WEF ruft nach Paradigmenwechsel beim Wirtschaftswachstum

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) regt ein neues Modell für Wirtschaftswachstum an, um den Herausforderungen durch technologischen Wandel und Globalisierung zu begegnen. Wachstum und Reduktion der Ungleichheit müssten Hand in Hand gehen.
16.01.2017 01:57

Dafür sei eine alternative Messmethode für nationale Wirtschaftsleistungen nötig, heisst es im Bericht "The Inclusive Growth and Development Report 2017", den das WEF am Montag veröffentlichte. Anstelle des Bruttoinlandprodukt soll der Inclusive Development Index (IDI) zu stehen kommen.

Die politischen Entscheidungsträger sollten, wenn sie die nationale Wirtschaftsleistung beurteilten, nachhaltigen, breit abgestützten Fortschritt beim Lebensstandard, ein Konzept, das Einkommen und wirtschaftliche Möglichkeiten vereine, Sicherheit sowie Lebensqualität berücksichtigen.

Das BIP als Mass der Wirtschaftsleistung einer Volkswirtschaft errechnet sich anhand der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen, soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden.

Der IDI dagegen stuft Länder anhand von drei Grundkriterien ein. Bei Wachstum und Entwicklung fliessen neben dem BIP-Wachstum auch Erwerbstätigkeit und Produktivität sowie gesunde Lebenserwartung mit ein. Beim zweiten Kriterium, der Inklusion, werden das mittlere Haushaltseinkommen, Armut sowie zwei Ungleichheitsgrössen mit einbezogen.

Bei generationenübergreifender Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit schliesslich werden Kohleverbrauch, öffentliche Schulden und der Grad demographischer Abhängigkeit berücksichtigt.

Bei 51 Prozent der 103 Länder, die nach diesem Muster beurteilt wurden, habe sich der Index in den letzten fünf Jahren verschlechtert. 42 Prozent der Staaten seien beim IDI zurückgefallen, obwohl sie ein BIP-Wachstum erzielt hätten. Laut dem WEF-Bericht verringerte sich seit 2008 das Medianeinkommen in 26 Industriestaaten um 2,4 Prozent oder 284 Dollar pro Kopf.

Das IDI-Ranking sieht Norwegen an der Spitze vor Luxemburg und der Schweiz. Auf Platz Vier folgt Island vor Dänemark, Schweden, den Niederlanden, Australien, Neuseeland und Österreich. Von den G7-Staaten schneidet Deutschland auf dem 13. Rang am besten ab, vor Kanada (15), Frankreich (18), Grossbritannien (21), den USA (23), Japan (24) und Italien (27.)

Die Autoren weisen darauf hin, dass einige Länder bedeutend besser dastehen im IDI-Ranking als beim BIP pro Kopf. Darunter sind etwa Kambodscha, Tschechien, Neuseeland, Südkorea oder Vietnam. Auf der anderen Seite stehen Brasilien, Irland, Japan, Mexiko, Nigeria, Südafrika oder die USA, bei denen ein signifikanter tieferer IDI-Wert auszumachen ist im Vergleich zum BIP.

Um Wirtschaftswachstum und soziale Einbindung (Inklusion) im Gleichschritt zu halten, skizziert der Bericht 15 Bereiche struktureller Strategien und institutionelle Stärke als grundlegend für das System der Einkommensverteilung moderner Marktwirtschaft. Aufgeführt werden etwa die Bereich Aus- und Weiterbildung, Grundversorgung und Infrastruktur, Korruption und Mieten, Finanzintermediation, Vermögensbildung und Unternehmertum, Angestellten-Entschädigung oder Steuern.

Aufgrund der vorgelegten Werkzeuge und Messinstrumente fordert das WEF eine koordinierte internationale Initiative, "um der Perspektive der Stagnation und der Aufsplittung" Einhalt zu gebieten.

(SDA)