Weltkriegsbomben entschärft - Anwohner können zurück in Häuser

Bei einer der grössten Evakuierungen in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg sind in Hannover drei Fliegerbomben entschärft worden. Rund 50'000 Menschen konnten am Sonntagabend in ihre Häuser zurückkehren. Die Entschärfung eines der Blindgänger war aber kompliziert.
07.05.2017 18:51

"Zwei der Bomben konnten wir problemlos entschärfen, die dritte macht gerade etwas Probleme", sagte ein Sprecher der Feuerwehr noch am Nachmittag. Der letzte Blindgänger liess sich nicht manuell entschärfen. Gegen 17.45 Uhr konnten die Experten die Bombe dann mithilfe eines Wasserschneidgeräts unschädlich machen. Die Zünder der drei Blindgänger wurden kontrolliert gesprengt.

Wasserstrahlschneider kommen zum Einsatz, wenn der Zünder des Blindgängers beschädigt ist und nicht mehr herausgedreht werden kann: Ein harter Strahl aus Wasser und Quarzsand schneidet den Zünder frei, ohne den Sprengkörper übermässig zu erhitzen oder zu erschüttern. Lässt sich die Bombe mit dem Wasserstrahlschneider nicht entschärfen, bleibt oft nur noch die kontrollierte Sprengung.

Insgesamt wurden auf dem Baugelände in Hannover drei Fliegerbomben gefunden, davon zwei britische Fünf-Zentner-Bomben und eine 10-Zentner-Bombe. Zunächst war man von fünf Sprengsätzen ausgegangen. Bei der Untersuchung entpuppten sich zwei der fünf vermuteten Blindgänger als Metallschrott.

Wegen der Teilentwarnung konnte am Nachmittag der Hauptbahnhof in Hannover doch vom Regional- und Fernverkehr genutzt werden. Nach Angaben der Bahn und der Stadt Hannover wurde die Bahnstrecke freigegeben, so dass der Hauptbahnhof wieder normal angefahren werden konnte. Ursprünglich hatten die Züge den Bahnhof umfahren sollen.

Für die Kampfmittelexperten war der Einsatz nicht alltäglich: "Wenn ich mehrere Blindgänger nacheinander entschärfen muss, ist das schon eine grosse körperliche und psychische Belastung", sagte Thomas Bleicher, Chef der Kampfmittelbeseitigung Niedersachsen.

Statt sich in den Notunterkünften aufzuhalten machten viele Hannoveraner während der Evakuierung lieber Ausflüge. Zahlreiche Betroffene nutzten das von der Stadt angebotene Freizeitprogramm und besuchten Museen, Kinos oder den Zoo zu günstigen Konditionen oder komplett umsonst.

In der Evakuierungszone in den Stadtteilen Vahrenwald, List und Nordstadt befinden sich auch sieben Alters- und Pflegeheime sowie eine Klinik. Die von der Räumung betroffenen Haushalte wurden bereits Mitte April mit mehrsprachigen Broschüren informiert. Die Stadtverwaltung hielt die Anwohner am Sonntag via Twitter und Facebook sowie auf ihrer Homepage auf dem Laufenden.

Insgesamt waren über 2400 Polizisten, Feuerwehrleute und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen im Einsatz. Stadt und Feuerwehr lobten die Disziplin der von der Evakuierung betroffenen Bürger.

Eine grössere Evakuierungsaktion als die in Hannover gab es in der Nachkriegszeit bisher nur in Augsburg: Im Dezember 2016 waren dort rund 54'000 Menschen von einer Bombenentschärfung betroffen.

(SDA)