Zentralbank warnt - Norwegens Staatsfonds könnte um die Hälfte einbrechen

Norwegens Notenbankgouverneur Oystein Olsen verschärft seine Warnungen vor steigenden Ausgaben der Öl-Einnahmen des Landes.
18.02.2017 13:00
Eine Ölplattform in der Nordsee 140 vor der norwegischen Stadt Bergen.
Eine Ölplattform in der Nordsee 140 vor der norwegischen Stadt Bergen.
Bild: Bloomberg

Er zeichnet ein Szenario, bei dem der weltgrösste Staatsfonds in den kommenden zehn Jahren 50 Prozent seines Kapitals verlieren könnte. Die weiter zunehmenden Ausgaben der Öl-Barmittel des Landes, die nun hinter rund 20 Prozent des Haushaltes und etwa 8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts stehen, müssen seiner Meinung nach sofort gestoppt werden, um den 900 Mrd. Dollar schweren Fonds zu schützen.

"Mit einem hohen Ausgabenniveau der Öleinnahmen besteht das Risiko einer starken Reduzierung des Fonds-Kapitals", sagte Olsen in dieser Woche bei einer Rede. "Das könnte beispielsweise passieren, falls eine globale Rezession sowohl einen Rückgang bei den Öl-Einnahmen als auch niedrige oder negative Erträge beim Fonds-Kapital mit sich bringt."

Die von der Regierung aus dem Fonds getätigten Abflüsse werden dieses Jahr um geschätzte 25 Prozent ansteigen, nachdem es 2016 zum ersten Abzug überhaupt gekommen war. Die konservative Regierung sah sich gezwungen, den Fonds anzuzapfen, um Haushaltslöcher zu stopfen und die heimische Wirtschaft angesichts sinkender Ölpreise zu schützen.

Einblick in schlimme Szenarien

Bisher hatte der Fonds, der von der Zentralbank überwacht wird, zwar stets erklärt, er sei mehr als in der Lage dazu, die Abflüsse ohne den Verkauf von Anlagen zu verkraften. Doch die Äusserungen von Olsen aus dieser Woche gewähren einen Einblick in einige der schlimmsten Szenarien, die vom Investor durchgerechnet werden.

So sieht er beispielsweise eine Wahrscheinlich von 1 Prozent dafür, dass sich das Kapital über einen Zeitraum von 10 Jahren halbiert, falls die Ausgaben mit dem derzeitigen Tempo von rund 3 Prozent des Fonds weitergehen. Falls sich die Ausgaben auf 4 Prozent erhöhen, steigt die Wahrscheinlichkeit auf rund 5 Prozent.

Sollte die Allokation des Fonds mit Blick auf Aktien von 60 Prozent auf 75 Prozent anwachsen, was derzeit im Land diskutiert wird, nehmen die Wahrscheinlichkeiten sogar noch weiter zu – auf dann rund 2 Prozent beziehungsweise 6 Prozent. "Das zeigt, was womöglich auf dem Spiel steht, wenn man die Öl-Ausgaben vom derzeitigen Niveau aus erhöht", sagte Olsen in einem separaten Interview. "Das hilft uns, der Botschaft Ausdruck zu verleihen."

Parlament muss zustimmen

Die Warnungen stammen aus einer Rede und einem Interview, die ursprünglich mit Sperrfrist versehen waren und die nach einer Ankündigung der Regierung am Donnerstag angepasst wurden. Demnach will sie die entsprechende 16 Jahre alte Haushalts-Regel für Ausgaben der Öleinnahmen von 4 Prozent auf 3 Prozent des Fonds-Wertes verschärfen. Allerdings braucht die Minderheitsregierung dafür die Rückendeckung des Parlaments.

Die Regierung schlug zudem vor, den Aktien-Anteil des Fonds von 60 Prozent auf 70 Prozent heraufzusetzen, um höhere Erträge zu erzielen. Zwar seien die ins Spiel gebrachten Veränderungen vernünftig, doch es sei wichtiger, auf die Ausgaben als Prozentsatz des Bruttoinlandsprodukts zu schauen, sagte Olsen. "Sie müssen neue Haushalts-Richtlinien auf die lange Sicht entwickeln", meint er. "Aber ich warne davor, einem Pfad zu verfolgen, der einen automatisch auf ein höheres Niveau führt."

(Bloomberg)