Wegen Bahnkrise mit Deutschland brummen im Rhein die Schiffsmotoren

Die Rheinschifffahrt kann von der Krise im Bahnverkehr mit Deutschland profitieren. "Wir sind am Anschlag", sagte Simon Oberbeck, Sprecher der Schweizerischen Rheinhäfen in Basel. In den Containerhäfen Basels werde derzeit rund um die Uhr gearbeitet.
06.09.2017 18:30

Bei einzelnen Unternehmen habe sich der Güterumschlag seit dem 12. August verdoppelt, sagte Oberbeck am Mitttwoch. An jenem Tag war es bei Rastatt auf der Bahnstrecke Karlsruhe-Basel während einer Tunnelbohrung zu einer Gleisabsenkung gekommen. Die Strecke bleibt voraussichtlich bis 7. Oktober gesperrt.

Seitdem heisst es auf der Hauptroute der Bahn für Güter von den Seehäfen Rotterdam und Antwerpen, aus den Beneluxländern, Deutschland in die Schweiz und Italien: Nichts geht mehr.

Oberbeck gönnt der Deutschen Bahn dieses Unglück nicht. Schadenfreude sei fehl am Platz, sagte er. Für die Rheinschifffahrt liege in dieser Sondersituation aber eine Chance: "Wir können wieder einmal aufmerksam machen auf unser ökologisches und zuverlässiges Verkehrsmittel für den Güterverkehr neben Schiene und Strasse."

Die Schifffahrtsunternehmen werden derzeit überrannt. Die Bahn kann derzeit nur rund ein Viertel der sonst üblichen Transportvolumen übernehmen, wie SBB-Sprecher Christian Ginsig am Mittwoch auf Anfrage sagte.

Bei den Basler Rheinhäfen kommt der Boom durch Rastatt gerade recht, denn der Containerverkehr litt im ersten Halbjahr 2017 unter den niedrigen Wasserständen des Rheins. Die Schiffe konnten in den ersten Monaten weniger schwer beladen werden. Entsprechend weniger Container kamen in Basel an. Erst im Mai zeichnete sich eine Erholung ab, aber insgesamt wurden im Vergleich zum Vorjahr elf Prozent weniger Container in Basel umgeladen.

Wegen der "Bahnsperre" sei es im zweiten Halbjahr "nicht ausgeschlossen, dass der Containerverkehr zumindest nahe an den Total-Rekordwert aus dem Vorjahr herankommen wird", heisst es in der Halbjahres-Mitteilung der Schweizerischen Rheinhäfen. 2017 hatten diese in Basel-Stadt und Basel-Land 131'705 Container-Einheiten (TEU) abgewickelt.

Markant gestiegen seien auch die Mineralölimporte. Beim Kerosin sichere die Rheinschifffahrt zurzeit die Landesversorgung. Ohne die Schiffe in Basel würde auf dem Flughafen Zürich das Kerosin ausgehen.

Die Zahlen für die Rheinschifffahrt für August lägen noch nicht vor, sagte Hafensprecher Oberbeck. Für September gehen die Hafenbetreiber davon aus, dass sie "erstmals feststellen werden, wie die Kapazitätsgrenze in einer ausserordentlichen Situation tatsächlich aussieht".

Die SBB konnte eine leichte Entspannung vermelden. Seit Dienstagabend verkehren die Züge Zürich-Stuttgart wieder durchgehend - ohne Busersatz, da eine Baustelle fertiggestellt wurde.

Der Streckenabschnitt Horb–Böblingen auf der Strecke Zürich–Schaffhausen–Singen–Stuttgart könne wieder befahren werden, teilte die SBB auf ihrem Blog mit. Sie bestätigte damit eine Meldung der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ). Die Arbeiten seien rechtzeitig abgeschlossen worden.

Die SBB hoffen, dass das Ende der Bauarbeiten auch mehr Kapazitäten beim Güterverkehr frei macht, wir SBB-Sprecher Ginsig sagte. Bereits seit dem 21. August leiten die Bahnen Güterzüge über diese Strecke um. Der Bahnhof Schaffhausen ist seitdem rund und um die Uhr besetzt.

Über den Grenzpunkt Schaffhausen könnten laut Ginsig täglich rund 60 Güterzüge von und nach der Schweiz fahren. Tatsächlich seien es bislang 40. Grund seien technische und logistische Hindernisse bei den verschiedenen Bahnunternehmen wie etwa fehlende Lokführer. Auf anderen Ausweichstrecken in Frankreich und Österreich fahren täglich weitere rund 20 zusätzlich Güterzüge.

Auf der Rheintalstrecke waren vor dem Unterbruch täglich 200 Züge verschiedener Bahnunternehmen unterwegs. SBB-CEO Andreas Meyer hat als Ziel vorgeben, bis Mitte September wenigstens wieder 100 Güterzüge auf die Schiene bringen. Ein Unterfangen, dass in hohem Masse von der Deutschen Bahn abhängt.

(SDA)