Börsen-VorschauPolitische Sorgen drücken weiter auf die Stimmung

Brexit, Frexit, Trump - es gibt viele Schreckgespenster, die Börsianer derzeit umtreiben. Auch in der kommenden Woche dürften vor allem politische Themen die Anleger auf Trab halten.
11.02.2017 13:50
Die Börse im Blick: Kommende Woche wird es Anlegern bestimmt nicht langweilig.
Die Börse im Blick: Kommende Woche wird es Anlegern bestimmt nicht langweilig.
Bild: pixabay.com

Insbesondere der Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich und die Unsicherheit über die Politik von US-Präsident Donald Trump dürften Anleger in Atem halten. Die bislang weitgehend positiv verlaufene Berichtssaison könnte in den Hintergrund rücken. "Vor allem Trump ist ein nicht kalkulierbares Risiko. Man weiss nicht, wann er wieder einen Tweet losschickt und die Kurse bewegt", sagte Marktstratege Heinz-Gerd Sonnenschein von der Postbank.

Der Dax dürfte sein Auf und Ab daher zunächst fortsetzen. In der abgelaufenen Woche schwankte er bereits kräftig hin und her, auf Wochensicht kam er aber kaum voran und schloss am Freitag mit knapp 11.667 Punkten.

Der Swiss Market Index (SMI) schloss am Freitag 0,22% im Plus auf 8'456,22 Punkten. Auf Wochensicht hat der SMI damit rund 1,3% zugelegt. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, gewann 0,36% auf 1'342,69 Punkte und der breite Swiss Performance Index (SPI) legte 0,27% auf 9'256,15 Punkte zu. Von den 30 wichtigsten Titeln schlossen 21 im Plus und neun im Minus.

Seit seinem Einzug ins Weisse Haus im Januar sorgt Trump immer wieder mit Kurznachrichten über Twitter für Furore. Am Donnerstag setzte der Dow-Jones-Standardwerteindex zu einer neuen Rekordjagd an, nachdem der 70-Jährige etwas "Phänomenales in Sachen Steuern" angekündigt hatte. Seit Wochen warten Börsianer begierig auf Details zu Trumps Plänen zu Steuererleichterungen für US-Unternehmen, Deregulierung und Infrastrukturprogrammen. Sie hoffen, dass die Wirtschaftspolitik des Immobilienunternehmers die Konjunktur ankurbelt.

Marktanalyst Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets warnte aber vor zu viel Optimismus: "Am Ende werden wir von einem grossen Vakuum sprechen, wenn der neue Präsident die Versprechen, die er gibt, nicht hält."

Marine Le Pen will Frankreich aus dem Euro herausnehmen

In der neuen Woche dürften Anleger auch die Entwicklungen im französischen Wahlkampf mit Spannung verfolgen. Der konservative Kandidat Francois Fillon, der lange als Favorit für den Einzug in den Elysee-Palast gehandelt wurde, gerät wegen des Vorwurfs einer Scheinbeschäftigung seiner Frau immer mehr unter Druck. Die Mehrheit der Franzosen will Umfragen zufolge, dass er das Rennen um die Präsidentschaft aufgibt.

Börsianer sorgen sich, dass die Politikerin Marine Le Pen mit ihrer rechtsextremen Partei Front National die Oberhand gewinnt. Sie will Frankreich aus der Euro-Zone nehmen und - wie die Briten - das Volk über einen EU-Austritt abstimmen lassen. "Bei einem Frexit wäre die Währungsunion kaum noch zu retten", sagte Commerzbank-Ökonom Christoph Weil. Analysten der Citigroup rechnen damit, dass ein Sieg Le Pens die Anleihemärkte durcheinanderbringen und das Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone massiv beeinträchtigen würde.

Schweizer Zahlenreigen geht weiter

In der Schweiz stehen weitere Unternehmenszahlen zahlreicher Firmen an: Actelion, Credit Suisse, Temenos (am Dienstag), Schindler, Banque Cantonale Neuchâteloise, Temenos, Valiant (Mittwoch), Clariant, Nestlé, AEW Energie, BCV, Freiburger KB, Kudelski, Lem, Phoenix Mecano, SGKB, Straumann (Donnerstag) und AEK Bank (Freitag). 

Auf Unternehmensseite wartet die Deutsche Börse mit Quartalszahlen auf - Firmenchef Carsten Kengeter wird am Donnerstag erstmals seit Bekanntwerden der Ermittlungen gegen ihn wegen Insiderhandels-Vorwürfen öffentlich auftreten. Zudem wollen Anleger wissen, wie es mit der geplanten Fusion mit der London Stock Exchange weitergeht. Diese zieht sich länger hin als geplant.

Mit Spannung verfolgten Anleger auch, wie es im Streit zwischen VW und Ex-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech weitergeht. Zudem legen der Nestlé-Rivale Danone (Mittwoch) und die Allianz (Freitag) ihre Bilanzen offen.

Auch zahlreiche Konjunkturdaten werden die Märkte beschäftigen. Am Dienstag zeigt sich, wie stark die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal zugelegt hat. Der Index des Mannheimer ZEW gibt ebenfalls am Dienstag Aufschluss über die Konjunkturerwartungen von Börsenexperten.

Über die Verfassung der US-Wirtschaft können sich Investoren mit den Daten zu Verbraucherpreisen, Einzelhandelsumätzen und Industrieproduktion (alle Mittwoch) ein Bild machen.

(cash/Reuters/AWP)