Wie aus Kaffeesatz eine Energiequelle wird

Bei der Herstellung von löslichem Kaffee fallen grosse Mengen Kaffeesatz an. Forschende des Paul Scherrer Instituts PSI zeigen nun in einem Pilotversuch, dass man daraus hochwertiges Methan gewinnen kann. Dieses dient wiederum als Energiequelle.
17.08.2017 11:04

Hobbygärtner nutzen Kaffeesatz gerne als Dünger. Die grossen Mengen, die bei der industriellen Herstellung von löslichem Kaffee anfallen, könnten künftig aber auch als Energiequelle dienen: Forschende zeigen mit einem am PSI entwickelten Verfahren, wie sich aus Kaffeerückständen hochwertiges Methan herstellen lässt. Dieses liesse sich beispielsweise zur Stromerzeugung nutzen oder ins Erdgasnetz einspeisen, teilte das Forschungsinstitut am Donnerstag mit.

Ausgangsprodukt für den Pilotversuch war nasser Kaffeesatz, den der Lebensmittelkonzern Nestlé zur Verfügung stellte. Das Material erhitzten die Wissenschaftler um Frédéric Vogel vom PSI und der Fachhochschule Nordwestschweiz zunächst in einer speziellen Versuchsanlage auf 450 Grad Celsius bei hohem Druck.

Das Wasser im Kaffeesatz gerate dadurch in einen sogenannten überkritischen Zustand, schrieb das PSI. Das helfe dabei, die im Kaffeerest enthaltenen Nährsalze abzutrennen, die sich sonst im Wasser auflösen würden.

Was vom Kaffeesatz dann übrig bleibt, werde mithilfe eines speziellen Katalysators zu Methan umgewandelt, hiess es weiter. Die Bilanz der ersten Versuche: Rund 60 Prozent der in den Kaffeerückständen enthaltenen Energie liess sich in Methan umsetzen.

Damit wollten die Forschenden zunächst die Machbarkeit ihres Verfahrens beweisen. Als nächstes soll nun ein Test mit einer leistungsfähigeren Anlage folgen, die derzeit am PSI aufgebaut wird: Erst damit liessen sich die Ergebnisse auf einen industriellen Massstab hochrechnen, sagte Vogel gemäss der Mitteilung. Auch müsse die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens noch geklärt werden.

Ebenfalls weiterverfolgen wollen die Wissenschaftler, ob man die abgetrennten Nährsalze und vor allem den darin gebundenen Stickstoff für die Düngerproduktion verwenden könnte. Besonders der hohe Stickstoffgehalt macht den Kaffeesatz nämlich zu einem gerne verwendeten Gartendünger.

Prinzipiell liesse sich das Verfahren auf alle organischen Abfälle mit ausreichend hohem Wassergehalt anwenden, müsse aber jeweils für deren Zusammensetzung optimiert werden, schrieb das PSI. Der Vorteil dieser Methode gegenüber anderen sei, dass man die oft feuchten organischen Abfälle aus der Lebensmittelindustrie nicht erst aufwändig trocknen müsse, um aus ihnen Energie zu gewinnen.

Die Schweizer Lebensmittelindustrie produziert jährlich rund 500'000 Tonnen organische Abfälle. Sie werden grösstenteils als Tierfutter verwendet. Jeweils rund ein Zehntel wird kompostiert oder energetisch genutzt.

(SDA)