Weniger als eine Million Lastwagen haben Alpen gequert

Zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren ist die Zahl der Lastwagenfahrten durch die Schweizer Alpen auf unter eine Million gesunken. Dennoch ist damit das Verlagerungsziel der Alpeninitiative von 650'000 Lastwagen längst nicht erreicht.
23.03.2017 13:39

Seit dem Ja zur Alpeninitiative ist in der Bundesverfassung verankert, dass der alpenquerende Gütertransitverkehr von Grenze zu Grenze auf der Schiene erfolgen muss. Gemäss Gesetz dürfen ab 2018 höchstens noch 650'000 Lastwagen pro Jahr die Alpen queren.

2016 sank die Menge der Güter, die mit dem Lastwagen durch die Alpen gekarrt wurde, um 2,5 Prozent auf 11,7 Millionen Tonnen. Die Anzahl Lastwagenfahrten sank um 3,4 Prozent oder rund 35'000 auf 975'000. Diese Anzahl wurde letztmals Mitte der 1990er-Jahre verzeichnet, wie das Bundesamt für Verkehr (BAV) am Donnerstag mitteilte. Wichtigster Alpenübergang war der Gotthard mit einem Anteil von 72 Prozent.

Die Alpen-Inititiative nennt in einer Mitteilung die Unterschreitung der Millionen-Grenze einen "historischen Moment". Sie zeige, dass die Verlagerung der alpenquerenden Güter auf die Schiene mit Erfolg funktioniere. Mit dem Gotthard-Basistunnel seien die Voraussetzungen geschaffen worden, noch mehr Güter auf die Bahn zu bringen.

Nach Angaben des BAV wurden 2016 insgesamt 40,4 Millionen Tonnen Güter durch die Alpen transportiert - so viel wie nie zuvor. Die Zunahme wurde von der Bahn bewältigt. Auf der Schiene wurden 28,6 Millionen Tonnen Güter transportiert, 6,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Anteil der Güter, der per Bahn transportiert wurde, betrug 71 Prozent.

Als Gründe für das Wachstum nennt das BAV die gute Wirtschaftslage in den Nachbarländern und in Europa generell, aber auch die hohe Verfügbarkeit der Eisenbahninfrastruktur. Weiter würde mit flankierenden Massnahmen die Verlagerung gefördert.

Vom Güterverkehr profitierte vor allem die Lötschberg-Simplon-Achse, wie das BAV weiter mitteilte. Die Gotthardachse spielte eine etwas weniger wichtige Rolle, weil der 4-Meter-Korridor noch nicht fertig ausgebaut ist. Am meisten wurden Container und Sattelauflieger verladen; dieser unbegleitete kombinierte Verkehr legte um gut 5 Prozent zu. Er macht im alpenquerenden Schienengüterverkehr 63 Prozent aus.

Um die Verlagerung weiter zu fördern, hat der Bundesrat per Anfang 2017 die Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA) angepasst und den Eisenbahnen einen zeitlich befristeten Nachlass beim Trassenpreis für die Nutzung der Transitstrecken gewährt.

Für dieses Jahr sieht das BAV zudem grosse Herausforderungen für den alpenquerenden Schienengüterverkehr: So wird die Luino-Strecke auf der Gotthard-Achse für die Bauarbeiten am 4-Meter-Korridor sechs Monate lang gesperrt. Dem Schienengüterverkehr stehen damit weniger Trassen zur Verfügung. Hinzu kommt, dass einige der für den alpenquerenden Verkehr bedeutendsten Umschlagsanlagen nur über Umwege erreicht werden können.

(SDA)