Brexit und Trump haben die Börsen weiter im Griff

In der neuen Woche wird das Wohl und Wehe der Börsen abermals in Grossbritannien und den USA bestimmt. Zudem nimmt die Berichtssaison zusehends Fahrt auf.
21.01.2017 12:47
Genau hinschauen gilt es bei der Präsentation von Unternehmenszahlen.
Genau hinschauen gilt es bei der Präsentation von Unternehmenszahlen.
Bild: freeimages.com

In London entscheidet der Supreme Court wegen des Brexits, in Washington beginnt die erste Arbeitswoche des neuen US-Präsidenten Donald Trump. Gerade auch Börsianer an den New Yorker Märkten treibt um, welche konkreten Weichenstellungen der Immobilien-Mogul nach seinen Ankündigungen im Wahlkampf vornimmt. In seiner kämpferischen Antrittsrede bekräftigte Trump am Freitag die Devise "Amerika zuerst" und pochte auf Erhalt und Ausbau von Produktion und Arbeitsplätzen in den USA. Die Wall Street reagierte verhalten, unmittelbar nach der Rede gaben die Indizes einen Teil ihrer moderaten Gewinne ab.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging schliesslich 0,5 Prozent höher bei 19.827 Punkten aus dem Handel, S&P-500 und Nasdaq gewannen jeweils 0,3 Prozent. Dax und EuroStoxx50 hatten zuvor ebenfalls je 0,3 Prozent im Plus bei 11.630,13 und 3299,44 Punkten geschlossen.

Der Swiss Market Index (SMI) landete letztlich bei einem knappen Plus von 0,02% bei 8'275,13 Punkten. Im Wochenvergleich ergab sich ein Minus von 2,1% Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, verlor 0,07% auf 1'318,59 Punkte und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,01% auf 9'045,41 Punkte. Von den 30 wichtigsten Titeln hielten schlossen 18 im roten und 12 im schwarzen Bereich.

Der Dax habe in der neuen Woche Potenzial für Kursgewinne, da sich in die politischen Unsicherheiten voraussichtlich positive Wirtschaftsdaten mischen, ist sich Postbank-Anlagestratege Heinz-Gerd Sonnenschein sicher.

Donald Trump bleibt eine Wundertüte

"Die Einlassungen eines Donald Trumps gleichen dem Griff in eine Wundertüte - man weiss im Vorfeld nie, was man bekommt", sagt Marktanalyst Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets. Fakt ist aber, dass die Aktienmärkte von der Wahl des Milliardärs zum neuen Präsidenten profitiert haben: Der Dax legte seit Anfang November elf Prozent zu, der Dow knapp neun Prozent.

Trump versprach Firmen Steuererleichterungen, Deregulierung und mehr Geld für Infrastrukturprojekte. Auf der anderen Seite will er den Handel mit anderen Ländern aber beschränken, und regelmässig sorgt er mit Kurznachrichten über Twitter weltweit für Verwirrung .

Die Euphorie an den Börsen ist daher verpufft. "Es besteht das Risiko, dass die Neigung Trumps zu Ad-Hoc-Eingriffen in das Wirtschaftsleben die bisher eher positive Stimmung in der Wirtschaft und an den Finanzmärkte kippen lassen könnte", gibt Volkswirt Bernd Weidensteiner von der Commerzbank zu bedenken. Die magischen 20.000 Punkte beim Dow-Jones-Index und die 12.000 Punkte beim Dax sind nach Meinung von Helaba-Aktienmarktexpertin Claudia Windt daher erst einmal nicht erreichbar.

In Sachen Brexit wird es am Dienstag spannend. Dann urteilt Grossbritanniens Oberstes Gericht, ob für das Austrittsgesuch der Regierung aus der Europäischen Union (EU) die Zustimmung des Parlaments erforderlich ist. "Falls ihr der Supreme Court Steine in den Weg legt, würde dies den Antrag maximal etwas verzögern", sind sich die Helaba-Experten sicher. Ein Ausstieg vom EU-Ausstieg sei aber nicht zu erwarten. Unklar ist noch, welche Kompromisse Premierministerin Theresa May mit der EU aushandeln will.

Unternehmenszahlen im Fokus

Auf Konjunkturseite steht die neue Woche im Zeichen der Stimmungsindikatoren. Den Auftakt macht am Montag das Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone. Am Tag darauf folgen die deutschen und europäischen Einkaufsmanager-Indizes. Zur Wochenmitte steht der Ifo-Index auf dem Terminplan, der die Stimmung in den deutschen Chef-Etagen widerspiegelt. Den Abschluss bildet der GfK-Konsumklimaindex am Donnerstag. Darüber hinaus werden erste Zahlen zum Wirtschaftswachstum Grossbritanniens (Donnerstag) und der USA im vierten Quartal veröffentlicht, gefolgt vom Auftragseingang für langlebige US-Güter (beide am Freitag).

In der Schweiz nimmt die Berichtssaison richtig Fahrt auf. Am Montag präsentiert präsentiert der SMI-Konzern SGS seine Jahreszahlen für 2016, am Mittwoch folgt der Pharmakonzern Novartis und am Freitag die Grossbank UBS. Danben legen auch folgende börsenkotierte Unternehmen Zahlen vor: Interroll (Montag), Huber+Suhner, Tornos, Zuger KB (Dienstag), Lonza, Barry Callebaut, Titlisbahnen, Logitech (Mittwoch), Berner KB, Nidwaldner KB, Santhera, Schwyzer KB, Starrag (Donnerstag), KTM Industries, SFS und Gurit (Freitag).

Als erster Dax-Konzern lässt sich am Dienstag der Walldorfer Softwareriese SAP in die Bücher schauen. Zudem legen der US-Mobilfunker Verizon (Dienstag), der Airbus -Rivale Boeing (Mittwoch) und Potash (Donnerstag) Quartalszahlen vor. Der kanadische Düngemittel-Anbieter hatte sich 2015 vergeblich um eine Übernahme des deutschen Konkurrenten K+S bemüht.

(cash/Reuters/AWP)