Trump könnte Märkte wieder durchrütteln

Anleger müssen sich in der kommenden Woche warm anziehen. Aktienstrategen rechnen mit schwankenden Kursen, da der künftige US-Präsident Donald Trump, der am Freitag vereidigt wird, ein Unsicherheitsfaktor bleibt.
14.01.2017 11:59
Die Aktienmärkte stellen sich auf eine Achterbahn ein.
Die Aktienmärkte stellen sich auf eine Achterbahn ein.
Bild: Pixabay

"Wir müssen uns daran gewöhnen, dass Trump im Umgang mit den Medien aktiver als Barack Obama ist, was zu volatilen Kurse führen kann", urteilt Tobias Basse, Anlagestratege bei der NordLB. Chefstratege Robert Greil von Merck Finck sieht Trump in der neuen Woche ebenfalls im Mittelpunkt des Börsengeschehens: "Spannend wird, was Donald Trump am 20. Januar konkret ankündigt - die Finanzmärkte werden umgehend darauf reagieren."

Analyst Jochen Stanzl vom Onlinebroker CMC Markets rechnet damit, dass die Börsen wegen Trump bis Freitag keine klare Richtung einschlagen werden. Schon vor seiner Amtseinführung hat Trump die Märkte ordentlich durchgerüttelt. Nach seiner Wahl im November setzten die Anleger auf einen Wirtschaftsboom in den USA: Die Märkte stiegen.

Nach seiner ersten Pressekonferenz in der zu Ende gehenden Woche dann die Ernüchterung: Die Investoren vermissten Details zu seinem Wirtschaftsprogramm. Aussagen Trumps zu einzelnen Branchen sorgten ebenfalls für Aufregung, etwa in der Pharmabranche, die Angst vor Ertragseinbussen hat oder bei den Autokonzernen.

Gute Geschäftszahlen der US-Banken

Ermutigende Geschäftszahlen der grossen US-Banken bereiteten den europäischen Börsen dennoch einen versöhnlichen Wochenausklang. Der SMI legte in Wochenfrist um 0,4 Prozent zu, auch wenn die Trump-Äusserungen die schwergewichtigen Pharmatitel belasteten. Anderswo gingen die Börsen stärker hoch: Der EuroStoxx50 gewann am Freitag 1,1 Prozent auf 3324 Punkte.

An der Wall Street gab der Dow Jones leicht nach. Der US-Leitindex hadert schon seit Wochen mit der Marke von 20'000 Punkten, übersprungen hat er sie noch nicht. "Der Spielraum für positive Überraschungen ist nicht mehr so gross. Bei Gelegenheit nehmen Anleger vielleicht auch mal Gewinne mit", prognostiziert Aktienexperte Basse.

Keine Überraschung von EZB zu erwarten

In der Schweiz stellen nächste Woche einige Unternehmen ihre Umsatzzahlen vor. Am Dienstag sind dies Geberit, Lindt & Sprüngli, Autoneum und Komax. Am Donnerstag sind dies Galenica und die beiden Ostschweizer Industrie-Fusionspartner Arbonia und Looser. Ausserdem findet vom Dienstag bis Freitag offiziell das World Economic Forum (WEF) in Davos statt, von dem cash.ch live berichten wird.

Am Donnerstag gibt die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Zinsentscheidung bekannt. Der EZB-Rat dürfte abwarten und klarstellen, dass er "keinen Einstieg in den Ausstieg" plane, sagt Volkswirt Michael Schubert von der Commerzbank. Im Dezember hatte die EZB bei ihrer Ratssitzung beschlossen, die bislang auf 1,74 Billionen Euro angelegten Anleihenkäufe zur Stützung der Konjunktur um neun Monate bis mindestens Ende Dezember 2017 zu verlängern - allerdings bei einem niedrigeren monatlichen Umfang. Zuletzt waren in Deutschland wieder vermehrt Stimmen laut geworden, die eine Abkehr von der Nullzinspolitik der EZB forderten.

Konjunkturdaten sind in der neuen Woche dünn gesät. In den USA dürfte vor allem der Philadelphia Fed Index (Donnerstag) die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

(Reuters)