punkte. In der Gesamtwoche verlor er 0,1 Prozent. Für den japanischen Nikkei gabs ein Wochenminus von 2,8 Prozent.

Die anstehenden Geschäftszahlen der Unternehmen sollten die Aktienmärkte stützen, betont Commerzbank-Analyst Markus Wallner. "Trotz einzelner Ausnahmen haben die im Rahmen der Berichtssaison veröffentlichten Ergebnisse für das vierte Quartal 2016 und die Ausblicke für 2017 bis jetzt insgesamt überzeugt."

In der nächsten Woche wollen am Dienstag der Unterhaltungskonzern Walt Disney und am Donnerstag in Frankreich der Kosmetik-Anbieter L'Oreal sowie der Limonaden-Hersteller Coca-Cola Geschäftszahlen vorlegen. In der Schweiz kommen am Mittwoch ABB, Swisscom und Syngenta mit den Jahreszahlen, tags darauf ist Zurich dran.

Dollar hat schwächsten Start ins Jahr seit drei Jahrzehnten

Auf der Konjunkturseite richten Anleger ihre Aufmerksamkeit unter anderem auf die britische Industrieproduktion am Freitag. Die Konjunktur des Vereinigten Königreichs habe sich trotz des geplanten Brexit bislang gut gehalten, sagt Carlo Alberto De Casa, Chef-Analyst des Brokerhauses ActivTrades. "Man darf aber nicht vergessen: Noch ist nichts passiert." Mit der Zustimmung des Parlaments kam Premierministerin Theresa May auf dem Weg zu dem für März geplanten Austrittsantrag einen Schritt weiter.

In den USA gibt am Freitag der Michigan-Index Auskunft über die Kauflaune der US-Verbraucher. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft. Fest im Blick hat die Wirtschaftswelt auch den Dollar, der nach Trumps Wahl Anfang November zunächst rasant gestiegen war. Inzwischen hat der Greenback aber den Rückwärtsgang eingelegt.

Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen wie Euro oder Yen widerspiegelt, beendete den Januar mit einem Minus von 2,6 Prozent - der schwächste Start ins Jahr seit drei Jahrzehnten. Doch dies könnte international aufgestellten US-Konzernen zugutekommen, weil sie so mehr Gewinn aus ihren Auslandsgeschäften schlagen können.

(Reuters)